Upribox – Fazit

Besitzen Sie bereits einen Raspberry Pi und einen kompatiblen WLAN-Adapter, können Sie die Upribox mit einfachen Mitteln selbst nachbauen und ausprobieren. Der Haupteinsatzzweck des Geräts dürfte, wie vom Projektverantwortlichen beschrieben, bei Smartphones liegen. Aber auch IT-affine Nutzer, die ihrer Familie einen einfachen Weg zur trackerfreien Nutzung des Webs ermöglichen wollen, können auf die Upribox setzen, sollten aber die geringe Geschwindigkeit beachten.

Eblocker

Auch das zweite Testgerät, der Eblocker [8], basiert auf einem Minirechner, in diesem Fall dem Banana Pi [9]. Der dem Raspberry Pi sehr ähnlichen Single-Board-Computer setzt auf eine Allwinner-CPU mit Gigabit-Ethernet und SATA-Port. Für den Test kam ein Prototyp zum Einsatz (Abbildung 3)

Abbildung 3: Der Prototyp des Eblocker auf Basis eines Banana Pi in einem transparenten Gehäuse.

Das Unternehmen Eblocker GmbH hat die Produktion der Box in einer Crowdfunding-Kampagne [10] finanziert. Geschäftsführer Christian Bennefeld kommt selbst aus dem Tracker-Geschäft: Er zählt zu den Gründern des Unternehmens Etracker [11], das nach eigenen Angaben einen datenschutzfreundlichen Tracker herstellt. Dort hält er nach wie vor 30 Prozent der Anteile, wie er im Gespräch erzählt. Daher sei er auch auf dem Laufenden, was in der Tracker-Industrie vor sich gehe.

Der Eblocker verspricht eine trackingfreie Nutzung des Internets sowie Schutz vor dynamischen Preisen auf Webseiten und verhaltensabhängiger Werbung. Zudem soll er das Erstellen von Nutzerprofilen verhindern. Die Installation des Geräts verläuft unproblematisch. Der Eblocker baut kein eigenes WLAN auf, sondern nistet sich direkt im Netzwerk ein: Stromstecker und Netzwerkkabel rein, loslegen. Das gelingt in der Praxis jedem, führte im Test aber auch zu Problemen – dazu später mehr.

Alle Funktionen des Geräts lassen sich über eine Weboberfläche bedienen. Außerdem blendet der Eblocker nach der Aktivierung auf allen Webseiten eine Javascript-Toolbar ein, die anzeigt, wie viele Tracker auf einer Seite blockiert wurden, und bietet direkt im Browser weitere Konfigurationsmöglichkeiten. Dabei bekommt jeder Eblocker sein eigenes lokal erstelltes Zertifikat, was Angriffe wie gegen Rechner von Lenovo [12] oder Dell [13] im vergangenen Jahr verhindert. Außerdem gibt es eine Liste von Domains, bei denen der Eblocker die Verbindung nicht filtert und die Verschlüsselung somit auch gegenüber dem Eblocker bestehen bleibt. In der bestehenden Konfiguration klammert das System vor allem Onlinebanking-Seiten aus, es lassen sich jedoch auch weitere Webseiten hinzufügen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Per Whitelist nehmen Sie beim Eblocker verschlüsselte Webseiten von Eingriffen aus.

Die Anonymisierung erscheint unglücklich gelöst: Die Beschreibung suggeriert dem Anwender, dass das Gerät direkt nach dem Einstecken die IP-Adresse verschleiert, doch tatsächlich muss man die Funktion erst über die Toolbar aktivieren. Die Surfgeschwindigkeit variiert je nach aktivem Exit-Node, denn die Verbindung läuft über das Tor-Netzwerk. Grundsätzlich leitet der Eblocker nur Netzwerkanfragen auf Port 80 über Tor. Wer seine Mails über IMAP abfragt, verschleiert seinen Standort daher nicht. Später soll auch die Integration bestehender VPN-Netzwerke möglich sein, wie Geschäftsführer Christian Bennefeld im Gespräch sagte. Dann wäre eine höhere Geschwindigkeit möglich, aber es fallen für ein leistungsfähiges VPN auch weitere Kosten an.

Als weitere Funktion beinhaltet der Eblocker die Möglichkeit, einer Webseite ein anderes Gerät als das eigentlich verwendete vorzutäuschen. Nutzer mit einem iPad erscheinen für den Server dann so, als ob sie die Seite von einem Windows-Rechner aus aufrufen. Das könnte helfen, wenn Webseiten ihre Preise für Apple-Nutzer nach oben korrigieren oder eher die teurere Alternative als Standard vorschlagen, wie es bereits in verschiedenen Fällen berichtet wurde. IT-affine Nutzer könnten den User-Agent des Browsers jedoch auch selbst oder mittels Plugins ändern.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Getunnelt
    Tor gilt trotz intensiver Bemühungen diverser staatlicher Organe als sichere Option für Anonymität im Netz. Doch die Datenraten im Tor-Netz schwanken, sodass viele Nutzer auf einen VPN-Zugang zurückgreifen. Die AnonyMeBox v3 möchte beide Welten bedienen.
  • Besseres Truecrypt-Handling

    Ubuntu Privacy Remix (UPR), ein Live-Linux mit besonderem Augenmerk auf Datenschutz, ist in Version 10.04r2 verfügbar.
  • DSL "all-in-one"
    DSL-Router werden von Generation zu Generation mächtiger und bieten heute weit mehr als den reinen Internetzugang – mit dem "1&1 Homeserver", einer Fritz!Box Fon WLAN 7270 von AVM, haben wir einen aktuellen Vertreter getestet.
  • KDE-Applet unterstützt Flugzeug-Modus für WLAN und Bluetooth
    Beim Start- und Landevorgang müssen bekanntlich sämtliche elektronischen Geräte ausgeschaltet sein. Doch während eines längeren Flugs lässt sich problemlos mit einem Notebook arbeiten -- sofern WLAN, Bluetooth und 3G-Geräte ausgeschaltet sind.
  • G-Schwindigkeit
    Im letzten WLAN-Test des LinuxUser funktionierten nur drei von sieben USB-Sticks mit Linux. Seither hat sich in der Treiberlandschaft einiges geändert – zu Gunsten von Open Source.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...