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© Maksim Kabakou, 123RF

Vier Privacy-Boxen mit einfacher Konfiguration im Test

Trügerische Privatheit

Der Wunsch nach Privatsphäre ist bei vielen Nutzern groß, Privacy-Boxen sollen dabei helfen. Im Test müssen sich vier aktuelle Modelle beweisen. Am Ende kann allerdings nur ein Gerät überzeugen.

In den vergangenen Jahren brachten immer mehr Hersteller kleine Boxen auf den Markt, die einfach Privatsphäre oder mehr Sicherheit auf dem Weg ins Internet versprachen. Darunter gab es Crowdfunding-Katastrophen, betrügerische Anbieter und viele Missverständnisse. Grund genug, einen ausführlichen Blick auf aktuelle Geräte zu werfen. Als Kandidaten treten an die Upribox, der Eblocker, die Trutzbox und die Relaxbox (Abbildung 1).

Alle Geräte versprechen mehr Privatsphäre, mit unterschiedlichen Methoden. Alle beinhalten Technologien zum Ausfiltern von Werbung und Tracker-Netzwerken, zudem bauen manche noch einen einfachen VPN-Tunnel auf. Zwei der Geräte werben zudem mit einem Schutz vor Viren und Trojanern. Das weckt Skepsis, denn ein solches Versprechen könnte Nutzer dazu bringen, leichtsinnig unsichere Webseiten anzuklicken, weil die verwendete Box ja einen Virenschutz bietet. Alle Geräte mit Virenschutz setzen auf Clam AV, der in der Vergangenheit häufiger aufgrund niedriger Erkennungsraten in der Kritik stand. Hinzu kommt, dass sich über den Sinn und Unsinn von Virenscannern sowieso trefflich streiten lässt.

Abbildung 1: Das Testfeld aus Trutzbox, Relaxbox, Upribox und Eblocker (von links nach rechts) im Überblick.

Upribox

Als Erstes muss sich die Upribox beweisen – das Kürzel steht für "Usable Privacy Box" [1]. Der kleine weiße Kasten basiert auf einem Raspberry Pi 2 in einem 3D-gedruckten Gehäuse (Abbildung 2). Zudem enthält das Paket einen WLAN-Stick von TP-Link. Die Upribox verfügt über zwei Modi: Im Silent-Mode blockt sie Werbetracker und aufdringliche Werbung, im Ninja-Mode leitet sie sämtliche Verbindung über das Tor-Netzwerk. Wer auch unterwegs die Funktionen der Upribox nutzen möchte, kann sich per VPN von außen mit der Box verbinden.

Abbildung 2: Die Upribox basiert auf einem Raspberry Pi mit einem konventionellen USB-WLAN-Stick.

Für das Projekt verantwortlich zeichnet Markus Huber in Kooperation mit der Fachhochschule St. Pölten [2]. Im Jahr 2014 wurde die Entwicklung der Upribox mit 50 000 Euro Fördergeld aus dem Netidee-Projekt unterstützt [3]. Der gesamte Quellcode des Projekts liegt bei Github [4]. Mit dem mitgelieferten USB-Stick spannt die Box zwei WLANs auf, eines für den Silent-Mode, ein weiteres für den Ninja-Mode. Der verwendete Stick unterstützt 802.11ac noch nicht, was die Geschwindigkeit limitiert. Sie können das Gerät aber auch per Kabel in Ihr Netzwerk einbinden und dann die IP-Adresse der Upribox als Proxy in den Browser eintragen.

Im Test erwies sich jedoch ein ganz anderer Faktor als praktisches Limit: An einem Internetzugang mit bis zu 100 Mbit/s erreichten wir im Silent-Mode Geschwindigkeiten von lediglich 3 bis 5 Mbit/s – selbst für normales Surfen heutzutage etwas langsam, an das Herunterladen größerer ISO-Images will man gar nicht denken.

Doch wie viel mehr Privatsphäre bietet das Gerät, verglichen mit einem Browserplugin wie Privacy Badger [5]? "Eigentlich genauso viel", sagt Projektleiter Huber im Gespräch. "Mit der Upribox wollen wir vor allem Smartphone-Nutzer besser schützen. Auf dem Desktop haben Nutzer bereits viele Optionen, aber bei Smartphones ist die Situation noch schwierig."

Technisch setzt die Upribox auf eine Manipulation der DNS-Anfragen. Bekannte Werbetracker filtert sie anhand verschiedener Blacklists aus dem Datenstrom. Einzelne Seiten über eine Whitelist komplett von der Filterung auszuklammern, gelingt aktuell nicht. Im Test führte der Einsatz der Upribox im Silent-Modus zu einem harten Logout aus allen verwendeten Konten und zu jeder Menge Captchas in den darauffolgenden Tagen.

Keine volle Anonymisierung

Eine Anonymisierung der IP-Adresse bietet die Upribox im Silent-Mode nicht. Allerdings bietet eine reine Verschleierung der IP-Adresse ohnehin keine umfassende Anonymisierung. Sie verbirgt zwar den eigenen (Netzwerk-)Standort vor einem Webseitenbetreiber, doch Fingerprinting und das Sammeln personenbezogener Daten gelingt trotzdem, besonders, wenn Nutzer sich auf einer Webseite anmelden. Außerdem gibt es Forschungsarbeiten, die aufzeigen, ob ein Nutzer sich in der Nähe der vorgegebenen IP-Adresse aufhält [6] oder nicht. Auch Netflix blockiert Nutzer von VPN-Diensten immer häufiger [7].

Eine Verbindung über Tor herzustellen, gelang im Test nicht immer. Obwohl in der Konfigurationsoberfläche des Geräts der Ninja-Modus aktiviert und das Testgerät im entsprechenden Netz eingeloggt war, bekamen wir zu mehreren Testzeitpunkten keine Verbindung ins Internet. Fehlermeldungen gab es keine. Ab und an funktionierte die Verbindung, war dann aber sehr langsam. Für die meisten Anwendungsszenarien erscheint aber ohnehin das gezielte Nutzen des Tor-Browsers sinnvoller. Auch Live-Systeme wie Tails leiten bei Bedarf den gesamten Datenverkehr zeitweise über Tor.

Zu kaufen gibt es die Upribox noch nicht: Den Code gibt es jedoch bei Github, dazu benötigen Sie nur einen RasPi sowie einen kompatiblen WLAN-Stick. Das Gerät soll es aber langfristig auch zu kaufen geben, Interessenten können sich in eine Warteliste eintragen. Das 3D-gedruckte Gehäuse soll deutlich stabiler gebaut sein und den WLAN-Stick im Gehäuse integrieren. Das ließe sich aber auch mit einem RasPi 3 problemlos realisieren, der bereits einen WLAN-Chip enthält.

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