Signal

Signal [18] hatte in den letzten Jahren immer wieder prominente Fürsprecher: Der Kryptografie- und IT-Sicherheitsspezialist Bruce Schneier, der an der Johns Hopkins University lehrende Kryptografie-Professor Matthew Green sowie der Whistleblower Edward Snowden sprachen sich für den komplett freien Messenger aus. Das Programm stammt aus der Feder der Non-Profit-Software-Gruppe Open Whisper Systems um Hacker Moxie Marlinspike [19]. Die hatte zuvor schon mit Textsecure und Redphone zwei Apps zum Verschlüsseln von SMS und Telefonaten entwickelt.

In der Praxis erinnert Signal stark an Whatsapp oder andere Instant-Messenger, die primär auf Smartphones zu Hause sind (Abbildung 5). Daher benötigen Sie für Signal auch zwingend ein solches, da der Dienst zur Authentifizierung auf die Handynummer zurückgreift. Andere Arten der Registrierung (etwa über eine E-Mail-Adresse) stehen zwar zur Diskussion [20], liegen jedoch bislang nicht vor. Die Desktop-Version von Signal gibt es zudem nur als Browser-App für Chrome oder Chromium [21] – die Installation beschränkt sich daher auf das Einspielen der Erweiterung.

Abbildung 5: Signal kennen viele Anwender von Smartphones, per Browser-Erweiterung landet der Dienst auch auf dem Linux-Desktop.

Obwohl Signal nicht als eigenständige Anwendung läuft, erscheint das Programm in den Anwendungsmenüs der Desktop-Umgebung. Nachrichten und Kontaktliste gleicht Signal über das Netz ab. So können Sie Chats auf dem Smartphone beginnen und auf dem PC fortsetzen. Das Programm bietet neben rein textbasierten Chats auch Telefonate, allerdings bislang nur über die Smartphone-Clients. Die Kommunikation erfolgt bei Signal per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung; allerdings kann der Dienst auf seinen zentralen Servern Metadaten sammeln, weiß also potenziell, wer wann mit wem in Kontakt steht. Signal weigert sich auch, den Quellcode der Server-Komponente zu veröffentlichen.

Tox

Tox [22] gehört zu den Vorreitern unter den P2P-Chat-Clients: Das Programm entstammt einer Diskussion rund um die Privatsphäre von Skype-Usern im berühmt-berüchtigten 4chan-Forum [23]. Seit dieser Zeit hat sich im Projekt viel getan: Tox unterstützt (Gruppen-)Chats, Dateitransfers, Audio- und Video-Calls sowie Offline-Nachrichten. Dabei unterscheidet es zwischen dem Client und der Kernbibliothek, die das Protokoll und die API zur Verfügung stellt. Daher gibt es eine Reihe unterschiedlicher Tox-Programme, die – je nach Entwicklungsstand – teils nur einen Ausschnitt der bereits implementierten Funktionen unterstützen.

Zu den fortschrittlichsten und komplettesten Tox-Clients gehören uTox [24] und qTox [25]. Letzteres (Abbildung 6) finden Sie oft in den Paketquellen aktueller Distributionen. Die aktuelle Version installieren Sie über die offizielle Paketquelle der Entwickler, so wie in Listing 3 für Debian 8 oder Ubuntu 16.04 [26]. Beim ersten Start müssen Sie ein Tox-Profil anlegen. Es besteht aus einem privaten und öffentlichen Schlüssel; Tox speichert diese Daten nur lokal ab. Der öffentliche Schlüssel entspricht Ihrer Tox-ID, zum Chatten geben Sie den Schlüssel als Text oder in Form eines QR-Codes an Ihre Kontakte weiter. Optional registrieren Sie den Schlüssel zusammen mit Ihrer E-Mail-Adresse im Toxme-Register: So finden Freunde Sie leichter im Tox-Netz wieder [27].

Abbildung 6: Tox arbeitet ohne Registrierung und zentrale Server. Mit Text-, Audio- und Video-Chats bietet es das volle Programm.

Listing 3

$ sudo sh -c 'echo "deb https://pkg.tox.chat/debian/ nightly release" > /etc/apt/sources.list.d/tox.list'
$ wget -qO - https://pkg.tox.chat/debian/pkg.gpg.key | sudo apt-key add -?$ sudo apt update
$ sudo apt install qtox

In der Praxis erweist sich Tox in Kombination mit qTox als durchaus tauglich: Das Hinzufügen der Kontakte über die öffentlichen Schlüssel klappt problemlos, Chats und Dateiversand gelingen ohne weitere Konfiguration. Eine Screensharing-Funktion bietet bislang nur uTox. Allerdings lassen sich aus qTox heraus Screenshots des Desktops oder einzelner Programme erstellen und an den Chatpartner verschicken. Audio- und Video-Chats klappten im Test auf Anhieb, allerdings reicht die Qualität nicht an jene bei Skype oder von WebRTC-Konferenzen heran.

Aus der Trennung zwischen Back- und Frontend resultiert eine Vielzahl von Tox-Client-Programmen. Neben den qTox und uTox finden Sie Tox-Clients für die Kommandozeile, ein Plugin für den Multi-Messenger Pidgin und mit Antox [28] wie auch Antidote [29] auch Tox-Clients für Android beziehungsweise iOS. Bei Antox arbeiten die Entwickler jedoch noch daran, der Audio- und Video-Funktion die Fehler auszutreiben.

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