In medias Flatpak

Im Test kam ein tagesaktuelles Fedora 24 Beta als Basis für den Flatpak-Test zum Einsatz (die finale Version finden Sie auf dem Datenträger der Media-Edition). Zusätzlich gehörte ein Siduction mit Plasma 5.6.4 zum Testfeld. Im Prinzip eignet sich aber jede Distribution, die Flatpak unterstützt. Die für den Test gewählte Anwendung LibreOffice 5.2 Beta als Flatpak setzt lediglich die Laufzeitumgebung von Gnome 3.20 voraus (Abbildung 4).

Abbildung 4: Runtime und LibreOffice als Flatpak installiert.

Damit die Distributionen mit Flatpak arbeiten, installieren Sie zunächst die entsprechende Software [12]. Sie liegt ab Fedora 23 sowie Mageia 5 bereits in den entsprechenden Archiven bereit. Ubuntu nutzt ein PPA, während Sie bei Debian das Paket per APT beziehen, nachdem Sie die Liste der Quellen um einen passenden Eintrag ergänzt haben. Aus dem Experimental-Repository von Debian beziehen Sie Flatpak derzeit direkt (Abbildung 5). Bei Erscheinen dieses Artikels sollte es bereits in Debian "Unstable" liegen. Unter Debian 8 "Jessie" installieren Sie es mit den Befehlen aus Listing 1.

Abbildung 5: Flatpak ist auch in Debian schnell installiert.

Listing 1

$ wget -O - https://sdk.gnome.org/apt/debian/conf/alexl.gpg.key | apt-key add -
$ echo "deb [arch=amd64] https://sdk.gnome.org/apt/debian/ jessie main" > /etc/apt/sources.list.d/flatpak.list
$ sudo apt update && apt install flatpak

Für den Test kam vorrangig Fedora zum Einsatz, da es Flatpaks bislang am besten integriert. Zuerst brachten wir die Distribution mit sudo dnf upgrade auf den neuesten Stand. Nachdem die eigentliche Software dann mittels sudo dnf install flatpakinstalliert war, fügten wir das Repository der Flatpak-Laufzeitumgebung hinzu (Listing 2).

Listing 2

$ wget https://sdk.gnome.org/keys/gnome-sdk.gpg
$ flatpak remote-add --user --gpg-import=gnome-sdk.gpg gnome https://sdk.gnome.org/repo/
$ flatpak install --user gnome org.gnome.Platform 3.20
$ flatpak install --user gnome org.gnome.Platform.Locale 3.20
$ flatpak install --user --bundle LibreOffice.flatpak
$ flatpak run org.libreoffice.LibreOffice

Die Laufzeitumgebung samt Lokalisation schlägt mit rund 200 MByte zu Buche. Nach deren Installation laden Sie das LibreOffice-Paket (156 MByte belegt) herunter [13] und richten die Software als normaler User aus dem Download-Ordner ein (Listing 2, Zeile 5). Dabei spielt es keine Rolle, ob und in welcher Version LibreOffice auf dem System bereits installiert ist: Die Anwendungen kommen sich nicht ins Gehege.

Nach rund 20 Sekunden starten Sie die Bürosuite über das Kommando aus der letzten Zeile von Listing 2 oder via Gnome Shell. Im Home-Verzeichnis finden sich unter ./local/share/flatpak/ die installierten Laufzeitumgebungen und Anwendungen (Abbildung 6). Eine Befehlsübersicht über Flatpak bieten die Manpage sowie der Befehl flatpak -h.

Abbildung 6: Auch bei Debian liegen alle Daten im Home des Anwenders.

Auch das Software-Center Gnome Software integriert das LibreOffice-Flatpak bereits. Haben Sie zusätzlich LibreOffice auf herkömmlichem Weg installiert, so erscheinen hier allerdings beide Versionen, ohne dass man sie anhand der Icons optisch unterscheiden könnte.

Aus dem frühen Entwicklungsstand resultieren zudem einige Einschränkungen: Da Flatpak-Anwendungen in Sandboxen gegeneinander isoliert laufen, funktionieren im LibreOffice-Paket derzeit noch keine Hyperlinks aus Dokumenten heraus. Auch die Online-Hilfe per [F1] lädt nicht. Zudem fehlt zum jetzigen Zeitpunkt ein Flatpak des Java Runtime Environments (JRE), sodass darauf aufbauende Funktionen nicht laufen.

Fazit

Flatpaks und Snaps bilden eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Paketformaten. Zu deren Vorteilen zählen die (teilweise) Unabhängigkeit von Distributionen, die Installation ohne Root-Rechte sowie die Isolierung gegen andere Pakete und gegen das Host-System. Mögliche Nachteile liegen im höheren Platzbedarf und – aufgrund des frühen Entwicklungsstands – in der Möglichkeit bisher nicht bekannter Probleme in Bezug auf die Sicherheit.

Flatpaks bieten einen universelleren Ansatz; ein Test unter Debian mit der Software aus dem "Experimental"-Repository [14] funktionierte ebenso gut wie bei Fedora 24. Snaps dagegen gehören eher in das "konvergente" Ubuntu-Universum aus IoT-Gadgets, Ubuntu-Phones, Desktop, Server und Cloud. Es bestehen Zweifel, dass Snaps sich über Ubuntu hinaus verbreiten.

Die neuen Formate heilen einige der Wehwehchen, die Entwickler, Betreuer von Paketen sowie Anwender mit den herkömmlichen Pakten haben. Ob sich die neuen Ansätze aber in der Praxis durchsetzen, muss sich erst noch zeigen. Auf absehbare Zeit existieren sie vermutlich alternativ neben DEB und RPM. Interesse vonseiten der Entwickler besteht aber durchaus, wie der getestete LibreOffice-Flatpak demonstriert.

Derzeit treten beide Formate lediglich den Beweis an, dass sie funktionieren. Ein wirklicher Gewinn an Sicherheit aufgrund der Isolation stellt sich jedoch erst mit dem Einsatz von Wayland und Mir ein. Dann steht einer weiteren Verbreitung von Snaps und Flatpaks nichts mehr im Weg. 

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