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© godrick, 123RF

KDE Connect verbindet Android mit dem Plasma-Desktop

Brückenschlag

KDE Connect schlägt eine Brücke zwischen Mobilgeräten und dem KDE Desktop, über die sich Benachrichtigungen, Dateien und URLs komfortabel austauschen lassen.

Die Entwickler von KDE arbeiten seit mehr als einem Jahr daran, KDE Plasma in den Mobilbereich zu erweitern. Das unter dem Namen Plasma Mobile laufende Projekt soll einmal eine freie Plattform für mobile Geräte abgeben und als Alternative zu den vorhandenen Plattformen dienen [1]. Seit einem Projekt im Google Summer of Code (GSoC 2015) gibt es aber bereits eine Anwendung, die Android- und Blackberry-Geräte mit dem Plasma-Desktop verbindet und das gegenseitige Steuern einiger Funktionen zulässt.

Der spanische Entwickler Albert Vaca nannte die für Linux und FreeBSD verfügbare Anwendung treffend KDE Connect [2]. Es gibt Clients für Android und Blackberry, eine iOS-Variante entsteht gerade. Damit kann man im Heimnetzwerk sinnvoll PCs, Notebooks, Tablets und Smartphones verbinden. Zudem existieren für Firefox [3] und Chrome [4] Erweiterungen, die URLs vom Desktop an Android-Geräte senden. Obendrein lässt sich KDE Connect auch im Terminal über den Befehl kdeconnect-cli steuern (Abbildung 1).

Abbildung 1: KDE Connect lässt sich bei Bedarf auch via Terminal nutzen.

Im September 2016 kam KDE Connect bei Version 1.0 an, die einige wichtige Neuerungen mitbringt. Die Distributionen paketieren diese Version allerdings im Regelfall noch nicht, dies sollte aber bis Jahresende der Fall sein. Das dazugehörige Paket in den Archiven der Distributionen heißt meist kdeconnect, bei Ubuntu je nach Version kdeconnect-kde oder kdeconnect-plasma. Bei Bedarf übersetzen Sie die aktuelle Version 1.0.1 aus dem Quellcode selbst.

Unter Ubuntu, Linux Mint und Elementary OS lässt sich KDE Connect auch unter Desktop-Umgebungen wie Gnome, Cinnamon, Unity, Maté, XFCE und LXDE/LXQt nutzen. Hier stoßen Sie die Installation allerdings über das PPA indicator-kdeconnect [5] an.

Die Android-App installieren Sie wahlweise via F-Droid oder über den Google Play Store. Um alle Funktionen nutzen zu können, muss mindestens Android 4.1 installiert sein. Bei der Verwendung einer Firewall müssen Sie die Ports 1714 bis 1764 für TCP und UDP öffnen. Für die Integration der Daten des Mobilgeräts in den Dateimanager des Desktops muss das Paket sshfs installiert sein.

Einstieg

Nachdem Sie KDE Connect auf allen zu verbindenden Geräten installiert haben, starten Sie am besten zuerst die Android-App. Von dort aus können Sie, ähnlich wie bei Bluetooth, die Geräte mittels Pairing miteinander koppeln (Abbildung 2). Anstelle von Bluetooth dienen D-Bus und dessen Schnittstelle MPRIS [6] sowie die Zeroconf-Implementierung Avahi [7] zur Verbindung der Geräte.

Abbildung 2: Aus der Android-App heraus koppeln Sie das Mobilgerät mit dem Desktop.

Für einen Verbindungstest bietet die App an, einen Ping an das jeweilige Gerät zu senden. Über das 3-Punkte-Menü oben rechts aktivieren Sie die gewünschten Plugins. Auf dem Plasma-Desktop sollten Sie zuvor noch das Plasmoid für KDE Connect installieren, sodass Sie die Anwendung immer im schnellen Zugriff haben (Abbildung 3).

Abbildung 3: Über das KDE-Connect-Plasmoid haben Sie alle Funktionen im direkten Zugriff.

Die wichtigsten Funktionen

Sie können nun per Rechtsklick auf das KDE-Connect-Plasmoid die Konfiguration am Desktop aufrufen (Abbildung 4) und folgende Einstellungen vornehmen:

  • Akkuüberwachung: Anzeige und Warnung bei niedrigem Akkustand.
  • Benachrichtigungsabgleich: leitet Benachrichtigungen des mobilen Geräts an den Desktop weiter.
  • Datei-Browser für entfernte Geräte: Browsen im entfernten Dateisystem mit SSHFS.
  • Medium bei Anrufen anhalten: hält bei Anrufen Musik oder Videos an.
  • Steuerung für Multimedia-Empfänger: Fernbedienung für auf dem Desktop laufende Medien.
  • Telefon-Integration: sendet Benachrichtigungen für Anrufe und SMS an den Desktop.
  • Senden und Empfangen: sendet Dateien vom Mobilgerät zum Desktop.
  • Virtuelle Eingabe: Smartphone als Touchpad oder Tastatur für den Desktop.
  • Zwischenablage: die Zwischenablage mit anderen Geräten teilen.
Abbildung 4: Per Rechtsklick auf das KDE-Connect-Plasmoid rufen Sie die Konfiguration am Desktop auf.

Im Test schalteten wir recht schnell die Benachrichtigungen vom mobilen Gerät an den Desktop aus, weil die Vielzahl von Meldungen störend wirkte.

Mit der Version 1.0 erhielt KDE Connect einige lang erwartete Funktionen. So erhalten Sie am Desktop nicht nur wie bisher eine Benachrichtigung über eingehende SMS, sondern können diese auch direkt beantworten. Umgekehrt lassen sich auf dem Mobilgerät nun Benachrichtigungen des Desktops empfangen. Zudem können Sie am Desktop Befehle definieren, die Sie dann vom Mobilgerät aus aufrufen. Auf diesem Weg lässt sich etwa ein Notebook in den Schlafmodus versetzen und vieles andere mehr (Abbildung 5). Der Sicherheit zugute kommt die Umstellung der Verschlüsselung – sie stellt sicher, dass sich keine fremden Geräte in die Verbindung einschmuggeln – von RSA-Keys auf TLS.

Abbildung 5: Bei Bedarf steuern Sie per KDE Connect den Desktop vom Mobilgerät aus.

Zu den populärsten Funktionen zählen das Anhalten von Musik oder Video in Anwendungen wie Amarok oder Clementine, VLC oder SMPlayer, sobald ein Anruf auf dem Smartphone hereinkommt. Nach dem Ende des Telefonats laufen die jeweiligen Medien weiter. Auch die Integration in Dateimanager wie Dolphin, Nemo, Nautilus oder Thunar gehört zu den gern genutzten Funktionen. Per SSHFS lassen sich die Inhalte des Mobilgeräts auf dem Desktop anzeigen sowie per Drag & Drop kopieren und verschieben. Dolphin bindet Mobilgeräte automatisch ein (Abbildung 6), bei anderen Dateimanagern müssen Sie das manuell nachholen.

Abbildung 6: Per SSHFS lassen sich die Inhalte des Mobilgeräts auf dem Desktop anzeigen sowie per Drag & Drop kopieren und verschieben.

Über den Dateimanager können Sie auch eine größere Anzahl Fotos schnell zum Bearbeiten an den Desktop schicken. Das macht Apps wie Airdroid [8] überflüssig, die Daten verlassen das heimische Netzwerk nicht. Das Versenden von Daten, Bildern oder URLs vom Mobilgerät aus funktioniert über die jeweilige Share-Seite der entsprechenden Anwendung (Abbildung 7). Die übertragenen Photos oder Daten werden am Desktop geöffnet, URLs im Browser dargestellt. Als nützlich erweist sich auch die Anzeige, dass der Akku des Mobilgeräts zur Neige geht.

Abbildung 7: Das Versenden von Daten, Bildern oder URLs vom Mobilgerät an den Desktop gelingt über die jeweilige Share-Seite der entsprechenden Anwendung.

Der Austausch der Inhalte der Zwischenablage erlaubt, die Zwischenablage aller verbundenen Geräte in Echtzeit synchron zu halten. Die Funktion birgt jedoch ein gewisses Gefahrenpotenzial, sobald Sie sich außerhalb des heimischen LANs oder eines sicheren Netzes befinden. Die Zwischenablage enthält möglicherweise Passwörter und andere sicherheitsrelevante Daten, die man etwa am Arbeitsplatz nicht mit Kollegen teilen möchte.

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