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© Otnaydur, 123RF

Alternativer Webbrowser Vivaldi im Test

Mehrwert

Mit Vivaldi stellt der ehemalige Opera-Chefentwickler Jon Stephenson von Tetzchner einen Webbrowser vor, der – dem landläufigen Trend zur Vereinfachung entgegen – dank seines Funktionsreichtums die Herzen aller Power-User höher schlagen lässt.

Seit Jahren versuchen die großen Softwareschmieden wie Google, Mozilla oder Microsoft den Funktionsumfang ihrer Webbrowser aufs Wesentlichste zu beschränken, damit auch weniger versierte Nutzer mit der Bedienung zurechtkommen. So ehrenwert das Ziel erscheinen mag: Power-User ärgern sich darüber, dass dabei immer mehr sinnvolle Funktionen unter den Tisch fallen.

Jon Stephenson von Tetzchner, der Mitbegründer und ehemalige technische Leiter von Opera, gründete 2013 die Firma Vivaldi Technologies [1] mit dem Ziel, Webbrowser für technisch versierte Anwender zu entwickeln. Als technischer Unterbau kommt dabei die grundsolide und pfeilschnelle Engine Blink zum Einsatz, die auch in Chrome/Chromium seit Jahren ihren Dienst verrichtet.

Ähnlich wie Mozilla finanziert sich Vivaldi Technologies durch von Firmen gesponserte Lesezeichen und voreingestellte Suchmaschinen, die sich aber problemlos entfernen beziehungsweise ändern lassen. Dank seiner Nähe zu Chromium gestattet es der Vivaldi-Browser auch, Addons aus dem Chrome-Webstore [2] zu installieren. So müssen Sie auch nicht auf Adblocker wie Ghostery verzichten.

Erster Start

Infos zur Installation finden Sie im Kasten "Vivaldi installieren". Nach dem ersten Start öffnet sich zunächst ein Abfragedialog, in dem Sie Farbgestaltung, die Platzierung der Tab-Leiste und den Hintergrund der Startseite festlegen.

Diese Schnellwahl genannte Seite zeigt in der Grundeinstellung diverse vorgegebene Lesezeichen als klickbare Thumbnails an, die Sie aber nach Belieben verändern dürfen. Dazu genügt es, mit dem Mauszeiger einen Moment auf dem gewünschten Eintrag zu verweilen, bis darin oben rechts ein Löschsymbol erscheint. Schon hier zeigt sich, dass Vivaldi mit Chromium tatsächlich nur den Unterbau teilt. Optisch dagegen erinnert der Browser eher an neuere Versionen von Opera.

Das in der Grundeinstellung versteckte Menü erreichen Sie entweder über [Alt] oder einen Mausklick auf das Browser-Logo oben links im Fenster (Abbildung 1). Zu den Einstellungen gelangen Sie mit einem Klick auf das Zahnrad-Symbol links in der Paneele genannten Leiste. Diese verbergen Sie auf Wunsch, indem Sie auf den stilisierten Schalter am unteren Rand der Leiste klicken.

Abbildung 1: In der Grundeinstellung lädt Vivaldi beim Start das Schnellwahlfenster mit ausgewählten Bookmarks als Thumbnails. Das Menü erreichen Sie über einen Mausklick auf das Browser-Logo (1), die Einstellungen über das Zahnrad-Symbol (2), der stilisierte Schalter (3) blendet die Paneele genannte Leiste aus.

Zum Import persönlicher Informationen aus anderen Browsern, wie Bookmarks oder Login-Daten, stellt Vivaldi über Datei | Lesezeichen und Einstellungen importieren... eine entsprechende Funktion bereit. Sie unterstützt den Import aus Firefox und Chrome, nicht aber aus dem unter Linux häufig verwendeten Chromium-Browser. Zudem patzte das Werkzeug im Test: So transferierte es zwar aus Chrome die Login-Daten, den Verlauf und die Lesezeichen, von Firefox übernahm es allerdings nur Letztere.

Die Adressleiste zeigt während des Ladens einer Seite per Fortschrittsbalken und Zähler, wie viel Daten und Elemente der Browser transferiert. Eine private Instanz, die weder Cookies speichert noch einen Cache anlegt, starten Sie über [Strg]+[Umschalt]+[N]. Sie erkennen den Privacy-Mode an der dunkel eingefärbten Adressleiste und dem gelben Schlüssel-Symbol in deren linken Rand.

Vivaldi installieren

Das Projekt stellt den Browser für Linux als RPM- und DEB-Paket in 32- und 64-Bit-Varianten zum Download bereit. Ein generisches Archiv fehlt bislang. Nutzt die von Ihnen verwendete Distribution eine andere Paketverwaltung, müssen Sie das Paket ins gewünschte Format umwandeln oder unter Arch Linux beispielsweise aus dem AUR installieren.

Unter RPM-basierten Distributionen genügt der Standardaufruf sudo rpm -ivh VivaldiBuild.rpm, um den Browser einzurichten. Da es kein Vivaldi-Repository gibt, müssen Sie Aktualisierungen später ebenfalls per Hand via sudo rpm -Uvh VivaldiBuild.rpm einspielen.

Paneele

Zu den Besonderheiten von Vivaldi zählen die Paneele genannten Seitenleisten, die Sie am linken Fensterrand öffnen. Ein Klick auf eins der enthaltenen Symbole öffnet die dazugehörigen Elemente. Das oberste davon steht für die Lesezeichen. Im Ordner Schnellwahl enthaltene Bookmarks erscheinen auf der Startseite; nicht in Verzeichnissen verwaltete Lesezeichen listet der Browser in der Lesezeichenleiste. Diese erscheint aber nur nach vorherigem Aktivieren über Ansicht | Lesezeichenleiste anzeigen.

Das Icon darunter öffnet eine Status- und Verlaufsanzeige für Downloads. Die Notizen, die Sie über das Icon darunter öffnen, erlauben das Speichern von Wörtern oder ganzen Passagen aus Webseiten samt der zugehörigen URL. Dazu markieren Sie ein Wort auf einer Webseite und rechtsklicken darauf. Aus dem Kontextmenü wählen Sie danach Auswahl als neue Notiz hinzufügen.

Klicken Sie auf die abgelegte Notiz, erscheinen im unteren Abschnitt der Spalte die URL der Seite und der gespeicherte Text (Abbildung 2). Ein Klick auf das Plus-Symbol am unteren Rand öffnet ein Ausklappmenü, über das Sie einen Screenshot der aktuellen Webseite oder eine andere Bilddatei hinzufügen. Zum Verwalten der Einträge lassen sich auch Ordner anlegen.

Abbildung 2: Ähnlich wie Lesezeichen erlauben es Ihnen Notizen, Informationen aus Webseiten samt URL und Screenshot der Seite zu speichern und in Ordnern zu verwalten.

Das bemerkenswerteste Feature aus den Paneelen nennt sich Web-Paneel. Klicken Sie auf das kleine Plus-Zeichen, öffnet sich ein Dialog, über den Sie die aktuell geladene Webseite als Web-Paneel hinzufügen können. Ein Klick auf ein solches Web-Paneel öffnet die hinterlegte Seite in einem schmalen zweiten Browserfenster (Abbildung 3). Das erweist sich als sehr praktisch, um beispielsweise während des Surfens zu twittern oder aktuelle Börsenkurse zu verfolgen.

Abbildung 3: Die Web-Paneele zeigen auf Knopfdruck eine zusätzliche Seite an, etwa um die aktuellen Börsenkurse oder das Wetter im Blick zu behalten.

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