Attraktive Lizenz

Neben der für bestimmte Zwecke attraktiveren Lizenz fußt die Anziehungskraft von BSD auf seinem Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit sowie einer sehr gut gepflegten Dokumentation. Ein weiterer Punkt kam erst unlängst hinzu und bedingte auch die Entstehung von UbuntuBSD: Die Rede ist vom nur mäßig beliebten Systemd, das unter BSD nicht funktioniert. UbuntuBSD verwendet daher ein eigenes Init-System, basierend auf einer Synthese aus Busybox [6] und OpenRC [7].

Als sich Canonical 2015 entschied, Debian zu folgen und künftig Systemd einzusetzen, waren längst nicht alle Anwender davon begeistert. Somit entstand die Idee zu UbuntuBSD, das ohne die umfangreichen Umbauarbeiten von Devuan [8] zu einem Ubuntu ohne Systemd führen sollte. Im August erschien die erste Beta-Version, auf der dieser Test beruht. Noch vor Weihnachten 2016 soll eine erste stabile Version folgen.

Canonical-Chef Mark Shuttleworth zeigte sich von der Idee der Vermählung von Ubuntu und FreeBSD [9] durchaus angetan. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass bei genügend großem Interesse seitens der Anwender UbuntuBSD offiziell Aufnahme in die Ubuntu-Familie aus Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu und Co. findet.

Die vorliegende Beta-Version basiert auf Ubuntu 16.04 und dem Kernel aus FreeBSD 10.3 (Abbildung 2). Sie liegt auf Sourceforge [10] als 64-Bit-Image zur direkten Installation bereit; ein entsprechendes Abbild booten Sie auch von der Heft-DVD. Eine Live-Version zum Ausprobieren gibt es noch nicht, jedoch lässt sich das System in einer Virtualbox in wenigen Minuten aufsetzen.

Abbildung 2: UbuntuBSD mit XFCE und dem aktuellen Kernel aus FreeBSD 10.3.

Nach dem Start von der Abbilddatei begrüßt Sie – in Zeiten grafischer Umgebungen etwas ungewohnt – ein textbasierter Installer (Abbildung 3). Er stellt jedoch auch weniger erfahrene Anwender vor keine unüberwindbaren Probleme und schaufelt in wenigen Minuten rund 1 GByte an Daten auf die Festplatte. Neben einer minimalen und einer umfangreicheren Desktop-Installation auf Basis von Xubuntu stellt die Installationsroutine auch verschiedene Serveranwendungen zur Wahl, etwa für den Einsatz als LAMP-, DNS-, Samba-, Datenbank- oder generischer Server.

Abbildung 3: Die Installationsroutine von UbuntuBSD arbeitet rein textbasiert. Bereits im Installer geben Sie den Einsatzzweck des Systems vor.

Zudem erlaubt der Installer die manuelle Auswahl der zu installierenden Pakete. All das gelingt ohne Stolperer. Linux-Kenner müssen sich kaum umgewöhnen, nur Details ändern sich, wie etwa /dev/ada statt /dev/sda als Geräte-ID für Festplatten (Abbildung 4). Als Dateisystem kommt standardmäßig das Unix File System in der Form von UFS2 [11] zum Einsatz. Partitionieren Sie die Festplatten von Hand, steht auch ZFS [12] zu Wahl, das später einmal zum UbuntuBSD-Standard werden soll (Abbildung 5).

Abbildung 4: Das Dateisystem UFS bezeichnet Partitionen mit adX statt sdX.
Abbildung 5: Beim manuellen Partitionieren lässt sich auch ein ZFS-Pool anlegen.

Als einziger Fehler fiel beim Installer auf, dass er die deutsche Tastatureinstellung nicht in die Installation übernimmt. Das lässt sich später aber unkompliziert in einem grafischen Einstellungsdialog korrigieren. Obendrein funktionierte die deutsche Lokalisierung der Oberfläche und der Anwendungen nicht, wofür jedoch die Installationsroutine nichts kann. Obwohl der Installer den Eindruck vermittelt, er übernähme die Einstellungen, fehlen offenbar Lokalisierungsdaten, und das System verbleibt daher in Englisch.

Auch in der grafischen Oberfläche ließ sich dieses Problem nicht beheben. Die Meldung beim Öffnen von Applications | Settings | Language Support huschte im Test so schnell vorbei, dass deren Inhalt verborgen blieb. Auch durch manuelle Installation der entsprechenden Sprachpakete und Bibliotheken ließ sich das Testsystem nicht davon überzeugen, Deutsch zu sprechen.

Nach dem Start in die XFCE-Oberfläche springt beim Blick auf den rechten Rand der oberen Leiste ein weiterer Fehler ins Auge: Das rote Einfahrt-verboten-Schild signalisiert, dass etwas mit der Paketverwaltung nicht stimmt (Abbildung 6). Dieser Fehler lässt sich jedoch leicht umgehen, indem man im Terminal auf die von Ubuntu und Debian bekannten Kommandos rund um Apt zurückgreift.

Abbildung 6: Die deutsche Lokalisierung des UbuntuBSD-Systems funktioniert noch nicht.

In Virtualbox funktionieren zudem die Gasterweiterungen nicht. Gemessen am Status als Beta-Version sind diese Fehler verzeihlich und stören beim Testen von UbuntuBSD nur unerheblich. Ein Manko für einige Anwender dürfte allerdings die noch fehlende Unterstützung für proprietäre Grafiktreiber darstellen – hier arbeiten die Entwickler bereits an Abhilfe.

Mit Anwendungen gespart

Das System wirkt trotzt der höchsten Ausbaustufe, die der Installer bietet, recht minimalistisch. Im Bürobereich des Anwendungsmenüs finden sich Abiword, LibreOffice Writer, Gnumeric und Orage. Die Sektion Internet beschränkt sich auf Firefox, Transmission und Pidgin. In der Multimedia-Sparte finden sich lediglich Xfburn und der Parole Media Player. Hinzu kommen die üblichen, mit XFCE ausgelieferten Werkzeuge.

Diese Auswahl lässt sich aber mit den allseits bekannten Anwendungen aus dem Linux-Bereich schnell aufstocken. Auch andere grafische Oberflächen stehen in den Paketquellen bereit – zumindest in der Theorie. Bei Gnome, KDE, LXDE und LXQt wollte die Installation zum Testzeitpunkt jedoch nicht gelingen; es fehlten jeweils Abhängigkeiten. Der Maté-Desktop ließ sich jedoch ohne Komplikationen einrichten und hinterließ einen gut integrierten Eindruck (Abbildung 7).

Abbildung 7: Maté lässt sich per Paketverwaltung nachrüsten, andere Desktops derzeit nicht.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Ubuntu, Linux Mint und Knoppix
    Ubuntu, Linux Mint und Knoppix basieren auf der Distribution Debian – wir verraten Tricks und Kniffe, welche die Arbeit auf diesen Systemen angenehmer machen.
  • Neues auf den Heft-DVDs
    Nur mit dem optimalen System und der richtigen Software nutzen Sie das volle Potenzial Ihres Rechners. Mit der Heft-DVD erhalten Sie nicht nur topaktuelle Distributionen, sondern auch die passenden Programme zu den Artikeln.
  • FreeBSD und PC-BSD 8.1 mit verbessertem ZFS für mehr CPUs

    Das FreeBSD-Projekt erweitert mit Release 8.1 sein Unix-Betriebssystem um Hardware-Unterstützung und aktualisiert Software.
  • In eigener Sache
    Dass einzelne Heft-DVDs einmal Defekte aufweisen, lässt sich im Produktionsprozess nicht völlig ausschließen. In LU 11/2016 allerdings enthielten alle Hefte einen fehlerhaften Datenträger. Wie Sie schnell zu korrigiertem Ersatz kommen, erläutert Chefredakteur Jörg Luther.
  • FreeBSD-Workshop, Teil 1: Installation
    FreeBSD kennen viele nur durch sein putziges Maskottchen Chuckie, den Daemon. Doch hinter dem Teufelchen steckt ein freies Betriebssystem mit langer Entwicklungsline, das als äußerst stabil und sicher gilt. Wir zeigen, wie Sie es als Desktop nutzen können.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...