Rockstor-Linux

Als Betriebssystem für den Eigenbau bietet sich Rockstor-Linux an, das die Entwickler speziell für den Einsatzzweck als NAS optimiert haben. Sie erhalten das auf CentOS und Fedora basierende freie System auf der Projektseite als rund 730 MByte großes ISO-Image [2], das Sie auch auf der Heft-DVD zu dieser Ausgabe finden.

Rockstor bietet im Vergleich zu einem dedizierten NAS-System auf Linux-Basis bereits ab Werk Btrfs als Standarddateisystem. Es implementiert viele Vorteile des Dateisystems ZFS, steht jedoch unter der GPL und kommt daher bereits in einigen Distributionen zum Einsatz [3]. Das System eignet sich außerdem auch für den Einsatz in heterogenen IT-Umgebungen, da es SMB/CIFS unterstützt.

Die Distribution nutzt außerdem Docker-Container, die in diesem Kontext "Rock-ons" heißen. Diese ermöglichen es, Cloud-Dienste ins System zu integrieren. Sie konfigurieren und verwalten das System in einer angepassten Javascript-Oberfläche. So haben Sie jederzeit von jedem Rechner im LAN Zugriff.

Vorbereitung

Der ProLiant-Server fällt zunächst beim Hochfahren durch eine ungewöhnlich lange Initialisierungsphase unangenehm auf. Sie stellt jedoch sicher, dass alle Komponenten anstandslos ihren Dienst verrichten. Um die im Rechner verbauten Massenspeicher später mittels Rockstor korrekt anzusprechen, konfigurieren Sie als Erstes – noch vor der Installation des eigentlichen Betriebssystems – die im Server eingebauten SATA-Controller.

Dazu drücken Sie während der Initialisierungsphase [F9], um das grafische Setup zu öffnen. Hier wählen Sie durch einen Druck auf die Eingabetaste den ersten Eintrag System Options aus und anschließend SATA Controller Options. Danach öffnen Sie durch erneutes Drücken der Eingabetaste den Dialog Embedded SATA Configuration.

Im nun geöffneten Fenster wählen Sie die Option Enable SATA AHCI Support. Das schaltet den B120i-RAID-Controller ab, und die Massenspeicher stehen unter der Kontrolle des ebenfalls vorhandenen Intel-SATA-Controllers. Nun verlassen Sie das BIOS durch mehrfaches Drücken von [Esc], bis alle Dialoge geschlossen sind. Die neuen Einstellungen speichern Sie vor einem erneuten Warmstart über [F10].

Dieses Vorgehen ist erforderlich, um Rockstor auf die Massenspeicher installieren zu können. Da das Ansteuern des RAID-Controllers einen proprietären Treiber von Hewlett-Packard erfordert, der im Standardumfang von Rockstor fehlt, kommt das System mit dem Controller nicht klar. Der im Netz erhältliche Treiber von Hewlett-Packard für den RAID-Controller B120i ist zwar für die Enterprise-Server von Suse sowie Red Hat zertifiziert – das bedeutet jedoch nicht, dass er automatisch alle CentOS- oder Fedora-basierten Systeme unterstützt: Unter Rockstor ließ sich das HP-Modul zwar installieren, arbeitete jedoch nicht korrekt.

Nach dem Anpassen des BIOS und anschließendem Neustart landen Sie in einem schlichten Grub-Bootmanager, der als Optionen die direkte Installation des Betriebssystems oder die Installation nach einem Test des Mediums vorsieht. Außerdem verzweigt die dritte Option Troubleshooting in ein Untermenü, das die Reparatur eines beschädigten Systems ermöglicht oder die Installation des Systems mit einem universell einsetzbaren Grafiktreiber erlaubt.

Da das NAS-System später keine Partitionen kennt, sondern nur komplette Massenspeicher, empfiehlt es sich, beim Einsatz von lediglich zwei Festplatten oder SSDs das Betriebssystem auf einem USB-Stick zu installieren. Das ermöglicht es, später beide internen Massenspeicher als Pool einzurichten.

In den meisten Fällen dürfte die Standard-Variante für die Installation problemlos funktionieren: Server-Systeme verwenden äußerst selten exotische Grafikkarten, was Probleme mit den Modulen weitgehend ausschließt. Nach Auswahl einer der Optionen startet das grafische Installationsprogramm Anaconda, das Sie eventuell schon von Fedora, CentOS oder den Enterprise-Varianten von Red Hat Linux her kennen.

Im ersten Dialog nehmen Sie zunächst die Lokalisierung vor und setzen die Zeitzone. Anschließend definieren Sie den Datenträger für die Installation des Systems, wobei die Routine bereits sinnvolle Vorgaben voreinstellt. Für das Root-Dateisystem unterstützt Rockstor-Linux dabei ausschließlich Btrfs. Zusätzlich legen Sie in diesem Dialog die Parameter für die Netzwerkschnittstellen fest.

Dabei erkennt die Routine ausschließlich kabelgebundene Zugänge. Im Fall des Servers besteht die Möglichkeit, einen der beiden Ethernet-Anschlüsse anzusprechen. WLAN-Hardware ignoriert die Software; demzufolge bietet der Dialog keine Möglichkeit, diese zu konfigurieren. Während der darauf folgenden Installation legen Sie ein Benutzerkonto für den Administrator des Betriebssystems an. Der Installer kopiert das System parallel auf den Massenspeicher.

Nach Abschluss der Installation und einem Neustart weist Sie das System vor dem Einloggen darauf hin, dass Sie die grafische Konfiguration des Servers bei Bedarf in einem beliebigen Webbrowser auf einem Rechner im Intranet durch Eingabe der URL https://IP-Adresse vornehmen. Der Aufruf im Browser verzweigt in eine grafisch schlicht gehaltene Routine (Abbildung 1). Hier legen Sie zunächst den Hostnamen des Servers sowie ein Konto für den Administrator der Management-Oberfläche an. Danach gelangen Sie in ein Dashboard, das bereits eine Fülle von Informationen liefert.

Abbildung 1: Rockstor-Linux erwartet zunächst die Anlage eines Kontos für den Administrator.

Unter anderem sehen Sie hier grafisch aufbereitet den Status der CPU, des Arbeitsspeichers, der Massenspeicher und der Netzwerkschnittstellen, wobei das Interface den Durchsatz ausgibt. In einer oben horizontal angeordneten Menüleiste nehmen Sie bei Bedarf weitere Einstellungen vor, wobei das Interface die Parameter nach Gruppen zusammenfasst (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Dashboard listet alle wichtigen Aktivitäten und den Status des Systems auf.

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