Eblocker – Fazit

Auch der Eblocker eignet sich eher für wenig IT-affine Anwender, die keine Browser-Plugins, keinen Tor-Browser und kein VPN installieren wollen. Die Funktion zur Geräteverschleierung sticht aus dem Testfeld hervor, genügt als alleiniges Kaufargument jedoch nicht. Nutzer mit komplexeren Netzwerken müssen den Eblocker auf jeden Fall selbst konfigurieren, sofern sie komplexere Netzwerkanwendungen nutzen: Das eigentlich nutzerfreundliche Zero-Installation-Konzept greift bei erfahrenen Anwendern zu tief in die Netzwerkkonfiguration ein.

Trutzbox

Die Trutzbox [14] von Comido bietet im Vergleich zu den Wettbewerbern deutlich mehr Funktionen und setzt auch auf solidere Hardware. Sie entspricht eher einem Heimserver mit Privatsphäre-Funktionen als einer reinen Privacy-Box, was auch einen höheren Preis bedingt. Im Gespräch sagte Comido-Geschäftsführer Herrmann Sauer: "Wir wollen ein Mehr an Privatsphäre so einfach wie möglich machen." Dazu wolle man mit der Trutzbox ein möglichst vollständiges Paket für anonyme Kommunikation anbieten.

Auf dem Gerät läuft eine gehärtete Version von Debian 8 "Jessie". Diverse Dienste wie VPN, Tor-Zugang und Mailserver hat der Anbieter bereits vorkonfiguriert; weitere Software wie etwa Owncloud [15] lässt sich in Form von DEB-Paketen nachträglich einspielen. Per Software-Update soll in den kommenden Wochen außerdem ein WebRTC-Dienst für Audio- und Videotelefonie kommen. Auf diesem Weg lässt sich ohne weitere Software mit Freunden und Bekannten über den Browser kommunizieren, und das über den eigenen Server. Im Gespräch mit Trutzbox-Geschäftsführer Sauer konnten wir diesen Dienst bereits testen, die Übertragung des Bildschirminhalts funktionierte dort ohne Probleme.

Technisch basiert die Trutzbox auf einer mit 1 GHz getakteten T40E-Zweikern-CPU aus AMDs G-Serie, wie man sie auch in anspruchsvollen NAS-Systemen findet. Der CPU zur Seite stehen 2 GByte RAM und 16 GByte Speicher in Form einer Micro-SD-Karte. Das Gerät bietet aber auch einen mSATA-Anschluss für SSDs, zudem lassen sich WLAN-Module per Mini-PCI anbinden. Der schweizer Hersteller PC Engines vermarktet die Hardware auch unter dem Namen APU1D [16]. Das Gerät steckt in einem blauen Metallgehäuse, das sich deutlich hochwertiger anfühlt als die anderen Testgeräte (Abbildung 5). Alternativ gibt es die Trutzbox auch in Rot oder Schwarz.

Abbildung 5: Die Trutzbox basiert auf einem speziellen Routerboard, braucht aber dennoch einen USB-WLAN-Stick.

Auch die Netzwerkschnittstellen arbeiten deutlich schneller als bei den RasPi-basierenden Geräten: An der Rückseite befinden sich drei RJ45-Ports mit jeweils 1 Gbit/s Durchsatz. Einer davon dient zum Anschluss an den Router, zwei stehen als Ausgang zum kabelgebundenen Netz zur Verfügung. Das Gehäuse bietet zwei USB-Anschlüsse, einen davon blockiert jedoch der WLAN-Stick. Zu guter Letzt gibt es eine serielle Schnittstelle, über die sich das Gerät direkt ansprechen ließe.

Statt den internen Mini-PCI-Anschluss zu nutzen, der vermutlich durch das Gehäuse abgeschirmt würde, liegt dem Gerät ein WLAN-USB-Stick bei, über den die Box ein eigenes drahtloses Netz aufspannt. Hier handelt es sich offensichtlich um eine Notlösung: Einerseits passt der Stick nicht direkt ans Gehäuse, sondern findet nur über ein USB-Verlängerungskabel Anschluss. Andererseits bietet er maximal 802.11n-Geschwindigkeit und gerät damit zum Flaschenhals, möchte man die NAS-Funktionen des Geräts nutzen. Für Nutzer mit einem bestehenden schnellen WLAN-Netzwerk dürfte es daher sinnvoller sein, das Gerät per Kabel mit dem Router zu verbinden und dann als Proxy im Browser einzutragen.

Die Trutzbox selbst kostet 239 Euro. Zusätzlich müssen Sie für 60 Euro ein Update- und Service-Paket erwerben, das es jährlich kostenpflichtig zu verlängern gilt. Nach Ablauf der Support-Periode lassen sich zwar die einzelnen Funktionen noch mit Trutzbox-Bordmitteln aktualisieren, der in die Weboberfläche integrierte Updater funktioniert dann aber nicht mehr.

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