Trutzbox – Fazit

Die Trutzbox überzeugt durch leistungsfähige Hardware und eine umfangreiche Dokumentation, andererseits liegt der Preis mit 299 Euro auch höher als bei den anderen Geräten. Nach Ablauf des ersten Jahres kosten die Trutz-Services 5 Euro im Monat. Wer alle Funktionen der Trutzbox tatsächlich nutzt, für den könnte sich eine Anschaffung lohnen, sie erfordert jedoch Geduld: Der Webshop gibt aktuell eine Lieferzeit von drei bis vier Wochen an.

Im Gespräch erklärte Comidio-Geschäftsführer Sauer, dass es in Zukunft möglicherweise auch eine Bastelversion der Trutzbox geben könnte. Man könnte dann als Basis einen eigenen Raspberry Pi oder Banana Pi nutzen und müsste nur das Dienstleistungspaket erwerben. Damit verbunden wären allerdings Abstriche bei der Leistung: Mehrere parallele Videokonferenzen etwa dürften einen Bastelrechner überfordern. Möchten Sie aber nur die Anonymisierungsfunktionen nutzen, könnte die Eigenbauvariante eine interessante Lösung darstellen.

Relaxbox

Die Relaxbox [19] stammt von einem kleinen Berliner Startup, die erste Charge wurde über Crowdfunding finanziert [20]. Das System soll die Privatsphäre der Nutzer verbessern und außerdem vor Viren schützen. Im Rahmen des Tests kam ein Vorabmodell zum Einsatz, das bereits in der Redaktion vorhanden war. Die Auslieferung der Serienmodelle erfolgt seit April 2016.

Das Gerät (Abbildung 7) basiert auf der Hap-Lite-Plattform [21] und dem damit ausgelieferten Router-OS der Firma Mikrotik [22], einem Linux-Derivat. Die Qualcomm-CPU taktet mit 650 MHz und bietet nur einen Kern. Der Arbeitsspeicher ist mit 32 MByte eher dürftig bemessen, Ähnliches gilt für das integrierte 802.11n-WLAN. Zum Software-Umfang zählen ein auf OpenVPN basierender eigener VPN-Dienst, der Virenscanner Clam AV sowie Googles Safe-Surf-API. So soll die Box Nutzer nicht nur vor der Identifizierung durch Webseitenbetreiber schützen, sondern auch vor Viren und Trojanern.

Abbildung 7: Die Relaxbox baut auf das Router-OS von Mikrotik und beinhaltet einen integrierten WLAN-Adapter.

Systembedingt funktioniert der Virenschutz nur eingeschränkt. Einerseits steht er nur auf Port 80 bereit, also beim normalen Websurfen, andererseits kann die Box mangels SSL-Zertifikat nicht in verschlüsselte Verbindungen hineinsehen. Darauf weist das System auch an verschiedenen Stellen hin. Unerfahrene Nutzer könnten sich trotzdem in falscher Sicherheit wähnen. Im Gespräch begründet der Pressesprecher des Herstellers, Maximilian Pohl, diese Einschränkung als bewusste Design-Entscheidung: "Wir wollen verschlüsselte Verbindungen gar nicht aufmachen können."

Auch die Integration von Googles Safe-Browsing-API bietet nur wenig zusätzlichen Schutz. Zudem gibt es Probleme bei der Privatsphäre: Einerseits bringen moderne Webbrowser die API bereits mit, andererseits überträgt eine frühe API-Version die aufgerufenen URLs im Klartext an Google. Erst mit der Version 3 überträgt das System nur einen Hashcode der angefragten URLs.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Getunnelt
    Tor gilt trotz intensiver Bemühungen diverser staatlicher Organe als sichere Option für Anonymität im Netz. Doch die Datenraten im Tor-Netz schwanken, sodass viele Nutzer auf einen VPN-Zugang zurückgreifen. Die AnonyMeBox v3 möchte beide Welten bedienen.
  • Besseres Truecrypt-Handling

    Ubuntu Privacy Remix (UPR), ein Live-Linux mit besonderem Augenmerk auf Datenschutz, ist in Version 10.04r2 verfügbar.
  • DSL "all-in-one"
    DSL-Router werden von Generation zu Generation mächtiger und bieten heute weit mehr als den reinen Internetzugang – mit dem "1&1 Homeserver", einer Fritz!Box Fon WLAN 7270 von AVM, haben wir einen aktuellen Vertreter getestet.
  • KDE-Applet unterstützt Flugzeug-Modus für WLAN und Bluetooth
    Beim Start- und Landevorgang müssen bekanntlich sämtliche elektronischen Geräte ausgeschaltet sein. Doch während eines längeren Flugs lässt sich problemlos mit einem Notebook arbeiten -- sofern WLAN, Bluetooth und 3G-Geräte ausgeschaltet sind.
  • G-Schwindigkeit
    Im letzten WLAN-Test des LinuxUser funktionierten nur drei von sieben USB-Sticks mit Linux. Seither hat sich in der Treiberlandschaft einiges geändert – zu Gunsten von Open Source.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2018: FLINKE BROWSER

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Linux Mint als Zweitsystem
Wolfgang Robert Luhn, 13.01.2018 19:28, 3 Antworten
Wer kann mir helfen??? Habe einen neuen Laptop mit vorinstaliertem Windows 10 gekauft. Möchte g...
externe soundkarte Kaufempfehlung
lara grafstr , 13.01.2018 10:20, 3 Antworten
Hallo Ich bin auf Suche nach einer externen soundkarte.. Max 150 Euro Die Wiedergabe is...
Prozessor-Sicherheitslücke Meltdown und Spectre
Wimpy *, 06.01.2018 10:45, 2 Antworten
Ich habe heute ein Sicherheitsupdate "ucode-intel" für openSuse 42.3 erhalten. Ist damit das Prob...
LENOVO ideapad320 Touchpad Linux Mint 18
Peter Deppen, 23.12.2017 16:49, 3 Antworten
Hallo, bin Linux Anfänger und habe das Problem, dass das Touchpad auf dem LENOVO ideapad320 mit L...
PClinuxOS
Günter Beckmann, 20.12.2017 09:51, 1 Antworten
Hi, LUC, hat jemand von Euch Erfahrung mit dem in Heft 12/2017 vorgestelletn PClinuxOS? Ich...