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Schlanker IMAP-Client Trojitá im Überblick

Ma(i)l minimal

Der noch recht junge Mailclient Trojitá punktet mit intuitivem Interface und Tempo. Ihm fehlen aber noch einige essenzielle Funktionen.

An E-Mail-Programmen mangelt es Linux wahrlich nicht. Die Platzhirsche Evolution, Thunderbird und KMail haben gleich noch eine ganze PIM-Suite mit im Schlepptau, doch viele Anwender benötigen lediglich ein Programm für ihre Mails – sonst nichts. Im Kreis entsprechend schlanker Anwendungen für solche Zwecke finden sich der Gnome-Methusalem Balsa, Claws Mail oder das noch ziemlich neue Geary.

Seit einiger Zeit versucht das auf der Version 5 der Qt-Bibliotheken aufbauende Programm Trojitá [1] ebenfalls dieser Gruppe beizutreten. Bevor Sie den Neuling überhaupt als Alternative in Betracht ziehen, sollten Sie bedenken, dass das Programm ausschließlich mit dem IMAP-Protokoll zusammenarbeitet. Allerdings stellen fast alle Provider selbst für nicht zahlende Kunden einen solchen Zugang bereit, sodass das zunächst kein Problem darstellt.

Läuft die Kommunikation ausschließlich über andere Protokolle wie POP3, bleibt der Mailclient dagegen außen vor. Derzeit gibt es keine Pläne, dass zukünftige Versionen die Beschränkung auf IMAP aufheben.

Einrichtung

Um auf ein E-Mail-Konto zuzugreifen, öffnen Sie über IMAP | Einstellungen den entsprechenden Dialog. Ein Klick auf Hinzufügen fördert eine Maske zutage, in die Sie Namen und E-Mail-Adresse eintragen. Ein Klick auf Speichern sichert die Angaben, die allerdings noch nicht ganz ausreichen: Etablierte Mitbewerber wie Thunderbird, KMail oder Evolution suchen anhand der Domain in der Mailadresse selbstständig nach den richtigen Einstellungen bezüglich Server und Port – das klappt bei Trojitá noch nicht.

Im Reiter IMAP der Einstellungen (Abbildung 1) geben Sie die passenden Parameter für den Empfang der Nachrichten an. In der Online-Hilfe des Anbieters finden Sie in der Regel alle notwendigen Angaben, wie den Namen des Servers, dessen Port oder die angebotene Technik zum Verschlüsseln für den Transport Ihrer Nachrichten.

Abbildung 1: Hier richten Sie den Mailclient Trojitá für den Empfang von Nachrichten ein.

Im Reiter SMTP (Abbildung 2) geben Sie analog zum Empfang die Daten für den Versand ein. Dabei empfiehlt es sich, in den meisten Szenarien, das Häkchen hinter Ausgehende E-Mail speichern zu entfernen, da die Mehrzahl der Anbieter ohnehin Kopien der verschickten Nachrichten im Gesendet-Ordner ablegen. Außerdem scheiterte im Test der Versand der ersten Mails, weil das Programm den voreingestellten Ordner Gesendet nicht fand.

Abbildung 2: Im SMTP-Reiter konfigurieren Sie den Versand von Mails.

Zu guter Letzt geben Sie im Reiter Offline an, wie das Programm mit bereits abgerufenen Nachrichten umgeht. In der Voreinstellung speichert Trojitá E-Mails 30 Tage lang, was durchaus praxisgerecht erscheint. Trauen Sie Ihrem Provider bezüglich der Datensicherheit nicht, erscheint die Einstellung Für immer speichern sinnvoll.

Zwar deuten die Einstellungen an, dass die Applikation in der Lage sei, mehrere Konten zu verwalten, doch das trifft nicht zu. Sie dürfen zwar mehrere Identitäten angeben, aber die Parameter für Empfang und Versand bleiben für alle dieselben. Abhilfe schaffen Sie gegebenenfalls dadurch, dass Sie die Mails aus verschiedenen Postfächern auf dem Server in einem Postfach zusammenfassen.

Im momentanen Zustand vermag Trojitá immerhin, durch die Eingabe mehrerer Adressen Aliase korrekt zu verarbeiten. Solche erhalten Sie insbesondere von den Communities in der Welt der freien Software mehr oder weniger großzügig, dahinter verbergen sich aber schlicht Weiterleitungen statt eines echten Postfachs. Solche alternativen Adressen müssen jedoch beim Mail-Provider ordentlich registriert sein. Anderenfalls schlägt der Versand unter dieser Identität fehl, da die Software auf dem Server eine gefälschte Adresse vermutet.

Arbeitsabläufe

Nach dem Einrichten lädt der Client die Nachrichten vom Server. Schnell zeigt sich, dass die Entwickler das Rad nicht neu erfinden, was die Aufteilung des Hauptfensters angeht (Abbildung 3): Eine Baumansicht der IMAP-Ordner links, die Kopfzeilenliste oben und der Text unten – so kennt man das von vielen anderen Clients. Auf kleineren Bildschirmen nutzt dieses Schema den Platz am besten aus.

Abbildung 3: Trojitá verwendet in der Voreinstellung ein altbewährtes Layout, bietet aber die Möglichkeit, es mit wenigen Klicks anzupassen.

Bei Bedarf ändern Sie im Menü Ansicht | Layout die Anordnung, sodass die drei Bereiche entweder nebeneinander liegen oder jeweils nur einer zu sehen ist. Speziell mit kachelnden Fenstermanagern spielt die breite Ansicht ihre Stärken aus.

Interessant insbesondere für mobile Geräte ist ein kleines Symbol in der rechten oberen Ecke, das beim Anklicken eine Auswahl des Abrechnungsmodus der Verbindung öffnet. Hier schalten Sie entweder die Datenverbindung ganz ab oder wählen zwischen einer volumenbasierten Verbindung und einer echten Flatrate (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit einer speziellen Funktion hilft die Applikation dabei, die Kosten für die Verbindung zum Server im Griff zu behalten.

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