Ricochet

Die Chat-App Ricochet [8] beschränkt sich auf textbasierte Konversationen (Abbildung 3). Audio- und Video-Chats stehen zwar zur Diskussion, doch konkrete Pläne dafür gibt es noch nicht [9]. Die getestete Version 1.1.2 stammt vom Februar 2016; der Commit-Graph auf der Github-Seite des Projekts zeigt, dass die Entwickler seit 2014 regelmäßig am Code arbeiten [10]. Auf der Projekt-Homepage finden Sie Pakete für Linux, Mac OS X und Windows. Distributionen wie Debian oder Ubuntu führen das Programm zudem in ihren Paketquellen, allerdings erst bei relativ aktuellen Ausgaben.

Abbildung 3: Bei Ricochet gibt es nur Text-Chats, dafür laufen diese komplett anonym und sicher verschlüsselt ab.

Was Ricochet an Funktionen fehlt, macht das Programm an Anonymität und Sicherheit wieder wett. Es benötigt als dezentrales Netzwerk keinen Server, gegenüber dem man sich authentifizieren müsste. Zudem baut es die Verbindung zu den Chat-Partnern über den Onion Router Tor auf, wodurch sich die IP-Adressen der Teilnehmer nicht ermitteln lassen. Schließlich speichert Ricochet die Kontaktliste lokal ab und schreibt den Verlauf der Chats nicht auf die Festplatte: Sobald ein User den Dialog schließt, lässt sich dieser nicht wiederherstellen.

Trotz der Versuche von Ricochet, einen anonymen Messenger zu entwickeln, liegen noch ein paar Baustellen offen. So fehlt eine stärkere Verschlüsselung; zudem empfiehlt das im Februar 2016 erstellte Sicherheits-Audit [11], die Daten auf einem verschlüsselten Datenträger abzulegen, da diese im Klartext auf der Festplatte liegen. Alles in allem bedient Ricochet eher auf Privatsphäre bedachte Anwender, die auf erweiterte Funktionen gerne verzichten. Die Entwickler-Community hinter dem Programm hegt jedoch auch Pläne, die Anwendung auf mobile Betriebssysteme zu portieren und die Funktionen zu erweitern.

Ring

Ring [12] entstammt der inzwischen eingestellten SIP-Software SFLphone des frankokanadischen Beratungsunternehmens Savoir-faire Linux [13]. Die Entwickler positionieren Ring als Alternative zu Skype: Die Software beherrscht neben konventionellen Chats auch Audio- und Video-Gespräche sowie Video-Konferenzen. Sämtliche Datentransfers laufen verschlüsselt über ein verteiltes Netzwerk, das sich ähnlich wie etwa Bittorrent über eine verteilte Hash-Tabelle (Distributed Hash Table) namens OpenDHT organisiert [14]. Daher benötigt Ring keine zentralen Server und legt somit auch keine Profile an.

Vom Aufbau her bildet Ring ein Gespann aus einem lokal im Hintergrund aktiven Server und einem Client. Von daher müssen Sie unter Linux in der Regel zwei Pakete installieren. Dazu bietet Ring Paketquellen für Debian, Fedora und Ubuntu an und gibt auf der Homepage ausführliche Hinweise zur Installation [15]. Für Ubuntu 16.04 finden Sie die Kommandos zum Einbinden des Repositories in Listing 2 . Alternativ unterstützt Ring Mac OS X sowie Windows. Zudem gibt es einen offiziellen Client für Android-Smartphones, den Sie über Googles Play Store [16] oder den Open-Source-Market F-Droid [17] erhalten.

Listing 2

$ sudo sh -c "echo 'deb https://dl.ring.cx/ring-nightly/ubuntu_16.04/ ring main' > /etc/apt/sources.list.d/ring-nightly-man.list"
$ sudo apt-key adv --keyserver pgp.mit.edu --recv-keys A295D773307D25A33AE72F2F64CD5FA175348F84
$ sudo apt update
$ sudo apt install ring-gnome

Nach der Installation legen Sie beim ersten Start ein "Ring-Konto" an. Es besteht lediglich aus einem 40-stelligen kryptografischen Schlüssel, ähnlich einem Public-Key bei der Kommunikation per PGP – einen klassischen Account auf einem zentralen Server gibt es bei Ring nicht. Diesen Key geben Sie an Ihre Bekannten weiter; alternativ rufen Sie aus der Anwendung heraus einen QR-Code auf, der sich mit der Smartphone-Variante des Programms einscannen lässt (Abbildung 4). Ihren Key können Sie zudem als RING-Datei zusammen mit einem Passwort exportieren und so den Account auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen.

Abbildung 4: Ring benötigt ebenfalls keine zentralen Server, unterstützt zudem Audio- und Video-Chats.

Auf dem Papier ergibt sich somit ein sehr vollständiges Bild; in der Praxis muss Ring jedoch noch etwas reifen. Sowohl der Desktop- wie auch der Android-Client stürzten im Test des Öfteren ab. Ein unter Arch Linux aus dem Git gebauter Client erwies sich als besonders instabil. Dagegen gab sich die unter Ubuntu aus der Paketquelle installierte Version praxistauglich: Audio- und Video-Chats funktionierten zuverlässig, selbst über dünne Leitungen.

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