Von Rsync zum HIDS

Die Veränderungen zwischen Verzeichnissen mittels Rsync für große Datenmengen zu prüfen, empfiehlt sich eher nicht: Es verursacht einerseits einen recht hohen Aufwand, andererseits birgt es die Gefahr der Unvollständigkeit. Findige Entwickler bauten daher Kombinationswerkzeuge, mit denen sich dieser Schritt stärker automatisieren lässt. Solche Tools dienen grundsätzlich zur lokalen Einbruchserkennung auf einem System und lassen sich unter dem Begriff hostbasierte Einbruchserkennungssysteme ("host-based intrusion detection systems", HIDS) zusammenfassen [6].

Die einzelnen HIDS fallen in Sachen Funktionsumfang sehr unterschiedlich aus. Sie verfügen über Routinen zum Erkennen von Dateiveränderungen, zum Aufspüren von Rootkits, zur Detektion und Analyse verdächtiger Netzwerkpakete und -schnittstellen sowie von "mysteriösen" Prozessen. Einige davon lassen sich nur auf dem lokalen System nutzen, andere auch für das Überwachen entfernter Systeme. Die Tabelle "HIDS" gibt einen groben Überblick zu den Werkzeugen und deren Funktionsumfang.

HIDS

Werkzeug Dateiveränderungen Rootkits Netzwerk Prozesse Remote
dpkg x - - - -
rpm x - - - -
integrit x - - - -
tripwire x - - - -
tiger x x x x -
rkhunter x x - - -
samhain x - - - x
debsums x - - - -
chkrootkit - x - x -
aide x x - - -
fcheck x - - - -
stealth(1) x x - - -
ossec x x x - x
unhide - - - x -
suricata - - x - -
inotify x - - - -
(1) Ssh-based Trust Enforcement Acquired through a Locally Trusted Host

Bitte beachten Sie, dass Inotify ausschließlich in dem Moment eine Information ausgibt, in dem es eine Veränderung feststellt. Alle anderen Programme teilen das erst nachträglich mit. Bei Dpkg, Dlocate und Debsums handelt es sich um Werkzeuge zur Paketverwaltung, die es nur bei Debian und seinen Derivaten gibt. Sie entsprechen im engeren Sinne nicht einem HIDS und prüfen nur, ob die installierten Dateien aus einem Paket noch unverändert vorliegen (Listing 7). Gleiches gilt für Rpm aus Fedora und OpenSuse.

Listing 7

$ dpkg -V openssh-server
??5??????      /usr/lib/tmpfiles.d/sshd.conf

Veränderungen

Für die verzeichnisbasierte Analyse auf Veränderungen im Dateisystem hat sich ein mehrstufiges Schema herausgebildet. Diesem Schema folgen unter anderem Integrit, Tripwire, Samhain und Aide. Nach einer Bestandsaufnahme fungiert das jeweilige Werkzeug quasi als digitale Petze für die später entdeckten Unterschiede.

In einem ersten Schritt analysiert das Programm das von Ihnen vorab spezifizierte Verzeichnis. Dazu erzeugt es eine Art Schnappschuss für den aktuellen Zustand. Für jeden Eintrag im Verzeichnis legt es einen Eintrag in seiner internen Datenbank an und merkt sich unter anderem den Dateinamen, das Erstell- und Änderungsdatum, die Zugriffs- und Benutzerrechte sowie den Inhalt.

Letzteren speichert es nicht jedoch vollständig als Kopie, sondern berechnet nur einen Hash-Wert über den Inhalt. Das ist mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit eindeutig und zudem mit einem überschaubaren Zeit- und Rechenaufwand verbunden. Bei der Berechnung des Hashes kommt derzeit vielfach noch MD5 oder eine Variante des Secure Hash Algorithms (SHA) zum Einsatz.

Der zweite Schritt folgt später und beinhaltet den Abgleich des aktuellen Verzeichniszustands mit dem im ersten Schritt erzeugten Schnappschuss. Das System registriert alle Änderungen zwischen den beiden Zuständen und teilt sie Ihnen mit. Das kann über die Standardausgabe geschehen, aber auch via E-Mail, Jabber (XMPP) oder als Eintrag in einer Protokolldatei.

Auf eine entsprechende Warnung sollten Sie unverzüglich angemessen reagieren, etwa mit dem Rückspielen einer vorhergehenden Datensicherung. Beide Schritte verursachen nennenswerte I/O-Last auf dem Speichermedium – führen Sie sie also nicht unbedingt in Hochlastphasen durch.

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