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© Jacek Kita, 123RF

Scanner mit Sonderausstattung unter Linux nutzen

Digitalisiert

Scannen unter Linux ist seit Jahren ein leidiges Thema: Das dafür gedachte Sane unterstützt viele vor allem exotischere Modelle und Multifunktionsgeräte nicht oder nur rudimentär. Für Abhilfe sorgt das kostenpflichtige Tool Vuescan.

Der Einsatz eines Scanners erfordert unter Linux bei der Konfiguration oft einige Handarbeit. Insbesondere mit Scanner-Einheiten aus Multifunktionsgeräten oder für spezielle Einsatzzwecke kommt das freie Betriebssystem oft nicht zurecht. Zwar unterstützt das Sane-Projekt ("Scanner Access Now Easy") sehr viele, auch neue Scanner-Modelle [1], jedoch häufig nur deren Grundfunktionen. Die kommerzielle Alternative Vuescan [2] dagegen bietet selbst für exotische Scanner guten Support.

In unserem Test prüfen wir die Einsatzmöglichkeiten des Multifunktionsgeräts Hewlett-Packard Laserjet Pro MFP M177fw [3] sowie des ebenfalls von HP stammenden Flachbettscanners Scanjet G3110 [4]. Die Scan-Einheit des Multifunktionsgeräts bietet einen automatischen Einzelblatteinzug, der das vollautomatische Verarbeiten mehrerer Vorlagen in einem Durchgang ohne manuellen Wechsel der Dokumente ermöglicht. Der Flachbettscanner verfügt über eine Durchlichteinheit, die das Scannen von Dias und Negativen erlauben.

Um diese Komponenten zu nutzen, muss der jeweilige Treiber eine entsprechende Unterstützung bieten. Sane führt das HP-Multifunktionsgerät in der Kompatibilitätsliste gar nicht auf, den Flachbettscanner listet es mit einem als Basic gekennzeichneten Funktionsumfang. Vuescan dagegen bietet Unterstützung für beide Geräte an [5].

Sane, Xsane und Hplip

Zunächst testen wir beide Scanner mit Linux-Bordmitteln. Dazu installieren wir unter Linux Mint 17.3 und dem Mandriva-Derivat ROSA Linux Desktop Fresh R7 aus den Software-Repositories Sane/Xsane und zusätzlich die Tool-Sammlung Hplip [6]. Obwohl nicht gelistet, lässt sich zu unserer Überraschung die Scan-Einheit des Multifunktionsgeräts via Sane problemlos ansprechen. Auch die Werkzeugsammlung Hplip erkennt das Gerät. Bei einem ersten Test jedoch enttäuschen beide Lösungen: Zwar liest die Software einzelne Seiten korrekt und zügig ein, unterstützt aber nicht den automatischen Einzelblatteinzug.

Während Sane beim Aktivieren des Einzelblatteinzugs abstürzt, friert bei der entsprechenden Einstellung unter den Hplip-Programmen das komplette System ein. Auch für den Flachbettscanner bietet Sane lediglich die Grundfunktionen, die eingebaute Durchlichteinheit spricht es nicht korrekt an. Ausgerechnet Hplip erkennt den Scanjet G3110 überhaupt nicht, obwohl es zur Arbeit mit Scannern auf das Sane-Backend zurückgreift. Wir testeten daher die freien Lösungen zusätzlich auch unter Lubuntu 16.04, allerdings mit demselben Ergebnis.

Auch die Grundfunktionen von Sane und den Hplip-Werkzeugen überzeugen nicht. So fällt unter beiden Lösungen auf allen Testplattformen das höchst gemächliche Arbeitstempo vor allem des Scanjet G3110 auf: Während das Multifunktionsgerät einzelne Seiten noch ausreichend schnell einliest, benötigt der Scanjet selbst für einen Vorschau-Scan (Farbe, 75 dpi Auflösung) rund eine Minute.

Vuescan

Das kommerzielle Vuescan gibt es in den Varianten "Standard" und "Professional" für 39,95 respektive 89,95 US-Dollar. Die lediglich etwa 7 MByte umfassende Software erhalten Sie auch als kostenlose Testversion für 32- und 64-Bit-Systeme in Form eines Tarballs. Bei zur Standardversion identischem Funktionsumfang fügt sie in die gescannten Dateien ein Wasserzeichen ein. Um die Kompatibilität mit den eigenen Geräten zu testen, genügt das allemal. Zum dauerhaften Aktivieren benötigen Sie einen Lizenzschlüssel, den Sie per Kreditkarte oder Paypal bezahlen. Der Schlüssel erlaubt das Aktivieren von bis zu vier verschiedenen Installationen, was für kleinere Heimnetze vollkommen ausreicht.

Während die Standard-Lizenz lediglich die Grundfunktionen der unterstützten Scanner-Modelle abdeckt und eine einjährige Upgrade-Option enthält, bietet nur die "Professional Edition" Sonderfunktionen, wie etwa das Scannen mit Durchlichteinheiten. Auch eine Verwaltung von Farbprofilen, wie sie professionelle Anwender nutzen, fehlt der "Standard Edition". Die Professional-Variante besitzt darüber hinaus eine lebenslange Upgrade-Option.

Nach dem Herunterladen und Entpacken des Archivs finden Sie die ausführbare Datei vuescan in einem eigenen Unterverzeichnis ./Vuescan/. Sie rufen das Programm entweder direkt im Terminal auf oder kopieren das komplette Unterverzeichnis an einen beliebigen Speicherort und legen anschließend einen Starter zum bequemen Aufruf an.

Beim ersten Start der Software weist ein kleines Fenster auf die Integration des Wasserzeichens in die Scans hin, wenn keine gültige Lizenz vorliegt. Sofern Sie diese kaufen möchten, klicken Sie in diesem Fenster auf Kaufen, was den Webshop des Anbieters im Browser öffnet. Nach Erwerb des Lizenzschlüssels – Sie erhalten ihn in Form einer PDF-Rechnung – und dem Aktivieren der Software erscheint das übersichtlich aufgebaute Programmfenster.

In der zweigeteilten Ansicht zeigt die Software links in sechs Reitern gruppiert alle wichtigen Einstellungen zum Scanner und den einzulesenden Vorlagen an. Rechts daneben bleibt Platz für die digitalisierten Vorlagen. Darüber befindet sich horizontal angeordnet eine Menüleiste, am unteren Rand finden sich noch einige Schaltflächen und Knöpfe. Die Software erkennt beim Start automatisch den angeschlossenen Scanner, ohne dass Sie einen zusätzlichen Treiber installieren müssen.

Sind mehrere Scanner an den Rechner angeschlossen, dann wählen Sie das gewünschte Modell aus einem Menü links im Programmfenster. Im Reiter Quelle legen Sie die wichtigsten Optionen zum Scannen der Dokumente fest: Hier legen Sie neben Farbeinstellungen und Auflösung auch über Auswahlfelder den Betriebsmodus des Scanners sowie die Vorlagengröße fest.

Unter Funktion: definieren Sie, ob Sie eine Vorlage lediglich scannen oder direkt zur Ausgabe an einen Drucker schicken möchten. Zudem lassen sich gesonderte Farbprofile anlegen. Mithilfe von Checkboxen stellen Sie bei Bedarf zudem für Vorlagen, die nicht ganz gerade eingescannt wurden, eine Korrektur ein.

Steht im Auswahlfeld Einstellungen: die Option auf Standard, lässt sich auch das gewünschte Ausgabeformat der Dateien festlegen, wofür JPEG, TIFF und PDF-Format zur Auswahl stehen. Bei automatischer Dateinamenvergabe für automatisierte Scans definieren Sie hier außerdem das grundsätzliche Namensmuster und geben zusätzlich den Dateipfad an, in welchem das Programm die digitalisierten Vorlagen speichert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Vuescan kommt mit einer gut strukturierten und übersichtlichen Oberfläche.

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