Schwieriger als erwartet

Zu den insgesamt 381 veränderten Paketen [9] zählen etwa Policykit und Udisks, die bei Debian Abhängigkeiten zu Systemd aufweisen. Die vollständige Loslösung von Systemd vollzieht die aktuelle Devuan-Beta jedoch noch nicht. So benötigt etwa Udev, mit dem der Kernel Gerätedateien für die Datenein- und -ausgabe (I/O) verwaltet, weiterhin Systemd (Abbildung 1). Früher war Udev unabhängig, wurde aber während der Systemd-Entwicklung dort eingebunden.

Abbildung 1: Ganz frei von Systemd und den entsprechenden Abhängigkeiten ist Devuan bisher jedoch noch nicht.

Die Loslösung von Udev gelang den Devuanern bisher nicht, daneben kommt als weitere Komponente aus dem Systemd-Projekt die Bibliothek libsystmd0 zum Einsatz. Es gibt mehrere Ansätze, Udev in Linux zu ersetzen. Devuan favorisierte anfangs Eudev, das Gentoo entstammt. Zeitgleich entwickelt der Princeton-Student Jude Nelson mit Vdev [10] für Devuan eine neue Verwaltung für Gerätedateien, die Udev ersetzen und dabei wesentlich vereinfachen soll.

Das in 32- und 64-Bit-Versionen veröffentlichte Image Devuan "Jessie" 1.0 Beta bleibt unter 650 MByte, was auf einen reduzierten Paketbestand hinweist. Als Desktop kommt anstelle des zunächst favorisierten XFCE der Gnome-2-Epigone Maté zum Einsatz (Abbildung 2). Ergänzend zum Standard-Image, das man direkt oder per Torrent herunterladen kann, gibt es neben einer Netinstall- und einer DVD-Variante Abbilder für Vagrant, für diverse Clouds sowie für einige Single-Board-Computer [11].

Abbildung 2: Der auf den Bibliotheken von Gnome 2 aufbauende Maté-Desktop gibt ein aufgeräumtes Bild.

Bewährter Debian-Installer

Devuan bildet darüber hinaus die Zweige von Debian ab, sodass neben "Stable" auch "Testing", "Unstable" und "Experimental" zur Verfügung stehen. Da Devuan seine Release-Namen an Planeten ausrichtet, trägt Testing den Namen Ascii, während Unstable Ceres heißt, aber auch als Sid verlinkt ist. Das Projekt bietet derzeit keine Live-Abbilder an. Das Image bietet nach dem Hochfahren eine grafische Installation an, es gibt aber auch einen textbasierten Installer (Abbildung 3).

Abbildung 3: Devuan bietet derzeit keine Live-CD, es startet sofort der Installer.

Der erweiterte Modus umfasst zudem eine Experteninstallation, die die Einflussmöglichkeiten während des Einrichtens erweitert. Somit ähnelt das Prozedere sehr dem bei Debian – kein Wunder, schließlich kommt derselbe Installer zum Einsatz. Die grafische Variante führt in rund zehn Minuten bis zum Neustart in die Installation.

Mit Maté trafen die Entwickler eine gute Wahl: Der Desktop arbeitet flott, lässt sich leicht bedienen und wirkt dezent. Die Menüs am oberen Displayrand erklären sich von selbst, und das System listet nur relativ wenige Pakete auf – man startet also nicht mit einer überladenen Installation. Dem Anwender steht es frei, das System gezielt nach eigenem Gusto zu erweitern. Die wichtigsten Anwendungen bringt Devuan jedoch gleich mit: Als Browser kommt Firefox zum Einsatz, LibreOffice übernimmt das Büro. Wicd baut Netzwerkverbindungen auf, Gimp steht für grafische Aufgaben bereit.

Um Musik zu hören oder ein Video anzuschauen, muss man notgedrungen eine Anwendung installieren – die Multimedia-Rubrik im Devuan-Anwendungsmenü bleibt bis auf einen Lautstärkeregler leer. Das war's auch schon, wenn man von den Maté-Anwendungen wie dem Dateimanager Caja und einigen Einstellungsdialogen absieht. Ziehen Sie den umgekehrten Weg vor und specken lieber ein "fettes" System ab, dann sollten Sie auf die 4,7 GByte fassende DVD-Ausgabe setzen: Sie bietet eine umfangreiche Auswahl an Software aus allen Bereichen.

Wer Debian kennt, findet sich ohne Problem auch im Devuan-System zurecht. Haben Sie bereits mit Debian "Jessie" oder "Testing" und "Unstable" gearbeitet, müssen Sie sich an einigen Stellen wieder auf die Zeit vor Systemd zurückbesinnen: An die Stelle des Journals rückt wieder Rsyslog, der Befehl dmesg ersetzt wieder systemctl. Ansonsten bemerkt man keinen Unterschied zu Debian "Stable". Wir stellten im Test Devuan auch auf "Unstable" als Quelle um, die Migration verlief problemlos.

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