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© Maxborovkov, 123RF

Seriendruck mit Glabels

Die große Feier

Einladungen oder Tischkarten verleihen Sie mit Glabels unkompliziert eine individuelle Note – so beginnt die Feier gleich mit einem ersten Hingucker.

Es gibt sie immer noch, aber gefühlt schrumpfen sie: die Wühltische in den Software-Abteilungen der Elektronikmärkte. Dort landen neben gut abgehangenen Grafik- und Video-Suiten, Schriftenpaketen oder Steuersoftware der vorletzten Saison solch illustre Produkte wie "Die große Einladungs- und Glückwunschkartendruckerei" und Ähnliches. Zwar finden Sie kaum Pendants zu diesen Titeln unter freier Software, intelligente Alternativen aber sehr wohl.

Wenn die Aufgabe lautet, eine kleinere oder größere Feier mit Einladungen und Tischkarten auszustatten, schielt vielleicht so mancher Linux-Anwender zuerst neidisch auf das entsprechende Windows-Programm. Das beglückt mit vorgefertigten Designs, in das Sie nur noch Namen einzutragen brauchen. Doch ein wenig Erfindergeist vorausgesetzt, nutzen Sie als Ersatz einfach Glabels [1].

Das vor mehr als 15 Jahren in einer ersten Version erschienene und beständig aktualisierte Programm dient eigentlich zum Entwerfen und Bedrucken mit Etiketten und Visitenkarten, wie Sie sie auf Bögen im Handel finden. Aber so, wie Sie im Zweifelsfall mit einer Zange einen Nagel in die Wand bekommen, eignen sich die Funktionen von Glabels dazu, ganz andere und nicht minder professionell aussehende Drucksachen anzufertigen. Zwar handelt es sich bei Glabels um kein ausgewachsenes DTP-Programm wie Scribus, doch die gebotenen Möglichkeiten genügen, und die Lernkurve fällt angenehm flach aus.

Das Programm findet sich im Portfolio jeder gängigeren Distribution. Die letzte Veröffentlichung liegt schon einige Monate zurück, sodass die aktuelle Version 3.4.0 zumindest in den (meist halbjährlich ausgerollten) Mainstream-Distributionen bereitstehen sollte. Die beschriebene Funktion für den Seriendruck gibt es seit Jahren, das angepeilte Vorhaben gelingt also selbst mit älteren Versionen.

Glabels kompilieren

Sollten Sie Glabels aus den Quellen [2] kompilieren wollen, benötigen Sie für den üblichen Dreischritt aus configure, make und make install neben GTK 3.x noch Libxml und Libsvg – allesamt mit den passenden Entwicklerpaketen – sowie das Perl-Modul XML::Parser. Weitere Abhängigkeiten, wie die Bibliotheken Zint oder Qrencode zum Erzeugen von Barcodes, sind optional. Entsprechend der GTK-Konfiguration des Systems mahnt das Configure-Skript möglicherweise noch das Fehlen anderer Bibliotheken an. Dazu zählen aber keine Exoten, sodass es – außer auf den wenig GTK3-affinen BSD-Systemen – kaum passieren dürfte, dass die Installation misslingt.

Los geht's

Wählen Sie nach dem Start des Programms im Menü Datei | Neu die Vorlage aus, die Ihren Vorstellungen entspricht. Für das Beispiel benötigen Sie keine spezielle Vorlage, sondern dürfen sich frei im Fundus bedienen. Er enthält Formate wie ISO A4 oder die bei Papieren für Fotos üblichen Größen.

Die Marke Generic im linken Auswahlmenü (Abbildung 1) ist eigentlich gar keine Marke, sondern enthält lediglich einige allgemeine Papierformate, zum Beispiel das Format DIN A6, das uns hier als Ausgangsmaterial dient. Nach dem Klick auf Weiter wählen Sie noch die Ausrichtung (normal oder gedreht, also Hoch- oder Querformat), und schon dürfen Sie Ihren Ideen für das Design freien Lauf lassen.

Abbildung 1: Die generischen Vorlagen halten sämtliche in ISO- oder US-Standards üblichen Papierformate bereit.

Für den Entwurf erweist es sich generell als hilfreich, das Raster im Hintergrund über Ansicht |Raster einzuschalten. So erleichtern Sie sich das Anordnen der einzelnen Objekte. Zunächst benötigen Sie einen Text, etwa so: "Zu unserer Silvesterparty laden wir euch, Tom und Diana, am 31. Dezember 2016 recht herzlich ein."

Außer Tom und Diana laden Sie noch einige oder viele weitere Gäste ein. Die Anrede und deren Namen brauchen Sie nicht immer wieder neu einzugeben, denn genau an diesem Punkt vereinfacht die Funktion für den Seriendruck die Sache erheblich.

Die Namen der Gäste legen Sie als externe Textdatei im CSV-Format ab, das Sie bei Bedarf aus einer Tabellenkalkulation exportieren. Da Sie keine komplizierten Konstruktionen benötigen, genügt zum Erstellen unter Umständen sogar ein einfacher Texteditor. Schreiben Sie jeweils die Anrede und die zugehörigen Namen in einer Zeile direkt hintereinander, und trennen Sie diese durch ein Komma (Abbildung 2). Das fungiert als Trennzeichen; in den Zeilen enthaltene Leerzeichen übernimmt die Applikation unverändert.

Abbildung 2: Glabels verarbeitet die Daten für Namen und Anrede der Gäste aus einem simplen Format am Fließband zu perfekten Textzeilen.

Frisch getextet

Nun fügen Sie den Text in die Zeichenfläche in Glabels ein. Mit einem Klick auf das T in der Werkzeugleiste oder über das Menü Objekte | Erzeugen | Text und einem anschließenden Klick auf die Zeichenfläche erstellen Sie ein passendes Objekt, dessen Eigenschaften Sie rechts bearbeiten.

Der Textrahmen sieht zunächst aus wie eine Versammlung kleiner grüner Männchen. Um ihn in Form zu bringen, ziehen Sie ihn zum Vergrößern oder Verkleinern mit der Maus an den grünen Punkten. Steht der Mauszeiger über der Rahmenlinie zwischen den grünen Markierungen, dann verschieben Sie das Objekt, indem Sie beim Ziehen die linke Maustaste drücken und halten.

Der Text selbst braucht noch etwas Pflege: Eine dekorative Schriftart in ansprechender Größe, dazu noch auf der Seite zentriert, bringt schon etwas mehr Ästhetik in die Einladung. Die entsprechenden Einstellungen finden Sie im Reiter Stil der Eigenschaften. Interessant ist der Reiter Schattierung, wo Sie einen Schatten in frei wählbarer Farbe und Versatz zum Text hinzufügen.

Gehen Sie dennoch sparsam mit den Effekten um, denn die Software zeichnet den Schatten nicht weich. Zu wenig Kontrast zum eigentlichen Text und zu viel Versatz zur Schrift machen das Konstrukt unter Umständen unleserlich. Den Versatz selbst stellen Sie feinkörnig in Schritten von Zehntelmillimetern ein, das Anpassen der Transparenz verbessert hier die Ansicht wesentlich.

Bei Bedarf platzieren Sie sich nach Herzenslust Objekte wie Bilder, Linien und Rahmen mit oder ohne Füllfarbe. Alle Objekte erreichen Sie direkt über die Werkzeugleiste. Passende Grafiken und Bilder, zudem noch gemeinfrei ("Public Domain"), finden Sie etwa beim OpenClipart-Projekt [3]. Sollte bei allzu stürmischem Platzieren der Objekte mal eines außer Sichtweite geraten, dann ist es nicht wirklich weg, sondern nur durch andere verdeckt, denn jedes Objekt liegt auf einer eigenen Ebene.

Die Reihenfolge der Anzeige im Stapel der Ebenen sortieren Sie über das Menü Objekte | Anordnung. Abbildung 3 zeigt, wie das Beispiel mit einem farbig gefüllten Textrahmen, einer schattierten und eingefärbten Schrift und einer kleinen Grafik aussieht.

Abbildung 3: Die Einladung bietet noch Potenzial für Verbesserungen, aber für einen ersten Entwurf macht sie schon etwas her.

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