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© Tuxedo

Tuxedo Book XC1707: Ein Desktop im Notebook-Kleid

Dicker Wälzer

Das Tuxedo Book XC1707 soll einen sperrigen Desktop-PC gleichwertig ersetzen. Der 17-Zoll-Laptop bietet Platz für bis zu vier Massenspeicher, verfügt über eine schnelle CPU mit Nvidia-GPU und kommt von Haus aus mit Linux.

Als Apple 2008 das erste Macbook Air vorstellte, gab das Unternehmen mit "Kleiner, schlanker, besser" ein Motto vor, dem zahlreiche andere Notebook-Hersteller folgen sollten. Mit Dells XPS 13 in der Developer Edition [1] und dem InfinityBook von Tuxedo [2] finden sich in dieser Klasse auch zwei Geräte mit vorinstalliertem Linux. In der Praxis wissen die Linux-Minis durchaus zu überzeugen, doch nicht jeder Anwender benötigt ein ultraportables Notebook: Manchmal soll ein "Schlepptop" den Desktop-PC mitsamt Monitor möglichst äquivalent ersetzen.

An genau dieser Aufgabe versucht sich das Tuxedo Book XC1707 [3]. Mit einer Grundfläche von knapp 42 mal 29 Zentimetern nimmt das Gerät fast so viel Platz auf dem Schreibtisch ein wie ein DIN-A3-Blatt oder eine aufgeklappte Ausgabe von LinuxUser (Abbildung 1). Zudem wiegt der Laptop mit 3,3 Kilogramm (zuzüglich 1 Kilo für das ebenfalls sehr mächtige Netzteil) so viel wie der Schulranzen eines frisch gebackenen Abc-Schützen. Das Tuxedo Book wird man daher in der Regel selten mit auf eine Reise nehmen.

Abbildung 1: Die Stellfläche des Tuxedo Book XC1707 entspricht der einer aufgeklappten LinuxUser-Ausgabe. Laptop plus Netzteil wiegen gut 4 Kilogramm.

Die Abmessungen und das Gewicht des Geräts stehen jedoch gar nicht zur Kritik: Mit einem 17,3 Zoll großen Display, 4 Slots für Massenspeicher und zahlreichen Schnittstellen tritt das XC1707 gar nicht in der Klasse der Federgewichte an (siehe Tabelle "Technische Daten"). Es möchte eher jene Nutzer überzeugen, die eine portable Alternative zum Desktop-PC suchen, die man auch einmal ins Regal oder in den Schrank räumen kann, ohne unzählige Kabel neu organisieren zu müssen.

Technische Daten

Komponente Details
Chipsatz Intel "Skylake"
CPU Intel Core i7-6700HQ(1) oder i7-6820HK Quad-Core
GPU Nvidia GeForce GTX 1060 (6 GByte)(1) oder GTX 1070 (8 GByte)
Display 17,3 Zoll matt, 1920 x 1080, IPS mit G-Sync
RAM 8 bis 64 GByte, DDR4 2400 MHz (16 GByte(1))
Massenspeicher 2 SATA3, 2 M.2 SSD (512 GByte Samsung Pro SSD(1))
LAN Realtek RTL8168/8111 Ethernet, 10/100/1000 Mbit/s
WLAN Intel Dual AC 3160 & Bluetooth (M.2 2230) oder Intel Dual AC 8260 & Bluetooth (M.2 2230)(1)
Mobilfunk LTE/HSDPA+ 4G Huawei ME936 (an M.2-Schnittstelle)
Webcam 2 Megapixel
Anschlüsse HDMI, 2 Mini-DisplayPort, 2 USB3.1 Typ C, 3 USB3.0 Typ A, 9-in-1-Kartenleser, Audio inklusive S/PDIF, Fingerabdruckscanner
Maße / Gewicht 417 x 287 x 29 mm / 3,30 kg
Preis ab 1599 Euro (Testgerät 1682,80 Euro)
(1) Komponente im Testgerät verbaut

Erster Eindruck

Das XC1707 steckt in einem massiven, fast komplett aus Metall gearbeiteten Gehäuse in solider Verarbeitung. Selbst wenn man das massige Gerät an einer Ecke mit der Hand hochhebt, verzieht sich das Gehäuse kaum. Im Gegensatz zu den kompakten "Air-Notebooks" lässt sich das Gerät durch das Lösen weniger Schrauben öffnen (Abbildung 2). So erhält man Zugang zu den Lüftern (zwei für die GPU, einer für die CPU), um sie zu reinigen, oder kann Laufwerke sowie den Arbeitsspeicher aufrüsten und den Akku tauschen, falls dessen Kapazität nachlässt.

Abbildung 2: Das leicht zu öffnende Gerät bietet Platz für bis zu 4 Massenspeicher (jeweils 2 mal SATA und 2 mal M.2).

Auf der beleuchteten Tastatur mit dediziertem Nummernblock lässt es sich angenehm tippen. Ideal wäre es gewesen, den Nummernblock von den restlichen Tasten abzusetzen – Platz dafür bliebe links und rechts. Vielschreiber dürfte allerdings die gut zwei Zentimeter hohe, und recht scharfe Vorderkante irritieren: Sie lässt ergonomisches Schreiben kaum zu. Im quasistationären Betrieb bietet es sich daher an, das Gerät mit einer externen Maus und Tastatur auszustatten. Aufgrund des großformatigen Displays lässt sich gut mit zwei Dokumenten gleichzeitig arbeiten (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auf dem 17,3 Zoll großen Display lässt sich mit zwei nebeneinander angeordneten Anwendungen gut arbeiten.

Wie bei Tuxedo üblich, bietet der Händler verschiedene vorinstallierte Distributionen zur Wahl an. Aktuell beschränkt sich das Angebot auf Ubuntu 16.04 in diversen Geschmacksrichtungen. Auf Wunsch spielt Tuxedo noch ein Windows-System parallel zu Linux auf. Auf dem Testgerät lädt nach dem Einschalten ein klassischer Ubuntu-Desktop mit Unity. Die Installation erfolgte seitens Tuxedo im OEM-Modus; so dürfen Sie beim ersten Start Sprache, Rechner- und Benutzernamen sowie Passwort selbst wählen.

Systemrettung per Assistent

Dem Paket liegt eine Installations-CD mit Ubuntu 16.04.1 bei, bei dem der Hersteller seine Anpassungen bereits vorgenommen hat. Bevorzugen Sie ein Original-Image, lassen sich die notwendigen Anpassungen mit einem von Tuxedo bereitgestellten Skript einspielen [4]. Alternativ übertragen Sie den Tuxedo-Webinstaller [5] auf einen USB-Stick und booten das System davon. Der Assistent entfernt das bestehende System und überträgt das von Tuxedo angepasste System direkt aus dem Netz auf das Notebook. Dabei haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Releases und Geschmacksrichtungen von Ubuntu sowie Elementary OS (Abbildung 4).

Abbildung 4: Über den Tuxedo-Webinstaller installieren Sie mit nur wenig Aufwand für das Gerät optimierte Ubuntu-Versionen.

Bei der Konfiguration leistet Tuxedo ganze Arbeit: Neben dem proprietären Grafiktreiber für die Nvidia-Karte funktionieren auch der Standby-Modus, Bluetooth, Sondertasten und der ins Touchpad integrierte Fingerabdruckscanner ohne weiteres Zutun. Für Letzteren müssen Sie lediglich in den Systemeinstellungen unter Benutzer die Anmeldung mit Fingerabdruck aktivieren und fünf Mal den gewünschten Finger einscannen. Danach loggen Sie sich per Fingerzeig ins System ein oder holen sich administrative Rechte (Abbildung 5). Das funktioniert mit grafischen Root-Abfragen wie auch mit Sudo-Kommandos im Terminal.

Abbildung 5: Der Fingerabdruckscanner funktioniert ohne zusätzliche Konfiguration, Sie müssen lediglich Ihren Fingerabdruck hinterlegen.

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