Dasher spielerisch lernen

Als Nutzer wählen Sie Zeichen aus, indem Sie mit einem Zeigegerät verschiedene Farbflächen, die jeweils Zeichen wie Groß- und Kleinbuchstaben oder Satzzeichen repräsentieren, an einem Fadenkreuz in der Bildschirmmitte vorbeisteuern und diese damit auswählen. Menschen mit körperlichen Einschränkungen steht dafür beispielsweise ein Augenscanner zur Verfügung (Abbildung 5). Nach der Eingabe erster Texte lernt das System dazu und schlägt nach Auswahl eines Buchstabens ein oder mehrere Worte vor. Geschriebene Texte lassen sich auch in die Zwischenablage kopieren und so in andere Anwendungen übernehmen.

Abbildung 5: Für die Eingabe von Texten mit Dasher eignen sich auch Joysticks, Augenscanner oder eine per Atem kontrollierte Steuerung. (Bild: Dasher-Projekt)

Einen guten Überblick über die Eingabemethode vermittelt ein deutschsprachiges Video auf der Webseite Schmetterlong, die viele Informationen zur barrierefreien Kommunikation bereithält [8]. Ein Ausschnitt aus einem Google-Talk zeigt Professor MacKay bei einem Vortrag bei der effizienten Anwendung von Dasher [9]. Dabei erläutert MacKay (auf Englisch) die Entstehung, das Prinzip hinter und die Benutzung von Dasher. Wer ernsthaft in die Software einsteigen möchte, dem sei dieser unterhaltsame Vortrag in voller Länge ans Herz gelegt [10]. Die beste Dokumentation für Dasher findet sich beim Gnome-Projekt [11].

Die menschliche Seite

Mit Dasher schließt sich auch der Kreis zwischen zwei Menschen, die ihre Arbeit weitgehend in den Dienst der Allgemeinheit stellten beziehungsweise stellen: Der erste bezahlte Job des bekannten Linux-Entwicklers Matthew Garrett [12] war die Arbeit für Professor MacKay von 2002 bis 2003 bei der Entwicklung von Dasher. Beide lernten sich an der University of Cambridge kennen, wo MacKay lehrte und Garrett Genetik studierte.

Garrett schreibt in einem Nachruf in seinem Blog [13], die Arbeit mit MacKay habe ihm praktisch vor Augen geführt, was freie Software für die Anwender bedeutet und wie wichtig deren Beiträge dazu sind. So entwickelte sich durch die Zusammenarbeit Dasher innerhalb eines Jahres vom Forschungsprojekt zu einer gut integrierten Gnome-Komponente. Dabei entwickelte Garrett nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern stellte Dasher in Vorträgen vor.

Vor allem ging er aber zu den Anwendern der Software, hörte ihnen zu und versuchte dann, die Erfahrungen in der Software umzusetzen. Für Garrett formten sich hier die Grundlagen, die ihn nicht nur zu einem Kernel-Hacker und Linux-Entwickler machten, sondern zu einem Aktivisten für freie Software, der sich im Zweifelsfall immer lautstark für den Anwender und gegen Unternehmen einsetzt. Er scheut sich nicht, regelmäßig Microsoft, Intel oder Canonical anzuprangern, wenn deren Vorgehen freie Software behindert.

Wer war Professor MacKay?

Sir David John Cameron MacKay war ein britischer Philosoph, Physiker und Mathematiker und zuletzt Privatdozent für Ingenieurswissenschaften an der University of Cambridge. Von 2009 bis 2014 arbeitete MacKay als leitender wissenschaftlicher Berater des britischen Ministeriums für Energie und Klimawandel, nachdem 2008 sein Buch "Sustainable Energy – Without the Hot Air" für Furore sorgte, das sich mit dem Energieverbrauch und der nachhaltigen Energieproduktion ohne fossile Brennstoffe beschäftigt [15]. MacKay investierte persönlich 10 000 Pfund eigenen Geldes zur Veröffentlichung des Buchs. MacKay arbeitete auch über maschinelles Lernen und die Informationstheorie, in deren Zusammenhang er auch Dasher als völlig neuen Ansatz des Schreibens ohne Tastendrücke entwickelte. Nachdem bei ihm 2015 Krebs diagnostiziert wurde, verarbeitete MacKay den Verlauf seiner Erkrankung in seinem öffentlichen Blog [16]. Er verstarb wenige Tage nach seinem letzten Blog-Eintrag im April 2016 im Alter von 48 Jahren.

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