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© Christian Delbert, 123RF

Vielseitiges Verschlüsselungswerkzeug Zulucrypt

Multitool

Zulucrypt versammelt eine ganze Reihe von Verschlüsselungsmethoden für komplette Volumes unter einer grafischen Oberfläche, lässt sich aber trotzdem leicht bedienen.

Datensicherheit beschäftigt heute nicht mehr nur Nerds und Geeks. Wer viel mit einem Notebook reist oder ständig USB-Sticks mit sich herumträgt, der möchte vermeiden, dass im Fall eines Verlusts Dritten die privaten Daten zugänglich werden. Zudem nimmt auch auf Flughäfen – insbesondere nordamerikanischen – der Wissensdurst der offiziellen Kontrollorgane ständig zu.

Verschlüsselungssoftware hilft, geheime und private Daten zu schützen. Im Bereich des investigativen Journalismus, bei Whistleblowern und bei Aktivisten in Ländern mit repressiven Regimes hängen unter Umständen Leib und Leben der Beteiligten unter anderem auch von guter Verschlüsselung ab.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass sich der Anwender völlig auf die Integrität der verwendeten Software verlassen können muss: Verschlüsselung ist der natürliche Feind aller Schlapphüte des Planeten. Die begehren nichts mehr als eine Hintertür in jeder Verschlüsselungssoftware auf dem Markt.

Die Kandidaten

Als Standardsoftware zum Verschlüsseln von Dateien, Partitionen und Containern unter Linux, Mac OS X und Windows galt über ein Jahrzehnt hinweg Truecrypt [1] – bis das Projekt 2014 unter noch heute mysteriösen Umständen abrupt ein Ende fand. Zwar lässt sich die Software auch heute noch im Quellcode einsehen und gilt laut Lizenzvereinbarung als quelloffen und frei. Die Anerkennung als freie Software nach der Definition der Open Source Initiative blieb dem Programm jedoch aufgrund einiger rechtlicher Probleme versagt. Somit fand es auch nicht den Weg in die Archive der großen Linux-Distributionen.

Da Truecrypt weder weiterentwickelt noch fehlerbereinigt wird, bietet es sich an, auf dessen Nachfolger auszuweichen. Der Fork Veracrypt [2], der sich schon 2013 von Truecrypt abspaltete, gilt als dem Vorbild am ähnlichsten. Das Programm behebt einige Fehler, die bei den Audits von Truecrypt entdeckt wurden, und bindet wie das Original auf Wunsch einen Container im Container ein, der sich selbst auf einem unverschlüsselten System nicht ohne Weiteres nachweisen lässt.

Im Fokus dieses Artikels steht mit Zulucrypt [3] ein weiterer Truecrypt-Nachfolger, der als Backend neben der Truecrypt-Methode auch Veracrypt, Dm-crypt [4] und LUKS (Linux Unified Key Setup) [5] unterstützt. Die nur für Linux angebotene Software steht unter der GNU GPLv2. Alle Funktionen lassen sich sowohl über die Kommandozeile ausführen als auch über eine grafische Benutzeroberfläche. Bauen Sie das Programm selbst und benötigen lediglich den CLI-Part, können Sie die GUI auch einfach weglassen.

Bekannt dank Ubuntu

Weitere Verbreitung findet die Software, seit sie mit Ubuntu 15.10 ins Canonical-Archiv einzog und seit der Release 18 auch bei Mint verfügbar ist (Listing 1). Mittlerweile lagert Zulucrypt aber auch in den Paketquellen von Debian, Fedora, OpenSuse, Gentoo sowie in Archs AUR. Auf der Webseite des Projekts bieten die Entwickler die jeweils neuesten veröffentlichten Pakete (derzeit Version 5.0) für Debian und Ubuntu zum Herunterladen an.

Listing 1

$ sudo apt install zulucrypt-gui zulucrypt-cli tcplay cryptsetup

Als Voraussetzungen sollten Sie die Pakete cryptsetup sowie tcplay installieren. Die Installation von Zulucrypt zieht diese Pakete nicht an, doch ohne sie funktioniert die Software nicht ordnungsgemäß. Verwenden Sie keine Qt-Umgebung wie KDE oder LXQt, spielt die Paketverwaltung noch die Pakete libqtcore4 und libqt4-network ein. Die manuelle Installation auf einer Debian-basierten Distribution (in diesem Fall Ubuntu "Xenial") zeigt Listing 2. Bei einem 32-Bit-System ersetzen Sie in der zweiten Zeile das amd64 durch i386.

Listing 2

$ tar xf zuluCrypt-5.0.0-ubuntu-16.04-Xenial_Xerus.tar.xz
$ cd zuluCrypt-5.0.0-ubuntu-16.04-Xenial_Xerus/amd64
$ sudo dpkg -i *.deb
$ sudo apt install -f
$ sudo apt install tcplay cryptsetup

Wie wir testen

Der Test bezieht sich nach Rücksprache mit dem Entwickler auf die Vorabversionen der demnächst erscheinenden Version aus dem Git-Zweig des Projekts, die mit dem OpenSuse Build Service (OBS) gebaut wurde [6]. Sie behebt einige Fehler in der Übersetzung und der Dokumentation. Besonders Ubuntu-Anwender sollten hiervon Gebrauch machen, denn selbst aus den Paketquellen von Ubuntu 16.04 wird noch Version 4.7.7 installiert. Die liegt zudem nur in Englisch vor, während die neue Version des Entwicklers auch Deutsch spricht. Für den Zeitpunkt der Drucklegung dieses Artikels hat der Entwickler eine neue stabile Version zugesagt.

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