Editorial 01/2017

Das Letzte

2016 war nicht das Jahr des Linux-Desktops, hat uns aber auf dem Weg dorthin ein großes Stück weitergebracht, meint Chefredakteur Jörg Luther, und wünscht in diesem Sinn frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

dass die vorliegende Ausgabe die Nummer 01/2017 trägt, obwohl sie kurz vor Weihnachten erscheint, ist den Gebräuchen im deutschen Einzelhandel geschuldet: Trüge sie die Nummer 12/2016, bestünde die Gefahr, dass der Substitut im Supermarkt sie Anfang Januar aus dem Regal räumt, weil sie ja "vom letzten Jahr" ist. Wie auch immer: Als letzte Ausgabe des Jahres eignet sich die 01 bestens für einen Rückblick auf die letzten 12 Monate.

Für Linux und seine Anwender war es ein gutes Jahr. Zwar hat auch in den letzten 12 Monaten das vielzitierte, nebulöse "Jahr des Linux-Desktops" nicht stattgefunden, doch kam 2016 dem schon ziemlich nahe – dafür sprechen mehrere Indizien: Zum einen melden alle Dienste, die Zugriffe auf wichtige Webseiten nach benutztem Betriebssystem und Webbrowser auswerten, einen deutlichen Anstieg von Surfern, die mit Linux unterwegs sind: Deren Anteil verdoppelte sich 2016 in etwa – auf immerhin 2 Prozent aller Webseitenbesucher. Nun ja: Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Zum anderen hat sich der Linux Presentation Day (LPD), der zwei Mal im Jahr Einsteigern in Form einer interaktiven Informationsveranstaltung die Scheu vor dem freien Betriebssystem nehmen will, als feste Größe etabliert. Die im Frühjahr 2015 in Berlin quasi als Test aus der Taufe gehobene Veranstaltung findet inzwischen regelmäßig nicht nur in zahlreichen Städten in Deutschland statt, sondern hat auf fast ganz Westeuropa übergriffen; schon bald könnte es ihn auch in den USA geben, aus denen erste Anfragen vorliegen. Vom jüngsten LPD 2016.2 am 22. Oktober berichteten fast alle Veranstaltungsorte von einem massiven und so nicht erwarteten Besucheransturm.

Das steigende Interesse der Endanwender an Linux ist freilich nicht ganz freiwillig, hier leistet Microsoft mit dem vor allem aus der Privacy-Perspektive unsäglichen Windows 10 kräftig Schützenhilfe. Der Mut zum Umstieg wird sich bei Windows-Anwendern auch nicht dauerhaft halten, wenn Linux als Desktop-Betriebssystem nicht von sich aus überzeugt.

Einerseits befindet sich das freie Betriebssystem da auf einem guten Weg: Der Umstieg von SysV-init auf Systemd ist bei den meisten Projekten erfolgreich abgeschlossen und trägt in Form kurzer Boot- und noch kürzerer Shutdown-Zeiten sichtbare Früchte. Mit Fedora 25 löst jetzt die erste prominente Distribution das angestaubte X11 durch Wayland ab (siehe Artikel ab Seite 6), was schnellere, schlankere, weniger wartungsintensive und fehleranfällige Desktops verspricht.

Auf der Soll-Seite stehen dem aber immer noch ärgerliche Defizite gegenüber. Um nur zwei wichtige Baustellen zu erwähnen: Einerseits wäre es jetzt mal höchste Eisenbahn für eine ohne Kopfstände funktionierende Hybrid-Grafik-Lösung für Notebooks (siehe Artikel ab Seite 80) – schließlich betreibt außer Hardcore-Gamern heute kaum noch jemand einen Desktop-PC. Und nach wie vor fehlt ein Open-Source-Betriebssystem für mobile Geräte, das auch so richtig Spaß macht; quasi ein Ubuntu-Touch auf Speed. Liebe Entwickler: Das wünschen wir uns von euch für 2017.

Apropos wünschen: Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Ich hoffe, man liest sich!

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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