Vergleich zum RasPi

In der Praxis zeigt sich der Giada F210U trotz seiner geringen Größe als ausgewachsener Rechner. Die Rechenleistung der Kombination aus Atom-Chipsatz und Intel HD Graphics genügt, um einen Arbeitsplatz mit zwei Monitoren zu bedienen. Selbst die verspielten Effekte des Unity-Desktops wirken im Dual-Monitor-Betrieb flüssig.

Auf dem Desktop sollten Sie sich dann allerdings eher klassischen Büroanwendungen wie etwa LibreOffice widmen. Der 3D-Benchmark von Unigine [4] beispielsweise bringt das System komplett zum Erliegen. Mit einem Energiebedarf von rund 6,5 W im Leerlauf und 9,5 W unter Volllast liegt zwar höher als etwa bei einem Raspberry Pi 3 (1,8 / 4,8 W), doch profitiert man im Gegenzug von einer wesentlich besseren Rechen- und Schreib/Lese-Leistung (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Giada-Rechner eignet sich im Vergleich mit einem Raspberry Pi als schneller Mini-Server.

Unangenehm fällt allerdings der Energieverbrauch im abgeschalteten Zustand auf: Komplett heruntergefahren zieht der Giada-Rechner immer noch stolze 2,5 W. Bei einem Raspberry Pi bleiben nach einem sudo shutdown -h now lediglich rund 0,6 W auf dem Zähler stehen. Dafür bietet der F210U mit USB 3.0 und GbE die Ausstattung, die sich viele Fans für den RasPi wünschen würden. Das macht den Giada F210U als kleinen Server interessant; in diesem Einsatzszenario lässt sich auch das unter Linux nicht lauffähige WLAN-Modul verschmerzen.

An einem Gigabit-Switch überträgt der F210U als Samba-Server rund 76 MByte/s. Ein RasPi kommt hier lediglich auf etwa 11,3 MByte/s (siehe Tabelle "Server-Vergleich") – das ist USB 2.0, Fast Ethernet und dem bekannten Flaschenhals geschuldet, der die Daten der USB-Ports und des Netzwerkadapters über einen internen USB-Kanal schleust. Bei verschlüsselten Transfers mit SFTP sieht man gut, dass der RasPi eigentlich mehr könnte: Während die Transferrate beim Giada aufgrund der CPU-lastigen Verschlüsselung um knapp die Hälfte einbricht, bleibt sie beim Raspberry Pi konstant.

Server-Vergleich

  Raspberry Pi 3 Giada F210U
Iperf
Datenrate 94,9 MBit/s 933 MBit/s
Samba
Lesen 11,32 MByte/s 75,54 MByte/s
Schreiben 8,52 MByte/s 68,55 MByte/s
SFTP
Lesen 11,10 MByte/s 44,16 MByte/s
Schreiben 8,16 MByte/s 43,15 MByte/s

Android ohne Google

In Sachen Android sieht es etwas komplizierter aus: Giada verspricht auf der Homepage, das Google-Betriebssystem zu unterstützen – doch während der ersten Tests mit dem Rechner scheiterte das schon daran, dass Giada auf der Produktseite gar kein Android-Image zum Herunterladen anbot. Auf Rückfrage erschien ein paar Tage später ein entsprechendes Abbild, allerdings als ZIP-Archiv, das sich nicht ganz so einfach wie das Ubuntu-System installieren lässt.

Zum Einspielen von Android auf dem F210U formatieren Sie einen USB-Stick mit FAT32 als Dateisystem und entpacken den Inhalt des Android-Archivs in Form der Datei CherryTrail-MR1-5633EB-20160913-P006.zip in dessen Wurzelverzeichnis. Anschließend stecken Sie den USB-Stick an den Giada und booten diesen. Dabei wechseln Sie durch einen Druck auf [Entf] ins BIOS (Abbildung 5). Wählen Sie dort analog zur Installation von Ubuntu unter Save & Exit die Option UEFI: USB 2.0 USB Flash Drive 0.00 aus, passiert allerdings nicht das Geringste.

Abbildung 5: Die Installation von Ubuntu oder Android müssen Sie über das BIOS anstoßen.

Sie müssen stattdessen die Option Lauch EFI Shell from filesystem device aufrufen und die Meldung Press ESC in X seconds to skip startup.nsh, any other key to continue. abwarten (oder mit einer beliebigen Taste fortsetzen). Daraufhin flasht das System das Android-Image auf den Rechner und startet dann automatisch neu. Ein Intel-Logo auf dem Bildschirm signalisiert den Erfolg der Aktion. Nach einer Reihe von Neustarts – lassen Sie sich von der "Bootschleife" nicht irritieren – lädt dann letztendlich das Android-System.

Beim von Giada angebotenen Android handelt es sich nicht wie auf der Homepage angegeben um Android 4.2.2, sondern um das aktuellere Android 5.1 "Lollipop". Das anfänglich englisch lokalisierte System lässt sich mit wenigen Klicks wie gewohnt auf Deutsch umstellen, zudem funktioniert unter Android der WLAN-Adapter des Rechners (Abbildung 6). Giada bestückt seine Android-Version zusätzlich zum Android-Webbrowser und Standards wie Galerie und Uhr mit einer Reihe von Apps. Dazu zählen unter anderem ein Dateimanager, ein Videoplayer sowie eine Webcam-App.

Abbildung 6: Giada bietet für den F210U Android 5.1 an. Unter dem Google-OS funktioniert auch das WLAN.

Als Root-App gibt es von Haus aus die kostenlose Variante von SuperSU. Allerdings hat es Giada verpasst, das Root-Binary im System zu hinterlegen. So bleibt SuperSU ohne Funktion, und Root-Apps scheitern am Anfordern der entsprechenden Rechte. Zudem fehlen (wohl aus lizenztechnischen Gründen) sämtliche Google-Anwendungen wie Gmail, Google Plus sowie vor allem der Play Store. Sie müssen also auf alternative Markets zurückgreifen, wie den Open-Source-Marktplatz F-Droid [5], oder APKs von Hand installieren.

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