Einordnung

Die Ergebnisse der Benchmarks fassen die Abbildungen 5 bis**7 zusammen. Die Sysbench-Integer-Resultate (Abbildung 5) sollten Sie mit Vorsicht genießen: Die CPU des Odroid-C2 arbeitet nicht wirklich 10- bis 15-mal schneller als die des RasPi 3. Der Sysbench-Test zeigt hier lediglich Tendenzen auf.

Abbildung 5: Auf dem Papier sprechen die Sysbench-Ergebnisse eine klare Sprache – in der Praxis muss man sie aber aus diversen Gründen mit Vorsicht genießen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen messen wir auf verschiedenen Architekturen, auf denen die verwendete Software unterschiedlich gut arbeitet. Ließe man den Integer-Test zum anderen mit 200 000 statt 20 000 zu berechnenden Primzahlen absolvieren, könnte der RasPi 2 in Relation besser dastehen, da er weniger thermische Probleme hat. RasPi 3 und Odroid-C2 würden hier wegen zu starker Hitzeentwicklung vermutlich die CPU drosseln. Das ändert aber nichts an der erkennbaren Tendenz. Ähnliches gilt für den I/O-Teil des Sysbench-Tests.

Wie zu erwarten, schlägt der RasPi der dritten Generation seinen Vorgänger – auch fühlbar – klar und erweist sich in der Praxis als rund ein Drittel schneller. Beim I/O-Test liegen die beiden Geschwister in etwa gleich auf. Als limitierender Faktor erweist sich hier die Anbindung der SD-Karte, wie der Test des Odroid-C2 mit eMMC-Modul belegt.

Der Odroid-C2 setzt sich beim Integer-Test entscheidend von den beiden RasPis ab. Mit seiner wesentlich schnelleren CPU und doppelt so viel Hauptspeicher sieht ihn Sysbench allerdings etwas zu optimistisch. Beim I/O-Test unter Verwendung der SD-Karte schneidet er allerdings bei wiederholten Versuchen etwas schlechter ab als die RasPis – der Grund dafür blieb uns verborgen. Mit dem eMMC-Modul, das man auf der Unterseite der Platine aufsteckt, erzielt er im I/O-Test jedoch die achtfache Leistung der SD-Karte.

Im Test mit Iperf (Abbildung 6) reizen die beiden RasPi-Modelle die 10/100-Mbit/s-Ethernet-Schnittstelle gut aus, das WLAN des RasPi 3 erreichte rund 25 Mbit/s. Allerdings zeigt sich hier 10/100 als limitierender Faktor gegenüber Odroid-C2 und Pine A64+. Der C2 reizt seine Gbit-Ethernet-Schnittstelle mit 940 Mbit/s fast völlig aus. Enttäuschend präsentiert sich hier der A64+, dessen Netzwerkschnittstelle nur knapp über die Hälfte des möglichen Durchsatzes liefert. Das Problem ist bekannt und liegt im Kernel, ein Update zu einem späteren Zeitpunkt soll es beheben.

Abbildung 6: Mit ihrer Fast-Ethernet-Schnittstelle können die RasPis gegen die GbE-bestückte Konkurrenz nicht punkten.

Die Ergebnisse des P7zip-Benchmarks (Abbildung 7) fallen aussagekräftiger aus als jene von Sysbench, sind aber auch schwieriger zu interpretieren. Wir zogen die MIPS-Werte (Million Instructions per Second) und den erreichten I/O-Durchsatz in KByte/s als Vergleichswerte heran, jeweils für das Komprimieren und das Dekomprimieren. Der Pine A64+ wird auch in der Ausführung mit 2 GByte RAM und Gbit-Ethernet seiner zugedachten Rolle als RasPi-3-Bezwinger hier nicht gerecht und liegt in den meisten Tests leicht hinter dem neuesten Raspberry.

Abbildung 7: Der Pine A64+ kann in Sachen I/O-Leistung mit dem Raspberry Pi 3 nicht mithalten.

Fazit

Wie lassen sich die Ergebnisse nun für verschiedene Szenarien einordnen? Der Odroid-C2 empfiehlt sich klar für Anwendungen als Server, Mediacenter oder – mit Einschränkungen – als ultraportabler Desktop-Ersatz. Hier stößt der RasPi auch in der dritten Generation oft an seine Leistungsgrenzen. Das gilt gleichermaßen für CPU-Performance, I/O-Leistung, Netzdurchsatz und Grafikleistung. In all diesen Kategorien zeigt sich der Odroid-C2 als überlegen.

Geht es darum, Basteleien oder Messgeräte zu automatisieren, Rechner-Cluster (Abbildung 8) aufzubauen, die eigenen vier Wände zu automatisieren oder einfach spielerisch die Grundlagen von Hard- und Software zu erlernen, liegen die RasPis meist klar vorne. Hier spielen sie ihre Hauptstärken aus. Keiner der Konkurrenten bietet bisher auch nur ansatzweise eine vergleichbare Community, einen ähnlichen Wissensfundus im Internet oder eine ähnlich gute Infrastruktur. Wer Odroid-C2, Pine A64+ oder eine der vielen anderen Alternativen einsetzen möchte, sollte also ein wenig mehr Grundwissen mitbringen und im Idealfall sogar bereit sein, etwas zur jeweiligen Community beizutragen.

Abbildung 8: Geht es darum, mit SBC zu experimentieren, erweist sich der RasPi nicht zuletzt wegen der riesigen Community als erste Wahl. Das Bild zeigt einen Rechner-Cluster mit 33 RasPis.

Nicht außer Acht lassen sollten Sie auch die Tatsache, dass für den RasPi stets recht aktuelle Kernel bereitstehen. Die Konkurrenz muss sich noch mit Kernel 3.14 LTS begnügen, der seit August 2015 keine offizielle Unterstützung mehr erfährt. Allerdings bewegt sich zumindest beim Odroid hier etwas, wo Sie in den nächsten Monaten mit Kernel 4.4 LTS rechnen dürfen. 

Glossar

SBC

Single-board Computer. Rechnersystem, das alle benötigten Komponenten (CPU, GPU, RAM, Schnittstellen etc.) auf einer Platine zusammenfasst.

SoC

System-on-Chip. Baustein, der den Großteil aller Funktionen eines Rechnersystems (CPU, GPU, Speicher, Audio etc.) auf einem Chip zusammenfasst.

MIPI

Mobile Industry Processor Interface. Die 2003 von Intel, Nokia, ARM, Samsung, Texas Instruments und ST Microelectronics gegründete MIPI Alliance definiert Industriestandards für mobile Geräte. Dazu zählen etwa das CSI (Camera Serial Interface) oder das DSI (Display Serial Interface).

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