Anwendungen

Eine sichtbare Neuerung zum Vorgänger stellt der Wechsel des Standard-Webbrowsers dar: Während die Vorgängerversion "Freya" noch Midori mitbrachte, finden Benutzer von "Loki" Epiphany 3.18.5 vor, der aus dem Gnome-Fundus stammt. Im Vergleich zu Google Chrome oder Firefox verwendet der schlanke Browser deutlich weniger Systemressourcen.

Für viele Standardaufgaben bietet die Elementary OS eigene Anwendungen. Die Programme Musik und Videos dienen zum Abspielen von Audio- und Videodateien. Sie bringen nur die notwendigsten Features mit, was auch hier den Ressourcenverbrauch vergleichsweise gering hält. Zum Betrachten und Bearbeiten von Bildern dient Fotos; der Kalender erlaubt neben dem Öffnen lokal abgelegter Kalenderdateien auch das Einbinden externer Kalender von Google oder solcher im CalDAV-Format.

Statt bewährter E-Mail-Clients wie Thunderbird oder Evolution kommt Pantheon-Mail zum Zug, eine Weiterführung von Geary, die schon unter "Freya" zum Einsatz kam. Des bisher von einem anderen Team betreuten Projekts nahmen sich inzwischen Mitarbeiter von Elementary OS an und spendierten dem MUA einige sinnvolle Verbesserungen. Er präsentiert sich mit der erwarteten minimalistischen Oberfläche und nur wenigen Funktionen. Ordner stellt die Software als Labels dar, Kalender- und Aufgabenfunktionen fehlen allerdings. Wer zusätzliche Features nicht benötigt, kommt mit Pantheon-Mail womöglich aus. Besitzer von großen Postfächern oder Nutzer von Addons, wie sie beispielsweise Thunderbird bietet, werden damit jedoch nicht glücklich.

Die Standardanwendungen von Loki erfüllen ihren Zweck und glänzen mehr durch Schnelligkeit und Übersichtlichkeit als durch Funktionsumfang. Dafür lassen sich viele von ihnen farblich individualisieren.

Das AppCenter

In "Loki" weitet Elementary OS das Konzept der wenigen Optionen auch auf bisher nicht installierte Software aus. So verzichten die Entwickler auf eine Standardanwendung zum Öffnen oder Installieren von DEB-Paketen, da die Nutzer neue Programme künftig ausschließlich über vordefinierte und abgesicherte Quellen beziehen sollen.

Versuchen Sie, ein Debian-Paket zu öffnen, schlägt Elementary OS dazu einen Archiventpacker vor. Auch das Werkzeug Add-apt-repository fehlt in der Standardinstallation. Es dient dazu, das System um neue Paketquellen zu erweitern. Stammen diese nicht aus absolut vertrauenswürdigen Quellen, stellt das Hinzufügen ein gewisses Sicherheitsrisiko dar – genau das möchte das Projekt vermeiden. Zwar wird es das System vermutlich auch künftig erlauben, die Werkzeuge zum Verwalten von Debian-Paketen über die Kommandozeile zu benutzen und notfalls auch weitere Programme zu installieren – standardmäßig verfolgt Elementary OS aber eine andere Philosophie.

Dafür sorgt auch das erstmals integrierte AppCenter (Abbildung 3), das die verfügbare Software in verschiedene Kategorien einteilt. Beim Durchstöbern finden sich lange Listen von Programmen, jeweils mit einem Icon und einer Kurzbeschreibung versehen. Ein Klick auf den Installationsknopf richtet die ausgewählte Anwendung ein; klicken Sie auf deren Namen, öffnet sich eine Detailbeschreibung und häufig auch ein Screenshot.

Abbildung 3: Anwendungen verwaltet die Distribution über das selbst entwickelte AppCenter, das im Hintergrund PackageKit verwendet.

Während das AppCenter selbst vollständig lokalisiert erscheint, liegen Anwendungsbeschreibungen und Screenshots meist nur in englischer Sprache vor. Über den Reiter Aktualisierungen (Abbildung 4) gelangen Sie zum Menü für das Update von System und Anwendungen. Darin lassen sich entweder gezielt einzelne Komponenten oder alle auf einmal aktualisieren.

Abbildung 4: Das AppCenter übernimmt auch die Systemaktualisierung, was weniger versierten Nutzer zugutekommt.

Zwar wirkt das AppCenter wie eine komplett neue Anwendung, orientiert sich aber an der Verhaltensweise von Gnome-Software und ist nicht viel mehr als ein schlanker Client für PackageKit [4]. Über die Systemschnittstelle D-Bus [5] kommuniziert das AppCenter mit diesem und fragt beispielsweise Paketlisten und Beschreibungen von den Quellservern ab. Dazu greift PackageKit selbst unter anderem über AppStream auf Paketbeschreibungen, Screenshots und andere Informationen zu, die Ubuntu an seine Nutzer weiterreicht.

Sowohl das AppCenter als auch PackageKit arbeiten nach wie vor mit Debian-Paketen, nutzen allerdings zusätzliche Verwaltungsschichten. Erst diese erlauben es einer Distribution wie Elementary OS, ohne großen Eigenentwicklungsaufwand einen umfangreichen App-Store bereitzustellen. Bislang fehlt dem AppCenter noch die Funktion, Kommentare oder Bewertungen zu hinterlassen, wie das AppStream eigentlich vorsieht.

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