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Krita 3.0 wandelt sich zum 2D-Animationswerkzeug

Ausgezeichnet

Die Bildbearbeitung Krita entwickelt sich immer mehr zu einem digitalen Tuschkasten für Maler und Zeichner. Krita 3.0 ergänzt die Palette an Funktionen nun um ein Animationswerkzeug.

Krita [1] wurde ursprünglich als universelle Bildbearbeitung für Linux entwickelt und war Teil der Bürosuite Calligra [2]. Im Lauf der Zeit konzentrierten sich die Entwickler jedoch immer mehr auf die Mal- und Zeichenfunktionen der Anwendung. Krita richtet sich daher inzwischen eher an Comiczeichner und Illustratoren als an Fotografen.

Die Ende Mai veröffentlichte Ausgabe Krita 3.0 markiert nun einen weiteren wichtigen Punkt in der Geschichte der Anwendung. Sie bringt eine neue Animationsfunktion sowie ein überarbeitetes Ebenendock mit, hinzu kommen Verbesserungen am Grid-Werkzeug und der Ausrichtungsfunktion. Damit öffnet sich Krita einem weiteren Kreis an Künstlern: Trickfilmzeichnern und Game-Entwicklern.

Die Neuerungen im Überblick

Krita 3 enthält zahlreiche kleine und größere Verbesserungen. Um das Projekt schneller voranzutreiben, erfolgte auch dieses Mal die Finanzierung wieder über eine Kickstarter-Kampagne [3]. Das Team setzte sich zwei Ziele: Zum einen wollte man die Rechenzeiten beim Zeichnen reduzieren und so die Darstellung beschleunigen, zum anderen standen Werkzeuge zum Erstellen von Animationen auf dem Wunschzettel der Crowdfunding-Unterstützer. Die Entwickler erreichten beide Ziele und setzen zudem noch weitere Neuerungen um.

Krita-Kickstarter 2016

Die Kickstarter-Kampagne für 2016 [10] spülte über 38 000 US-Dollar in die Kasse des Krita-Projekts. Das Geld möchten die Entwickler in die Verbesserung der Textwerkzeuge und der Vektorzeichenfunktionen stecken. Aufgrund des hohen gespendeten Betrags möchte das Projekt auch den Import von Audio-Dateien in die Animation sowie ein Python-Skripting-Plugin umsetzen.

Nutzer der Vorgängerversionen klagten über die lahme Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Aktionen, die sich auf größere Bildbereiche auswirken. Die neue Rendering-Engine von Krita mit dem Namen Instant Preview [4] schafft zuverlässig Abhilfe. Sie funktioniert wie folgt: Das Programm zeigt im Malmodus lediglich eine Vorschau entsprechend der aktuellen Zoom-Stufe an. Erst nach Abschluss der Aktion berechnet Krita den Pinselstrich im Bild in der kompletten Auflösung. Je weiter man aus dem Bild herauszoomt, desto schneller arbeitet die Vorschau, was sich besonders bei großen Projekten positiv auswirkt. Die beschleunigte Vorschau nutzt Krita nicht nur mit dem Freihand-Pinsel, sondern auch beim Verschieben von Inhalten sowie bei Filtern und Animationen. Daher wirkt sich Instant Preview positiv auf die gesamte Anwendung aus.

Eine weitere Änderung betrifft den Ebenendialog (Abbildung 1). Hier lassen sich Ebenen mit [Strg]+[G] gruppieren beziehungsweise die Gruppen mit [Strg]+[Alt]+[G] wieder auflösen. Farbige Tags sorgen bei Projekten mit mehreren Ebenen für Übersicht und ermöglichen zudem ein Ausfiltern von Ebenen. Anders als bei der Vorversion lassen sich die meisten Aktionen nun auf Ebenengruppen oder eine Auswahl mehrerer Layer anwenden.

Abbildung 1: Im neu gestalteten Ebenen-Dialog von Krita 3.0 lassen sich Layer nun gruppieren und mit Tags organisieren.

Ebenfalls stark überarbeitet haben die Entwickler das Funktionstrio aus Gittern, Hilfslinien und Einschnappen. Das über Einstellungen | Andockbare Dialoge | Grid and Guides aufrufbare Grid-Dock ersetzt das alte Gitter-Werkzeug. Es erlaubt Hilfslinien zu erstellen, an denen die Malwerkzeuge entweder automatisch einschnappen oder die lediglich als visuelle Anker dienen.

Krita 3.0 unterstützt das Andocken an Vektorpunkten, Pfaden, an den Hüllflächen einer Freiform, an Hilfslinien oder am Gitter sowie an den Grenz- und Mittellinien eines Dokuments. Die Schnapp-Funktion zeigt besonders in Kombination mit Vektorwerkzeugen ihre Stärken. Sie bietet eine solide Basis für die im nächsten Jahr anstehenden Arbeiten an den Text- und Vektorfunktionen. Die Einstellungen speichert Krita direkt im Dokument oder der Vorlage, sodass sich Layouts wiederverwenden lassen.

Weiter kleinere Änderungen finden sich quer über das ganze Programm. Dazu gehört eine komplett neue Verlaufsumsetzung ("Gradient Mapping") sowie die Möglichkeit, Auswahlen per Tastenkombination zu treffen. Zudem wurde die Anbindung von Grafiktabletts vollständig überarbeitet, außerdem unterstützt das Programm eine breite Auswahl an Tablets. Unter der Haube portierten die Entwickler den Code von Krita 3.0 auf Qt5 sowie KDE Frameworks 5. Dieser Schritt erleichtert es den Programmierern, den Quellcode zu pflegen und neue Funktionen zu implementieren.

Die zentrale Neuerung in der ersten Ausgabe von Krita 3 findet sich jedoch in den Animationsfähigkeiten des Programms. Während andere neue Funktionen die bestehenden Zeichenwerkzeuge ausbauen, öffnet sich Krita mit den Animationswerkzeugen einem ganz neuen Kreis an Nutzern: den Zeichnern von animierten Darstellungen, wie etwa Mangas oder Comic-Clips. Obwohl Krita mit der Version 3.0 zum ersten Mal Animationen unterstützt, bietet das Programm eine Palette an Funktionen, die Enthusiasten wie auch professionelle Zeichner ansprechen.

Werkzeuge zur Animation

Das Animationswerkzeug richtet sich aktuell eher an traditionell arbeitende Zeichner, die Bild für Bild die Animation erstellen – somit muss man sich auf ein paar Einschränkungen einstellen. Tweening, also das automatische Interpolieren von Zwischenbildern zwischen zwei Schlüsselbildern ("Keyframes"), unterstützt Krita noch nicht, ebenso wenig lassen sich Audio-Dateien in die Timeline importieren. Die Funktionen stehen jedoch auf der To-do-Liste der Entwickler für die nächsten Versionen.

Die einzelnen Frames gestalten Sie unter Einsatz der bekannten Malwerkzeuge. Auch Auswahlen, Transformationswerkzeuge und Filter lassen sich anwenden. Sie können sogar mit den erweiterten Optionen wie Alpha-Inheritance [5] arbeiten, um Figuren zerstörungsfrei abzuschatten. Alternativ fügen Sie Filterebenen zum Erstellen eines ebenenbasierten Compositings ein. Vektorebenen lassen sich jedoch nicht animieren.

Zum Gestalten von Animationen bietet Krita unter Einstellungen | Andockbare Dialoge drei neue Docks: Animation, Onion Skins und Zeitleiste. Sie blenden sie über einen Klick mit der rechten Maustaste auf das Ausklappmenü unter dem Icon rechts oben im Anwendungsfenster ein (Abbildung 2). Die drei Docks reihen sich daraufhin unten in der Seitenleiste ein.

Abbildung 2: Die neuen Animationsdocks öffnen Sie am besten über den Arbeitsbereich-Manager ganz rechts oben im Anwendungsfenster.

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