Eigenentwicklungen

Linux Lite beschränkt sich nicht auf die Rolle als optisch aufgepeppter und ressourcenschonender Ubuntu-Klon: Das System bringt darüber hinaus eigene Anwendungen mit, die teils den vorhandenen Funktionsumfang ergänzen, teils auch das Handling des gesamten Systems erleichtern. Zu diesen Tools gehören Lite Tweaks, Lite Software, Lite User Manager und Lite Upgrade.

Anders als Ubuntu verfügt Linux Lite nicht über einen Software-Shop, sondern setzt bei der Installation aus den Ubuntu-Repositories auf die grafische Oberfläche Synaptic. Damit stehen weit mehr als 50 000 Pakete zur Installation auf dem stationären Massenspeicher bereit. Lite Software, das Sie im Menü System finden, ergänzt das Softwaremanagement um eine interessante Alternative: Hier installieren Sie per Mausklick ohne lange Suche die am häufigsten verwendeten Zusatzpakete, alle Abhängigkeiten löst das Tool automatisch auf (Abbildung 3).

Abbildung 3: Lite Software packt schnell mit wenigen Mausklicks die am häufigsten genutzten Applikationen auf den lokalen Massenspeicher.

Da die unter Linux dabei gängigen Konzepte und Programme für Newcomer teils recht gewöhnungsbedürftig ausfallen, erleichtert dieser Ansatz insbesondere für Umsteiger von anderen Betriebssystemen die Softwareinstallation erheblich. Lite Software implementiert dabei kein neues Paketverwaltungssystem, sondern nutzt die vorhandenen Ressourcen. Zu den bekanntesten Paketen, die Sie mit Lite Software installieren können, zählen Audacity, Calibre, Chromium, Kodi, PlayOnLinux, Teamviewer, Tor Web Browser, Virtualbox und Wine.

Lite Upgrade dient nicht etwa – wie die Bezeichnung suggeriert – der laufenden Systemaktualisierung, sondern nimmt nach Erscheinen eines neuen Lite-Releases ein komplettes Upgrade des Betriebssystems vor. Das vorinstallierte Tool rufen Sie mit dem Kommando lite-upgrade-series3 am Prompt im Terminal auf und erfahren dann, wann die nächste Systemaktualisierung vorgesehen ist (Abbildung 4).

Abbildung 4: Nun wissen Sie genau, wann die nächste Systemaktualisierung ansteht.

Das Tweak-Tool Lite Tweaks (Abbildung 5) dient der automatisierten Optimierung des Systems. Sie finden das grafisch einfach gestaltete Werkzeug im Menü System. Lite Tweaks übernimmt je nach Auswahl der vorhandenen Optionen dabei primär die Aufgabe, vorhandene obsolete Dateibestände von der Platte zu putzen. So können Sie den aktuellen Cache von Firefox leeren lassen oder durch Setzen eines Häkchens vor der entsprechenden Option betriebssystemspezifische Aktionen wie das Löschen des Package-Puffers anstoßen. Es empfiehlt sich daher, das Tweak-Werkzeug öfter zu starten, um der Verschwendung von Speicherplatz entgegenzuwirken.

Abbildung 5: Mithilfe von Lite Tweaks halten Sie Ihr System in gutem Zustand.

Um ein voreiliges Löschen zu verhindern, das später zu Störungen oder gar zur Funktionsuntüchtigkeit des Systems führen könnte, haben die Entwickler eine Spalte Status in die Anzeige integriert. Sie signalisiert durch den Eintrag Caution, dass Sie bei Auswahl der fraglichen Einstellung besondere Vorsicht walten lassen sollten. In der Spalte Task zeigt das Tool außerdem an, was Modifikationen an den jeweiligen Ist-Zuständen überhaupt bewirken.

Ein Clean in dieser Spalte bereinigt das System durch Löschen überflüssiger Dateien, Information gibt dagegen nützliche Informationen etwa zur Massenspeicherbelegung oder zu besonders großen Dateien an. In der Spalte Description meldet Lite Tweaks zudem kontextsensitiv, wie viel Speicherplatz sich durch Anstoßen des entsprechenden Löschvorgangs einsparen lässt.

Verwaltungssache

Mit verschiedenen Werkzeugen ermöglicht Linux Lite das bequeme grafische Verwalten des Systems. Dabei trennt es die Konfiguration des eigentlichen Betriebssystems und seiner Komponenten und die des XFCE-Desktops sauber voneinander.

So finden Sie im Menü System Werkzeuge für die Software-Verwaltung, die Druckerkonfiguration, das Massenspeichermanagement inklusive Partitionierungswerkzeugen, das Anbinden von Netzlaufwerken und das Task-Management. Das der Systemkonfiguration dienende Menü Einstellungen dagegen umfasst die Tools zur Desktop-Konfiguration. Dazu zählt vor allem die integrierte XFCE-Verwaltungsoberfläche Einstellungen, die primär das Erscheinungsbild der Arbeitsumgebung und den Umgang mit Wechseldatenträgern, Eingabegeräten und Diensten definiert (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der XFCE-Einstellungsmanager hilft Ihrem Desktop primär optisch auf die Sprünge.

Die einzelnen im Werkzeug Einstellungen zusammengefassten Optionen finden sich auch größtenteils nochmals separat im gleichnamigen Menü, sodass Sie in vielen Fällen den Umweg über das Tool nicht gehen müssen. Der XFCE-Desktop bietet dabei einen gelungenen Mittelweg hinsichtlich der Konfigurationsmöglichkeiten: Er lässt sich nicht bis ins kleinste Detail anpassen wie KDE, bietet jedoch erheblich mehr Optionen zur individuellen Modifikation als die neueren Gnome-Varianten.

Im Menü Einstellungen von Linux Lite befinden sich darüber hinaus Werkzeuge zur Netzwerkkonfiguration inklusive der Möglichkeit, die Firewall ohne tiefer gehende Kenntnis von Iptables grafisch anzupassen. Mit Install Drivers gibt es auch ein grafisches Tool, um Hardware mit proprietären Treibern anzusprechen. Es erweist sich insbesondere bei widerspenstigen WLAN- und UMTS-Karten als sehr nützlich, aber auch bei der Unterstützung mancher Notebook-Grafikkarten: Hier lassen sich die proprietären Treiber- und Firmware-Dateien bequem automatisiert installieren, ohne dass Sie sich umständlich auf den Herstellerseiten umsehen und Module manuell laden müssen.

Im gleichen Tool legen Sie zudem im Reiter Aktualisierungen fest, ob und wie das Betriebssystem regelmäßig auf den aktuellen Stand gebracht wird. Insbesondere beim Nutzen eines volumenbasierten Internet-Zugangs (UMTS/HSPA/LTE) kann es hier sinnvoll sein, die Aktualisierungen auf die Option Wichtige Sicherheitsaktualisierungen zu beschränken.

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