Über Kreuz

Neben dem unter der LGPL veröffentlichten Wine bietet sich auch die vom US-amerikanischen Unternehmen Codeweavers angebotene Software-Lösung Crossover für das Nutzen von Windows-Programmen unter Linux an. Bei Crossover handelt es sich nicht um eine komplette Neuentwicklung, sondern um eine Variante von Wine. Dabei nutzt der Hersteller jedoch ein anderes Bedienkonzept. Sie erhalten Crossover im Online-Shop des Herstellers, wobei für Testzwecke auch eine Trial-Variante zum Herunterladen bereitsteht [10].

Codeweavers liefert das Tool ausschließlich als 32-Bit-Anwendung aus, sodass Sie zur Installation unter modernen 64-Bit-Distributionen eine 32-Bit-Ablaufumgebung benötigen – das gilt jedoch auch für Wine. Die entsprechenden Pakete zieht die Installationsroutine jedoch je nach Distribution automatisch nach. Crossover ermöglicht anschließend aus dem neu angelegten gleichnamigen Menü heraus den Start der Oberfläche.

Dabei verzichtet Crossover im Gegensatz zu Wine auf das Einrichten einer Vielzahl von Tools zur manuellen Konfiguration von Applikationsroutinen. Stattdessen installieren Sie neue Windows-Programme entweder aus einer Liste oder aus vorhandenen ausführbaren Dateien. Diese gruppiert Crossover in "Flaschen", wobei bereits für jede Windows-Version seit Windows 98 eine eigene Flasche existiert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Crossover erleichtert die Integration von Windows-Software durch eine einheitliche Oberfläche.

Crossover lässt sich aufgrund seines Bedienkonzepts von Einsteigern erheblich einfacher nutzen als Wine, bringt jedoch aufgrund vorgefertigter Installationsskripte für die gelisteten Windows-Anwendungen auch erheblich weniger Flexibilität mit als das freie Original.

Im Kasten

Als weitere Möglichkeit, Windows-Anwendungen unter Linux zu nutzen, bietet sich die bereits erwähnte Virtualbox von Oracle an. Hier handelt es sich nicht um eine Laufzeitumgebung wie Wine oder Crossover, sondern um eine komplette virtuelle Maschine, auf der Sie entsprechend auch ein komplettes Betriebssystem installieren müssen. Die Virtualbox unterstützt dabei unterschiedlichste Gast-Betriebssysteme, die auch parallel installiert sein dürfen und die Sie per Mausklick aus dem Programm auswählen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Virtualbox kann nahezu alle größeren Betriebssysteme als Gast unter Linux installieren.

Die meisten Distributionen pflegen Virtualbox-Pakete in ihren Repositories ein, die jeweils neueste Release beziehen Sie direkt von Oracle [11]. Zur Installation eines originalen Windows benötigt die Virtualbox den entsprechenden Datenträger. Außerdem brauchen Sie eine gültige Windows-Lizenz, die Sie dann auf keinem anderen Rechner nutzen dürfen. Möchten Sie hingegen einen Linux-Abkömmling als Gastbetriebssystem installieren (Abbildung 5), so geschieht dies in der Regel über das Laden des ISO-Images in ein virtuelles CD/DVD-Laufwerk. Zum Testen einer Linux-Distribution müssen Sie daher nicht zwingend eine DVD brennen oder einen USB-Stick als Boot-Medium beschreiben.

Abbildung 5: Die Virtualbox ermöglicht das Ausführen verschiedenster Betriebssysteme.

Durch das Nutzen eines originalen Windows in einer virtuellen Maschine fallen sämtliche Probleme weg, die fehlende Windows-Komponenten unter einer Laufzeitumgebung verursachen. Damit eignet sich die Virtualbox vor allem dann für den produktiven Einsatz, wenn Sie sehr komplexe Windows-Anwendungen ablaufen lassen möchten, die Wine nicht oder nicht vollständig unterstützt. Dazu zählen vor allem Programme mit vielen Multimedia-Inhalten, die proprietäre Windows-Komponenten nutzen, aber auch Oberflächen, die ein Datenbank-Backend benötigen. Sie installieren und nutzen diese Programme wie auf einem "normalen" Windows-Rechner, wobei die Software in der VM teilweise sogar flüssiger läuft.

Dabei unterstützt Virtualbox LAN-Anschlüsse, USB-Systeme und geteilte Ordner, sodass die virtuelle Maschine problemlos mit dem Host-System und ebenso nach außen kommunizieren kann. Besitzen Sie verschiedene Windows-Anwendungen, die lediglich auf bestimmten Varianten des Betriebssystems aus Redmond funktionieren, so lassen sich auch mehrere Windows-Versionen in einer Virtualbox-Instanz installieren. Diese aktivieren Sie dann jeweils einzeln nach Bedarf, sodass Sie innerhalb von wenigen Sekunden von einer Windows-Variante zur nächsten wechseln.

Die Virtualbox gibt sich – auch für die Gast-Betriebssysteme – mit relativ geringen Hardware-Anforderungen zufrieden. Die Umgebung selbst arbeitet bereits mit 512 MByte RAM und begnügt sich notfalls sogar mit einem Einkern-Prozessor. Hinzuaddieren müssen Sie jedoch beim Arbeitsspeicher noch den Bedarf des Gastsystems. Auch beim Platzbedarf auf dem Massenspeicher gilt es, pro virtuellem System mindestens 10 bis 15 GByte zu veranschlagen. Besitzt der Computer einen Mehrkern-Prozessor, dann legen Sie im Einstellungsdialog der Virtualbox bei den einzelnen Gastsystemen fest, wie viele Cores das jeweilige System in Beschlag nehmen darf. Auf diese Weise passen Sie die Leistung der VMs individuell an.

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