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Freier MacOS-Klon Elementary OS 0.4 "Loki"

Hereinspaziert

Freie Software, aber so einsteigerfreundlich wie MacOS – so lautet das Credo der Elementary-Entwickler. Elementary OS 0.4 bringt zu diesem Behufe erstmals ein eigenes App-Center mit.

Elementary OS verwendet Ubuntu 16.04 LTS als Unterbau und liefert mit dem Pantheon-Desktop eine eigene, schlanke Benutzeroberfläche aus. Mit der neuen Version 0.4 alias "Loki" [1] führen die Entwickler den bisherigen minimalistischen Ansatz fort, möglichst wenig unnötige Elemente zu integrieren und damit eine unkomplizierte Bedienung zu vermeiden. Die Versionsnummer deutet an, dass Elementary OS sich immer noch als Neuling unter den Betriebssystemen sieht; einem Produktiveinsatz steht aber dennoch nichts im Weg.

Zu der Distribution tragen hauptsächlich freiwillige Entwickler und Teilnehmer von Bug-Bounty-Programmen bei. Wer mag, kann beim Herunterladen der ISO-Datei [2] eine kleine Spende entrichten, die das Team unter anderem für das Beseitigen gravierender Bugs nutzt. Das Fehlen von Vollzeitentwickler führt dazu, dass die Distribution beim Veröffentlichungszyklus der Mutter Ubuntu stets mehrere Monate hinterherhinkt.

Elementary OS orientiert sich optisch sehr stark an MacOS. Das Entwicklerteam versucht dabei wohl vor allem, die aus seiner Sicht vielen positiven Eigenschaften von Apples Betriebssystem zu übernehmen. Neben einem schlanken Design setzten sich die Entwickler das Ziel, sämtliche Anwendungen in einem möglichst einheitlichen Erscheinungsbild darzustellen.

Durch simple Gestaltung und selbsterklärende Funktionen in den teils selbst geschriebenen Programmen sollen Benutzer nur wenig bis gar keine Eingewöhnungszeit für die Benutzung von Elementary OS benötigen. Komplizierte oder ausladende Einstellungsoptionen sollen völlig entfallen. Weitere Details listet das Team in seinen Human-Interface-Guidelines auf [3].

Installation

Wie bei Ubuntu und vielen seiner Ableger üblich, stellt Elementary OS das Installationsmedium inklusive Live-Umgebung zur Verfügung (Abbildung 1). Damit lässt sich das Betriebssystem auf dem heimischen Rechner ausprobieren, ohne dabei das aktuell installierte System zu verändern.

Abbildung 1: Die Live-Umgebung ermöglicht, Elementary OS ohne Gefahr für ein installiertes System auszuprobieren.

Als Installer kommt Ubiquity zum Einsatz, das die Entwickler – wie viele andere Komponenten auch – ohne große Änderungen von Ubuntu übernahmen. Aktualisierungen und Drittsoftware lassen sich bereits während der Installation herunterladen; das Partitionierungsmodul erlaubt wie gewohnt das Verschlüsseln der Festplatte und den Einsatz von LVM. Nach Eingabe des Host- und Benutzernamens inklusive Kennwort sowie dem Festlegen der Zeitzone startet der eigentliche Installationsvorgang.

Nach Abschluss der Systemeinrichtung startet Elementary OS zügig und zeigt den gewohnten Login-Bildschirm an. Während in der Beta-Phase von "Loki" ein Zahnrad über dem Passwortfeld das Starten einer Wayland-Sitzung anbot, fehlt diese Option in der finalen Version. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Unterstützung für Wayland während der Beta-Phase nicht funktionierte und womöglich noch immer nicht vollständig integriert wurde.

Systemkonfiguration

Nach dem Anmeldung startet die Desktop-Oberfläche mit der gewohnten Menüleiste am oberen und dem Anwendungs-Dock am unteren Bildschirmrand. Da das System im Test die bei der Installation ausgewählte Sprache nicht berücksichtigte, müssen Sie diese unter Applications | System Settings | Language & Region manuell auf Deutsch einstellen. Hier gestattet ein Schalter das Nachinstallieren fehlender Sprachunterstützung per Mausklick. Dabei passt Elementary OS auch die Ordnernamen des Home-Verzeichnisses entsprechend an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auf Wunsch wendet die Distribution die gewünschte Lokalisierung auch auf die Ordnernamen im Heimatverzeichnis an.

Ins Auge sticht die neue Option für das Benachrichtigungsmenü in Form eines Glocken-Symbols. Damit lässt sich – teils anwendungsspezifisch – die Art von Benachrichtigungen einstellen. Der Modus Bitte nicht stören unterdrückt hier alle visuellen und akustischen Benachrichtigungen.

Ebenfalls neu hinzu kam eine Kindersicherung für Benutzerkonten ohne administrative Privilegien. Hier stellen Sie diverse Einschränkungen für den jeweiligen User ein, beispielsweise indem Sie das Login auf bestimmte Tage oder Uhrzeiten beschränken. Auch eine Liste verbotener Webseiten lässt sich hier konfigurieren.

Ein anderer Dialog gestattet etwa, Anwendungen festzulegen, die der Nutzer nicht öffnen darf. Allerdings wäre anstelle des Blacklistings mancherorts eher ein Whitelisting die sinnvollere Option, etwa bei der Internet-Zugriffskontrolle. Dieses Feature fehlt bislang.

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