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© Sue Engle, 123RF

Schlankes Slackware-Derivat Austrumi Linux

Leichtgewicht

Systeme für ältere Hardware gibt es inzwischen etliche. Austrumi hebt sich von der Masse durch einige interessante Besonderheiten ab.

Das aus Lettland stammende System mit dem Namen Austrumi kennt in Mitteleuropa kaum jemand, trotz einer mehr als elfjährigen kontinuierlichen Entwicklung. Dabei weckt es schon aufgrund des exotisch wirkenden Konzepts direkt Interesse. So basiert Austrumi auf Slackware, der ältesten noch gepflegten und weiterentwickelten Distribution, die bereits 1993 das erste Release erlebte.

Wie das Original orientiert sich Austrumi am KISS-Prinzip ("Keep It Simple and Stupid"), um so Einsteigern ein praxistaugliches System zu bieten. Trotz der Verwendung von FVWM als Window-Manager bietet es alles andere als altbackene Hausmannskost: Der schlanke Desktop, der ebenfalls bereits auf mehr als zwei Dekaden Entwicklungszeit zurückblickt, glänzt durch eine enorme Flexibilität bei der Konfiguration.

Durch den Wegfall jeglicher schwergewichtiger Gimmicks kommt die Distribution daher mit alter Hardware gut zurecht und beansprucht nur wenige Ressourcen. Trotzdem finden sich an Bord alle gängigen Standardanwendungen. Damit lässt sich das Slackware-Derivat sofort als Desktop-System einsetzen.

Leichter Einstieg

Das lediglich rund 300 MByte große ISO-Image steht auf dem FTP-Server des Projekts zum Download bereit [1]. Das Hybrid-Image lässt sich live testen oder auf einem Rechner installieren.

Dazu bietet das Boot-Medium mehrere Optionen an, wobei es unter anderem das eigentliche System komplett in den Arbeitsspeicher lädt und daraus ausführt. Diese Variante eignet sich insbesondere für ältere Computersysteme, die lediglich das veraltete USB 1.x unterstützen oder nur über ein relativ langsam arbeitendes optisches Laufwerk verfügen. Eine weitere Option ermöglicht den Einsatz freier Treiber für Grafikkarten, was unter Umständen bei problematischen Komponenten hilft.

Nach recht kurzer Boot-Zeit begrüßt Sie der Desktop mit Tint2 als vertikalem Panel am linken Rand. In der rechten unteren Bildschirmecke findet sich zudem ein Pager für drei virtuelle Arbeitsflächen. Am oberen Rand öffnet sich horizontal zusätzlich nach einem Klick auf das erste Symbol im Panel ein Menü, das jeweils in Untermenüs verzweigt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der optisch ansprechende FVWM-Desktop von Austrumi bringt außer einem Panel am linken Rand nur wenige Elemente mit.

Beim Booten des Live-Systems lädt das Slackware-Derivat zunächst eine lettische Lokalisierung, bringt jedoch auch Pakete für Deutsch mit. Zum Umstellen der Sprache klicken Sie nach dem Öffnen des horizontalen Menüs auf die Schaltfläche mit dem Symbol für einen Schraubenschlüssel und anschließend auf das Flaggen-Icon. Nun öffnet sich ein Fenster mit den Spracheinstellungen, die Sie per Schaltfläche aktivieren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Lokalisieren der aus Lettland stammenden Distribution geht im entsprechenden Dialog mit zwei Mausklicks vonstatten.

Haben Sie die gewünschte Sprache ausgewählt, melden Sie sich ab und sofort danach als Benutzer austrumi wieder an. Als Passwort geben Sie im Dialog zum Anmelden ebenfalls austrumi ein. Danach spricht das Betriebssystem Deutsch. Einige externe Anwendungen, wie etwa die in der Live-Variante enthaltene Bildbearbeitung Gimp, erscheinen allerdings weiter nur in englischer Sprache, da sie zur Lokalisation zusätzliche Dateien aus dem Internet benötigen.

Das deutsche Tastaturlayout aktivieren Sie anschließend im Menü Einstellungen | Keyboard configurator. Der Dialog mit unterschiedlichen Einstellungen für die deutsche Tastatur ist jedoch etwas umständlich zu handhaben: Sie müssen zunächst das rechts im Fenster in der Liste ausgewählte Layout durch Klicken auf den mittig im Fenster angeordneten Button mit dem Pfeil aktivieren. Anschließend steht es dann auf dem Desktop und im Terminal bereit.

Software

Für ein nur rund 300 MByte großes ISO-Image liegt dem System erstaunlich viel Software bei: Bereits in der Live-Variante finden sich die Untergruppen Spiele, Entwicklung, Unterhaltung, Grafiken, Einstellungen, Systemwerkzeug, Internet, Büro und Zubehör.

Dabei zeigen sich die einzelnen Gruppen von Haus aus gut bestückt: Auch im Live-System steht die komplette LibreOffice-Suite in Version 5.2.0.2 zur Verfügung, ebenso Gimp 2.9.4 zum Bearbeiten von Bildern und der PDF-Viewer Evince. Als Webbrowser dient der schnelle Chromium 53.

Zum umfangreichen Bestand an Werkzeugen zum Verwalten des Systems zählen unter anderem Gparted und Partimage. Mit dem Midnight Commander und EmelFM2 finden sich gleich zwei Dateimanager in den Menüs, die mit einer in zwei Fenster geteilten Ansicht aufwarten. Als Standard-Filemanager dient SpaceFM. Nicht alltägliche Pakete wie die VoIP-Applikation Linphone und – für Entwickler besonders interessant – die Software Qemu zum Virtualisieren von Systemen runden das Angebot ab.

Lediglich im Bereich Multimedia besteht Nachholbedarf: Zwar gibt es eine Software zum Brennen von optischen Datenträgern, einen universellen Dateikonverter, ein Internet-Radio und mit Deadbeef einen Audio-Player; ein vollwertiger Medienabspieler wie VLC oder Mplayer fehlt jedoch. Ähnliches gilt für Programme wie Video-Transcoder oder Software zum Bearbeiten von Filmen und Videos.

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