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Linux für alte Hardware

Gertenschlank

Das speziell für ältere Hardware konzipierte Tiny-Core-Derivat Minux fällt jedoch nicht nur rekordverdächtig klein aus, sondern ist auch noch extrem schnell und obendrein gut ausgestattet.

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren veröffentlichte der finnische Student Linus Torvalds ein selbst entwickeltes unixoides Betriebssystem, das wenig später seinen Siegeszug unter dem Namen Linux antreten sollte. Zu dieser Zeit wurden noch komplette Betriebssysteme auf Disketten ausgeliefert, was angesichts des Gesamtumfangs von selten mehr als 20 MByte auch kein größeres Problem darstellte.

Heute sieht die Geschichte ganz anders aus. Systeme in der Größenordnung von weit mehr als einem GByte stellen den Regelfall dar, und so sticht das winzige Linux-Derivat Minux (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls sehr kompakten Minix) mit seinem Umfang von gerade einmal 23 MByte deutlich aus der Masse hervor.

Sie erhalten das von Tiny Core Linux abgeleitete Minux bei Sourceforge unter https://sourceforge.net/projects/minux/. Das ISO-Image lässt sich sowohl auf einen optischen Datenträger als auch auf einen USB-Stick transferieren. Für letztere Variante leistet das Werkzeug Unetbootin gute Dienste, es bedarf keiner manuellen Anpassungen auf der Kommandozeile.

Erstkontakt

Nach dem Start bietet der Bootmanager von Minux neben der Standardeinstellung vier Optionen: Neben dem Hochfahren mit grafischer Oberfläche und einer ebenfalls in einen grafischen Bildschirm verzweigenden Option für langsame Rechner bietet er auch zwei Einträge, die das System textbasiert starten. Die Optionen für langsame Systeme dienen in erster Linie für den Einsatz mit alten USB-Speichersticks: Sie legen beim Booten eine fünfsekündige Pause ein, damit das Speichermedium genug Zeit hat, um sich am Systembus zu registrieren. Reicht das nicht aus, editieren Sie Grubs Boot-Optionen. Dazu drücken Sie [Tab] und passen den Wert hinter dem Parameter usbwait= entsprechend an.

Die grafische Oberfläche startet auch auf leistungsschwachen Rechnersystemen erstaunlich schnell. Im Test erkannte Minux selbst eine Matrox-G200-Grafikkarte korrekt und konfigurierte die Auflösung automatisch entsprechend. Die G200 gehört mit einem Alter von rund 18 Jahren zu den Methusalems unter den Hardware-Komponenten, selbst weitverbreitete Desktop-Distributionen wie Ubuntu, OpenSuse, Mageia oder Linux Mint identifizieren sie nicht mehr korrekt.

Desktop

Der Minux-Desktop wirkt keineswegs angestaubt: Am oberen Rand befindet sich, ähnlich wie beim Basissystem Tiny Core Linux, eine horizontale Panelleiste mit einem kleinen System-Tray. Am unteren Bildschirmrand zeigt der Desktop – ebenfalls horizontal angeordnet – die optisch stark von der Aqua-Oberfläche der Apple-Betriebssysteme inspirierte Wbar-Starterleiste. Beim Berühren mit dem Mauszeiger vergrößern sich die Starter ohne Verzögerung.

Der Desktop wirkt sogar auf Rechnern mit Single-Core-Prozessoren und einem Arbeitsspeicher von lediglich 256 MByte rasend schnell, wobei der sehr schlanke Fenstermanager JWM einen erheblichen Teil zu dem äußerst agilen Auftreten beiträgt. Minux setzt für grafische Anwendungen auf das kompakte FLTK (Fast Light Toolkit – als "fulltick" ausgesprochen) und das GTK-Toolkit, was einen geringen Ressourcenbedarf garantiert. Zusätzlich stehen dadurch auch eine stattliche Anzahl FLTK-basierter Applikationen bereit.

Das System benötigt im Leerlauf nach dem Hochfahren lediglich knapp 100 MByte Arbeitsspeicher, sodass auch auf alten Maschinen mit kleinem Speicher kaum Engpässe auftreten. Da Minux das gesamte Kernsystem inklusive der Erweiterungen bei jedem Neustart komplett ins RAM entpackt, bestehen für Schadprogramme kaum Angriffspunkte, um das System zu kompromittieren. Zusätzlich bedeutet ein im Arbeitsspeicher ablaufendes Betriebssystem mitsamt entsprechenden Applikationen vor allem auf alten Rechnern mit langsamen Massenspeichern einen signifikanten Geschwindigkeitszuwachs.

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