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Q4OS mit Trinity-Desktop

Q wie Qualität

Mit seinem Trinity-Desktop spricht Q4OS 1.6.3 gleichermaßen Nutzer älterer PCs, Linux-Neulinge und Freunde von KDE 3 an.

Bei der Distribution Q4OS steht das Q für Qualität. Das fängt schon bei der Wahl des Unterbaus an, bei dem die Entwickler auf Debian 8.6 "Jessie" setzen, sodass er Debians Langzeitunterstützung bis 2020 genießt. Als Desktop-Umgebung kommt ein gut abgehangenes KDE 3.5 zum Einsatz, in der Form des Trinity Desktop Environments (TDE) in Version 14.0.4 [1].

Alternativ zu der Anfang Oktober 2016 veröffentlichten Version 1.6.3 erschien bereits am 20. September mit Q4OS 2.2 ein experimentelles Image, das auf Debian "Testing" setzt und neben Trinity auch LXQt als Desktop anbietet. Somit steht zu vermuten, dass die nächste stabile Veröffentlichung beide Desktop-Umgebungen anbieten wird – sie erscheint aber erst 2017 nach dem Release von Debian 9 "Stretch".

Q4OS läuft bestens auf aktueller Hardware, bietet sich aber speziell auch für ältere Rechner an: Als Mindestanforderungen gibt das Projekt eine Pentium-CPU mit 300 MHz Taktrate an, 128 MByte RAM sowie einer Plattenpartition mit 3 GByte Kapazität.

Damit sollte Q4OS auch gut auf dem Raspberry Pi und anderen ARM-Boards laufen, für die es ebenfalls ISOs beziehungsweise Install-Scripts auf der Download-Seite [2] gibt. Die Image-Größen bleiben mit rund 300 MByte beziehungsweise um die 500 MByte für die Live-Version überschaubar, das Projekt offeriert 32- und 64-Bit-Varianten.

Die Live-Version kommt mitsamt Installer, sodass Sie das System bei Gefallen gleich einrichten. Können Sie auf den Testlauf verzichten, sparen Sie 200 MByte Download-Umfang, indem Sie gleich das Installationsabbild herunterladen. Die geringe Größe der Abbilder erklärt sich dadurch, dass Q4OS außer dem Chrome-Browser und den Systemtools keine Software vorinstalliert – dazu gleich mehr.

Installation

Die Installation stellt auch Einsteiger vor keinerlei Probleme und ist dank der geringen Abbildgröße schnell erledigt (Abbildung 1). Seit Version 1.6.3 kann die Installation auch mit UEFI anstelle des herkömmlichen BIOS erfolgen. Nach erfolgter Systemeinrichtung und anschließendem Neustart begrüßt Sie der Desktop Profiler (Abbildung 2). Er bietet drei Varianten an, um das System zu komplettieren – wie schon erwähnt, sind außer dem Webbrowser noch keine Anwendungen vorinstalliert.

Abbildung 1: Bei der Installation von Q4OS müssen Sie nur wenige Einstellungen treffen.
Abbildung 2: Der Desktop Profiler stellt drei Installationsmodi zur Auswahl.

Für Durchschnittsanwender und Einsteiger empfiehlt das Projekt die Spielarten Basic Desktop oder Full Desktop. Hierbei lädt das System rund 150 beziehungsweise 500 MByte an Anwendungen herunter und installiert diese. Der Basic Desktop setzt dabei ein etwas schmaleres System auf, ohne Office-Suite und mit weniger Auswahl an Anwendungen. Die dritte Variante überlässt dem Anwender den kompletten weiteren Ausbau.

Als weitere Variante der Paketinstallation bietet Q4OS auf seiner Download-Seite in der Rubrik Software Downloads sogenannte One-Klick-Pakete an, die sich nach dem Herunterladen mit einem Klick installieren lassen. Hier finden Sie neben Webbrowser und Mail-Client unter anderem auch Nvidia-Treiber, einen Terminal-Server sowie Entwickler-Software.

System

Q4OS setzt wie Debian 8.6 auf den Kernel 3.16 und Systemd 215 (Abbildung 3). Nach erfolgter Installation und der Erweiterung auf einen Full Desktop belegt das System direkt nach dem Start 280 MByte RAM und 4,3 GByte auf der Festplatte. In der Variante Basic Desktop sind es sogar nur 150 MByte Hauptspeicher und rund 2 GByte Plattenplatz.

Abbildung 3: Bei den grundlegenden Systemkomponenten orientiert sich Q4OS am aktuellen Debian "Jessie".

Auch über die Auswahl und Installation eines passenden Paketbestands hinaus nimmt Q4OS den Anwender beim Erledigen einiger Standardaufgaben an die Hand. Stellt das System etwa fest, dass es in einer Virtualbox läuft, bietet es an, die Gasterweiterungen zu installieren (Abbildung 4). Der Willkommensbildschirm hat aber noch mehr in petto: Er offeriert, proprietäre Codecs für das Abspielen von MP3 und von DVDs zu installieren, Desktop-Effekte einzuschalten oder gängige Anwendungen nachzuziehen (Abbildung 5).

Abbildung 4: Q4OS erkennt, dass es in Virtualbox läuft, und bietet das Installieren der Gasterweiterungen an.
Abbildung 5: Der extrem nützliche Willkommensbildschirm von Q4OS hält nützliche Funktionen bereit.

Mit einem Klick installieren Sie hier die Browser Firefox oder Chrome, den Mailclient Thunderbird, den Paketmanager Synaptic, die Bürosuite LibreOffice oder den Medienplayer VLC. Auch Dropbox, Teamviewer, Wine und der proprietäre Nvidia-Treiber lassen sich auf diesem Weg einrichten. Darüber hinaus steht Ihnen per Synaptic oder Apt der gesamte Paketbestand von Debian zur Verfügung.

Ein weiterer Button bietet das Umschalten auf das modernere Kickoff-Menü von KDE 4 an. Es wertet den Desktop mit einer Suchfunktion auf, die nach dem Öffnen den Fokus hat, sodass Sie gleich einen Suchbegriff eingeben können. Der letzte Schalter im Willkommensbildschirm aktiviert das automatische Anmelden.

Als eine von ganz wenigen Distributionen kommt Q4OS mit dem Trinity-Desktop, bei Q4OS 1.6.3 in Version 14.0.4. Das Trinity-Projekt pflegt KDE 3 weiter (derzeit in Version 3.5.10) und aktualisiert den Desktop sogar behutsam. Seine ersten Nutzer fand Trinity seinerzeit in den Anwendern, die die mit KDE SC 4 eingeführten Neuerungen wie Akonadi und Nepomuk für überflüssigen Ballast hielten oder von der Instabilität der ersten KDE-4-Versionen enttäuscht waren.

Mittlerweile hält Trinity KDE 3 seit sechs Jahren weiter am Leben. Der Desktop passt gut zu Q4OS, da er sehr ressourcenschonend ans Werk geht und somit auch auf alter oder schwacher Hardware ein flüssiges Arbeiten ermöglicht. Bevorzugen Sie einen anderen Desktop, installieren Sie diesen einfach über die Debian-Paketverwaltung und wählen ihn dann bei der nächsten Anmeldung als Sitzung aus. Bei entsprechend aktueller Hardware sind hier dem individuellen Geschmack keine Grenzen gesetzt.

Abbildung 6: Q4OS lässt sich gegebenenfalls auch um andere Desktops erweitern – hier beispielsweise LXQt.

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