Schnapp's dir

Die Wurzeln von Canonicals Flatpak-Gegenentwurf Snappy liegen im Format Klik für das Ubuntu Phone. Das erste Mal setzten die Entwickler dieses Prinzip Ende 2014 mit Snappy Ubuntu Core für das Internet der Dinge und für eingebettete Systeme um. Daraus entstand in der Folge die Idee eines "Snappy Personal", um das Konzept für den Desktop umzusetzen.

Mit der Veröffentlichung von Ubuntu 16.04 "Xenial Xerus" gelangte der Entwurf vor Kurzem erstmals offiziell auf den Desktop. Die Pakete heißen einfach Snaps und eignen sich für die parallele Installation zum DEB-Format. Sie enthalten ebenfalls die gesamte Software als Bündel, das auf gleiche Weise gegen den Rest des Systems isoliert ist wie bei Flatpaks. Snaps bieten die Möglichkeit zu atomaren Aktualisierungen – Canonical nennt es "transactional updates" – mittels Delta-Dateien [7].

Canonical-Gründer Mark Shuttleworth wies schon im Vorfeld von Ubuntu 16.04 mehrfach auf den Sicherheitsgewinn durch das Sandbox-System hin. Kurz nach der Veröffentlichung sprach jedoch der bekannte Entwickler Matthew Garrett dem System eben dieses Mehr an Sicherheit in seinem Blog wieder ab, solange Ubuntu noch auf X11 setzt und Mir weiter auf sich warten lässt [8]. Hier handelt es sich allerdings eher um ein Problem von X11 als eines von Snappy. Tatsache bleibt jedoch, dass sich das Mehr an Sicherheit hier frühestens in einem Jahr einstellt, wenn Ubuntu auf den eigenen Display-Server umschwenkt.

Auf Ubuntu fixiert

Die noch recht neuen Snaps für den Desktop befinden sich noch mitten in der Entwicklung. Ein klarer Nachteil liegt darin, dass sich das System auf Ubuntu als Plattform beschränkt. Das macht es anders als bei den Flatpaks schwer, es auf andere Distributionen zu portieren.

Ein weiterer, prinzipbedingter Nachteil zeigt sich beim Aktualisieren: Taucht ein Fehler in einer Bibliothek auf, so ersetzen Sie auf einem herkömmlichen System diese durch eine neuere Version. Bei Snaps gilt es, diese Bibliothek in allen Paketen zu ersetzen, in denen sie steckt.

Der Vorteil von Snaps liegt dagegen in der Tatsache, dass es relativ leicht fällt, die Pakete aus einem DEB-Paket [9] oder aus den Quellen zu bauen [10]. Dabei dient ebenfalls eine Laufzeitumgebung als Grundlage, in diesem Fall Snapcraft [11].

Snaps spielen eine große Rolle bei Canonicals primärem Entwicklungsziel der letzten Jahre, der Konvergenz. In diesem Szenario baut Software auf allen Plattformen auf dem gleichen Code auf, vom kleinsten Gadget im IoT bis zum IBM-Mainframe. Ein Smartphone, ergänzt um Display, Tastatur und Maus, verwandelt sich so in ein Desktop-System. Erste Ansätze dazu befinden sich derzeit mit dem Ubuntu-Tablet Bq M10 und dem Smartphone Meizu Pro 5 in der freien Wildbahn. Snaps spielen außerhalb von Ubuntu und seinen Derivaten jedoch kaum eine Rolle.

In Ubuntu 16.04 rufen Sie mit snap find eine Liste der verfügbaren Snaps auf (Abbildung 3). Mit sudo snap install Paket installieren Sie dann die Software. Hier fällt auf, dass Sie anders als bei Flatpak dazu Root-Rechte benötigen.

Abbildung 3: Ubuntu 16.04 ermöglicht es, eine ganze Reihe von Programmen als Snaps zu installieren.

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