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25 Jahre Linux – und kein Ende

Pinguine zählen

Der Kernel-Report 2016 der Linux Foundation bietet wieder interessante Zahlen und Fakten zu Linux und seiner Entwicklung.

Auf der im Oktober in Berlin abgehaltenen Entwicklerkonferenz LinuxCon Europe 2016 [1] sagte Jim Zemlin, Geschäftsführer der Linux Foundation (Abbildung 1), Linux sei ohne Zweifel das ambitionierteste, agilste und erfolgreichste Open-Source-Unterfangen aller Zeiten und zugleich die erfolgreichste Software überhaupt.

Abbildung 1: Jim Zemlin, Geschäftsführer der Linux Foundation, bezeichnete Linux auf der LinuxCon 2016 als das ambitionierteste, agilste und erfolgreichste Open-Source-Projekt.

Tatsächlich verrichtet Linux seinen Dienst inzwischen überall – vom kleinsten Embedded-Gerät über Smartphone und PC bis hin zum Supercomputer – Zemlin übertreibt also keineswegs. Doch wer steckt hinter dem Linux-Kernel, und wie verläuft die Entwicklung? Der Bericht der Linux Foundation erlaubt es, anhand von Personen, Zahlen und Fakten zu belegen, was den Linux-Kernel so erfolgreich gemacht hat.

Fakt ist, dass es sich beim Desktop um (fast) die einzige Sparte handelt, in der das freie Betriebssystem nicht dominiert. Rund 98 Prozent der Supercomputer des Planeten laufen unter Linux, bei den Börsen dieser Welt sind es rund 90 Prozent. Der Kernel hat es buchstäblich nach oben bis hinauf zur Raumstation ISS geschafft. Die fast 300 000 neuen Codezeilen jeder neuen Kernel-Version in rund 300 Subsystemen und über 30 unterstützte Architekturen des Kernels erlauben ein hohes Maß an Flexibilität. So zog Linux seit der Jahrtausendwende in immer mehr kleine und große Unternehmen ein.

Microsofts Beitrag

Selbst Microsoft, das früher Linux vehement bekämpfte und verleumdete, hat seine Arme weit geöffnet und will die Welt glauben machen, das Unternehmen liebe nun das freie Betriebssystem. Der Wahrheit näher kommt die Marschroute des neuen Microsoft-Chefs Satya Nadella (Abbildung 2), der begriffen hat, dass sich das IT-Umfeld heute durch und durch heterogen präsentiert und der Konzern den Pinguin zwangsweise in sein Angebot aufnehmen muss, wenn er Kunden weiter an sich binden will.

Abbildung 2: Microsoft-Chef Satya Nadella integriert Linux in seine Konzern-Strategie – weniger aufgrund einer gewandelten Einstellung zu freier Software, als vielmehr, um dem wachsenden Wunsch der Kunden des Unternehmens zu entsprechen. (Bild: Microsoft)

Microsoft trägt trotz aller Differenzen ab und zu selbst zum Kernel bei. So lag der Konzern aus Redmond bei der Veröffentlichung von Kernel 3.0 im Jahr 2011 mit 361 Beiträgen auf Platz 7 der Rangliste der meisten Commits und bestritt 4 Prozent der Neuerungen dieser Version. Dabei ging es um die Schnittstelle zur hauseigenen Virtualisierungstechnik HyperV, die Microsoft für den Einzug in den Hauptzweig vorbereitet hatte, nachdem die Kernel-Entwickler sie schon mehrmals wegen schlechter Qualität fast aus dem "Staging"-Zweig entfernt hatten.

Aber nicht nur in Supercomputern oder im All ist Linux zu Hause, selbst im täglichen Umfeld hat das freie Betriebssystem unbemerkt das Regiment übernommen: In vielen Tablets und Smartphones sowie einem großen Teil aktueller Unterhaltungselektronik schlägt ein Linux-Herz. Wenn die Ampel auf Grün springt, die Kasse im Supermarkt den Einkauf addiert oder der Pfandautomat das Leergut verschlingt, dann werkelt im Hintergrund – weitgehend unbemerkt – meist freie Software. Gerade im Embedded-Bereich kommt es auf schonenden Umgang mit den Ressourcen an – und darin ist Linux Spitze.

Deutliches Wachstum

Spitze ist auch die Entwicklung der Codezeilen im Kernel: Als Linus Torvalds 1991 mit dem heute berühmten Eintrag im Usenet in der Rubrik comp.os.minix [2] mitteilte, dass er ("nur so zum Spaß") ein neues Betriebssystem entwickle, umfasste der Kernel in Version 0.1 rund 10 000 Zeilen. Die heute aktuelle Version 4.8 bringt es auf über 22 Millionen Zeilen in fast 55 000 Dateien.

Anfangs verlief das Wachstum gemäßigt: Bis zur ersten Million Zeilen (im Kernel 2.1.62) brauchte es rund sechs Jahre. Zwischen den Versionen 2.5.2 im Jahr 2002 und 2.6.32 im Jahr 2009 stieg die Zahl der Zeilen rasant von rund 3 auf 10 Millionen an (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Entwicklung der Codezeilen im Linux-Kernel seit 1991: Mit Version 2.6.32 stieg die Zahl der Lines of Code sprunghaft von rund 3 Millionen auf etwa 10 Millionen an. (Bild: Linux Counter)

Heute beträgt der Zuwachs an Zeilen ("Lines of Code", LoC) pro Tag im Schnitt 10 800 oder pro Stunde 450 Zeilen. Jede Minute kommen so rund 7,5 Zeilen zum Kernel hinzu (Abbildung 4). Gleichzeitig entfernen die Entwickler täglich über 5000 Zeilen und verändern fast 2000. Pro Stunde nehmen sie derzeit im Schnitt 7,8 Patches an.

Abbildung 4: Beeindruckende Zahlen einer stetigen Entwicklung: Der Kernel wächst mit jedem Tag um rund 10 800 Zeilen. Allerdings haben die Entwickler Schwierigkeiten, diese Mengen gleichmäßig gut zu prüfen.

Eine neue Kernel-Version erscheint alle 63 bis 70 Tage. Dabei bleibt es aber nicht, denn jeder Kernel erhält während seiner Lebenszeit bis zum ersten Release-Kandidaten des nächsten Kernels (RC1) einige Aktualisierungen.

Die wenigsten Updates in den letzten Jahren erfuhr Kernel 4.6: Mit fünf Aktualisierungen brachten die Developer 550 Berichtigungen ein. Dagegen erhielt Kernel 4.1 nicht weniger als 17 Updates mit 1634 Korrekturen. Innerhalb von vier Tagen erfuhr kürzlich der Kernel 4.8 seine erste Aktualisierung, da die Entwickler einen Fehler übersehen hatten, der den Kernel unter bestimmten Bedingungen zum Absturz brachte [3].

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