Zwei in eins

Lassen Sie sich bei der Suche nach einem Tails-Image zum Herunterladen nicht davon verwirren, dass das einzige ISO, das Sie finden, die Kennung i368 für den 32-Bit-Modus trägt. Es handelt sich um ein Hybrid-Image, das je nach Architektur entweder einen 32- oder 64-Bit-Kernel bootet.

Nach dem Start von Tails als Live-System erscheint zunächst ein Bildschirm mit Welcome to Tails (Abbildung 3), der am unteren Rand etwas unscheinbar das Umstellen von Englisch auf Deutsch erlaubt. Die Frage nach weiteren Optionen sollten Sie bejahen, da Sie so am einfachsten an ein standardmäßig deaktiviertes Root-Passwort gelangen. Hier können Sie auch gleich die MAC-Adressen manipulieren, um den Standort zu verschleiern. Zudem lassen sich alle Netzwerkfunktionen deaktivieren.

Abbildung 3: Schon im Begrüßungsdialog von Tails finden sich einige wichtige Einstellungen.

Nach einem Klick auf Anwenden landen Sie auf einem Gnome-Desktop in der relativ aktuellen Version 3.14. Die Entwickler setzen allerdings auf den Gnome-Classic-Modus, der die Gnome Shell so anpasst, das sie in etwa dem Design von Gnome 2 entspricht. Das spart Ressourcen – sinnvoll für ein System, das unter Umständen ständig auf wechselnder Hardware zum Einsatz kommt. Im Hintergrund erstellt das System den Zugang zum Tor-Netzwerk und teilt nach rund einer Minute am unteren Bildschirmrand mit, dass Tor nun bereitsteht.

Starten Sie daraufhin den Tor-Browser, so werden Sie bemerken, dass der Start etwas zäher erfolgt als gewohnt. Das liegt am Tunneln der Verbindung durch das Tor-Netzwerk und betrifft auch das Surfen im Browser. Ob Sie wirklich über Tor surfen, sehen Sie an der kleinen Zwiebel oben rechts im Benachrichtigungsbereich. Ein X auf der Zwiebel bedeutet, dass Tor deaktiviert ist – dann blockiert Tails automatisch alle Verbindungen zum Internet.

Abgesicherte Kommunikation

Ein Klick auf das Zwiebel-Icon und das daraufhin erscheinende Open Onion Circuits öffnet die Liste der derzeit verwendeten Knoten im Tor-Netzwerk (Abbildung 4). Dabei sehen Sie pro Zeile drei Rechnernamen, bei denen es sich um den Eingangs-, Mittel- und Ausgangsknoten des Tor-Netzwerks handelt. Ein Klick auf einen Eintrag lässt Sie rechts die zugehörigen Eigenschaften einsehen, wie den Fingerabdruck, die IP-Adresse, den Standort und die Bandbreite des Knotens.

Abbildung 4: Tails leitet den Datenverkehr über mehrere Tor-Knoten.

TIPP

Das Anwendungsmenü bietet in der Kategorie Internet auch die Möglichkeit, über die Option Unsicherer Browser Firefox ohne den Umweg über das Tor-Netzwerk zu starten.

Auch den E-Mail-Client Icedove haben die Entwickler für Tails angepasst. Hierbei kommt Torbirdy [3] zum Einsatz, dessen Konfiguration Sie durch einen Klick am unteren rechten Rand des Icedove-Fensters einsehen und editieren. Hier lässt sich das Profil noch verschärfen, indem Sie zwangsweise alle ausgehenden E-Mails mit der Erweiterung Enigma verschlüsseln.

Messenger bieten einen weiteren Weg, über das Internet zu kommunizieren. Tails setzt hier den Pidgin Instant Messenger ein, der per OTR für Verschlüsselung und das sichere Authentifizieren des Gegenübers sorgt. Allerdings ist OTR in Tails standardmäßig deaktiviert, da Sie dafür einen privaten Schlüssel erzeugen müssen [4]. Zur entsprechenden Konfiguration gelangen Sie in Pidgin über Extras | Plugins | Off-the-Record Messaging.

Nutzen Sie Pidgin für IRC via Tor, sollten Sie im Hinterkopf behalten, dass einige Kanäle (wie etwa die von Debian) Besucher über Tor blockieren, da Spammer diesen Weg oft nutzen. Eine Liste mit für Tor geblockten und offenen IRC-Netzwerken finden Sie auf den Webseiten von Tor [5]. Weitere Informationen zur abgesicherten Kommunikation mit Pidgin liefert die Tails-Dokumentation [6].

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