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© Scanrail, 123RF

OSM-Karten mit zusätzlichen Informationen anreichern

Plätzchen

Mit Maperitive erstellen Sie aus OpenStreetMap-Daten hochwertige Karten mit zusätzlichen Informationen.

Dass die OpenStreetMap-Daten heute für viele Gebiete eine hohe Qualität erreichen, hat sich inzwischen weit herumgesprochen. Selbst etablierte Navi-Hersteller setzen heute auf diese Datenquelle – zumindest bei Outdoor-Geräten, wo es auf feinste Details ankommt. Da liegt der Wunsch nahe, die vom OSM-Projekt bereitgestellten Daten auch für eigene Karten zu nutzen. Nur gedrucktes Kartenmaterial bietet die Möglichkeit, bei hoher Auflösung – also mit vielen Details – noch ausreichend große Areale zu zeigen, um etwa eine Tour zu planen.

Als weiterer Vorteil ließe sich anführen, dass Sie die OpenStreetMap-Daten selbst modifizieren dürfen. Benötigen Sie etwa eine bestimmte Fahrradroute oder die dort gelegenen Rastplätze auf den Karten, haben Sie zwei Optionen. Zum einen besteht die Möglichkeit, die benötigten Informationen direkt in das Projekt einzupflegen, etwa mit dem Online-Editor oder mit Programmen wie Merkaartor [1], Josm oder anderen. Zum anderen bieten Tools wie Maperitive [2] die Möglichkeit, Karten in hoher Auflösung und quasi beliebiger Qualität als Bilddateien zu erzeugen, die Sie anschließend mit den gängigen Werkzeugen wie Gimp oder Inkscape (der ersten Wahl für Vektorgrafiken) bearbeiten.

Die erste Methode – also das Bearbeiten der OpenStreetMap-Daten bearbeiten – sollten Sie nach Möglichkeit der zweiten vorziehen, da sie dem gesamten Projekt zugute kommt. Die zweite Methode eignet sich allerdings für sehr spezielle Aufgaben besser und führt schneller zum Erfolg, da Sie nicht erst auf das Update der Daten auf dem Server zu warten brauchen. Andererseits müssen Sie die eigenen Änderungen bei jedem erneuten Laden der Datenbasis wieder einpflegen.

In vielen Veröffentlichungen finden sich bis heute OSM-Karten als Screenshots, was nur bei E-Books überhaupt sinnvoll ist. Für gedruckte Publikationen bleibt die Auflösung (typischerweise unter 100 dpi) der im Browser bereitgestellten Bilder viel zu gering, um gut lesbare Ergebnisse zu erzeugen. Der klassische Weg, Bilder in besserer Qualität zu erzeugen, führt über einen eigenen Mapnik-Server, was erheblichen Aufwand in Bezug auf Installation und Betrieb verursacht.

An dieser Stelle setzen Tools wie Maperitive an: Sie erzeugen aus OSM-Daten direkt Bitmap- oder SVG-Karten ("Tiles"), wobei Sie eine weitgehende Kontrolle über den Inhalt haben. Maperitive ist als echter Spezialist für die vorgesehene Aufgabe sehr gut gerüstet.

Geodaten

Das Programm liest Geodaten ein, interpretiert sie und berechnet daraus die Karten. Sie gestalten die aus verschiedenen Quellen [3] geladenen Daten mittels Styles und speichern das Ergebnis in unterschiedlichen Formaten ab. Es gibt eine Reihe vordefinierter Stile für die grundlegenden Typen von Karten, die direkt nach der Installation bereitstehen. Bei Bedarf passen Sie diese den eigenen Wünschen entsprechend an und erzeugen so individualisierte Karten.

Als in Mono geschriebene Anwendung lässt sich Maperitive plattformübergreifend einsetzen, muss aber normalerweise manuell installiert werden (siehe Kasten "Installation"). Für die Arbeit mit großen Karten benötigt das Programm einiges an Ressourcen, insbesondere Rechenzeit und Arbeitsspeicher.

Installation

Maperitive findet sich nicht in den Repositories der gängigen Distributionen. Trotz der Abhängigkeit von Mono gelingt die Installation aber recht einfach: Zunächst installieren Sie das Framework Mono – der Name des entsprechenden Pakets variiert zwischen den Distributionen. Außerdem benötigt Maperitive libgdiplus in einer Version ab 3.8 sowie Python. Unter Ubuntu ziehen Sie bei Bedarf die Pakete libmono-winforms2.0-cil und mono-devel nach. Entpacken Sie dann das Zip-Archiv mit der aktuellen Maperitive-Version, am besten unter /opt/. Starten Sie Maperitive nun mit dem Skript Maperitive.sh. Verschieben Sie das Skript nach /usr/local/bin/, müssen Sie darin den Pfad zu Maperitive.exe anpassen.

Start

Nach dem Start zeigt Maperitive eine einfach gehaltene Oberfläche (Abbildung 1). Das Menü oben im Fenster stellt grundlegende Funktionen bereit, der Bildausschnitt bietet eine Vorschau auf die Karte. Der Commander links unten erlaubt das Eingeben spezieller Befehle, die Map Sources rechts daneben bieten eine Übersicht über die Datenquelle und erlauben deren Auswahl. Die Statuszeile am unteren Fensterrand zeigt unter anderem den aktuellen Zoom level sowie den momentanen Speicherverbrauch an.

Abbildung 1: Maperitive startet mit einer klassischen OSM-(Web-)Karte.

Die Funktionen oder Befehle von Maperitive finden sich nur zu einem kleinen Teil im Menü wieder. Vollständigen Zugriff auf alle Funktionen bietet nur der Commander, eine Shell-ähnliche Schnittstelle. Dort stellen Sie alle Details der Funktionen über die Argumente und Parameter der Befehle ein.

Im Bildfenster bewegen Sie den angezeigten Ausschnitt mit der Maus. Dazu müssen Sie meist den Bereich erst anklicken, da in der Regel der Commander aktiv ist. Im aktivierten Bildfenster verändern Sie den Ausschnitt (Zoom level) über das Mausrad. Halten Sie die Umschalttaste gedrückt, können Sie Bereiche der Vorschau auszuwählen und bildfüllend zoomen.

Beim Start zeigt das Programm voreingestellt die OSM-Karte aus dem Web, in den Quellen als Web map (OSM Mapnik) gekennzeichnet. Diese verwendet von einem Mapnik-Server bereitgestellte, vorgefertigte Bitmap-Kacheln, deren Aussehen Sie mit Maperitive nicht ändern können. Da Sie die Software normalerweise zum Erstellen eigener Karten oder den Test eigener Regeln verwenden, sollten Sie diese Quelle deaktivieren oder ganz entfernen. Das erledigen Sie über die Schaltfläche mit dem Kreuzchen oberhalb des Fensters.

Die Interaktion mit dem Programm erfolgt hauptsächlich über das Commander-Fenster. Es besteht aus einem Bereich für die Ausgabe (oben) und einer Eingabezeile (Commander prompt). Der Bereich für die Ausgabe dient als Log-Fenster und zeigt die Antworten auf die ausgeführten Kommandos. In der Prompt-Zeile geben Sie Befehle samt Argumenten ein und führen diese aus (siehe Tabelle "Wichtige Befehle"). Die Befehlszeile verfügt über eine History und eine automatische Komplettierung, was die Arbeit komfortabel gestaltet.

Wichtige Befehle

Befehl Funktion
add-web-map Web-Darstellung hinzufügen
apply-ruleset Regelsatz anwenden
change-dir Arbeitsverzeichnis wechseln
clear-map Kartenquellen entfernen
clear-results Resultate einer Suche löschen
download-osm OSM-Daten für die aktuelle Bounding-Box einlesen (Standardmethode XAPI)
download-osm-overpass OSM-Daten für die aktuelle Bounding-Box vom Overpass-Server einlesen
edit-rules Regelsatz im Editor öffnen
export-bitmap Karte als Bitmap-Grafik exportieren
export-svg Karte als SVG-Grafik exportieren
export-osm Karte als OSM-Datei (XML)
help Hilfe anzeigen
list-settings Einstellungen anzeigen
list-sources Quellen anzeigen
load-source OSM-, GPX- oder Bitmap-Grafik laden
reload-ruleset aktuelle Regeln erneut anwenden
run-script Skript Maperitive-Skript ausführen
save-map-script Befehle als Skript speichern
set-home Anzeige merken
set-setting Einstellungen setzen
use-ruleset Satz an Regeln laden
use-script-dir Skriptverzeichnis wechseln
zoom-map-scale Karte entsprechend des Maßstabs skalieren

Die Befehlszeile arbeitet direkt mit dem sogenannten Assistenten (Abbildung 2) zusammen. Sie aktivieren ihn im Menü Window als Assistent oder durch [F1]. Er dient zum einen als Online-Hilfe, da er die Befehle und deren Argumente erklärt. Andererseits fügt ein Doppelklick einen Befehl beziehungsweise dessen Argumente in die Befehlszeile ein.

Abbildung 2: Der Assistent hat zwei Funktionen: Er erläutert Befehle und erlaubt es, diese mit einem Doppelklick in die Befehlszeile zu übernehmen. Nicht alle Argumente für die Befehle müssen Sie zwingend angeben.

Um die geladenen Daten schnell anzusehen, verfügt das Programm über einige vorgefertigte Regelsätze. Diese Styles finden Sie im Menü Map unter Switch to rules. Nach dem Aufruf dieser Funktion berechnet die Software eine neue Ansicht der Karte, was einige Zeit in Anspruch nimmt.

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