Die Ebenenmasken

Das Verwendung von Ebenenmasken betrachten heute viele Pixelarbeiter als den "Königsweg" beim Freistellen. Die simple Grundidee dahinter: Zu jeder Ebene definieren Sie einen zusätzlichen Kanal, der die Sichtbarkeit der Pixel in der Ebene steuert. Im Prinzip entspricht das dem Vorgehen beim Alphakanal, Gimp unterstützt die Ebenenmasken jedoch etwas prominenter – sie bieten zusätzliche Möglichkeiten.

Gimp erlaubt bei jeder Ebene – transparent oder nicht – das Hinzufügen einer Ebenenmaske. Die Funktion dazu finden Sie im Menü unter Ebene | Maske | Ebenenmaske hinzufügen ... (Abbildung 7). Sowohl die Ebene als auch deren Maske ergänzt Gimp im Ebenendock mit einem schmalen Rahmen (weiß hervorgehoben für den gerade aktiven Part). Ein Mausklick auf das entsprechende Vorschaubild schaltet die Aktivität um. Im Arbeitsfenster sehen Sie also immer entweder die Ebene selbst – wie sie durch die Maske beeinflusst wird – oder eben die Ebenenmaske.

Abbildung 7: Ebenenmasken erkennen Sie an dem doppelten Symbol im Ebenendock. Aktiv ist immer der weiß umrandete Teil.

Im Dialog zum Anlegen der Maske legen Sie fest, wie diese aussehen soll. Als Standard gibt Gimp eine rein weiße Maske vor, was voller Deckkraft entspricht. Damit unterscheidet sich die Ebenendarstellung noch nicht vom Originalzustand. Bei einer rein schwarzen Ebenenmaske wiederum sehen Sie zunächst gar nichts. Durch das Aufbringen von weißer Farbe in der Ebenenmaske holen Sie dann die Objekte der Ebene hervor. In diesem Modus leistet das Airbrush-Werkzeug besonders gute Dienste.

Die anderen Möglichkeiten eignen sich eher für spezielle Anwendungen: Alphakanal der Ebene nutzt den Inhalt eines Alphakanals, um die Ebenenmaske zu erstellen. Alphakanal der Ebene übernehmen wirkt analog, kehrt aber die Wirkung um: Nur die Ebenenmaske steuert das Ergebnis. Besteht schon eine Auswahl im Bild, lässt sich diese durch Auswahl als Ebenenmaske übernehmen. Mit Graustufen-Kopie der Ebene übersetzt Gimp die Helligkeiten im Bild in die Deckkraft der Ebene. Dunkle Bereiche verschwinden, helle bleiben sichtbar. Interessanter ist die Kanal-Option: Sie ermittelt ähnlich wie bei der Graustufen-Kopie aus der Helligkeit die Ebenenmaske, verwendet dafür jedoch die Farbe des ausgewählten Kanals. Diese Option funktioniert jedoch nicht bei allen Gimp-Versionen.

In vielen Fällen möchten Sie die Ebenenmaske aber selbst erstellen, um die volle Kontrolle über das Ergebnis zu behalten. Dabei stehen Ihnen viele Wege offen: Oft dient die aktuelle Ebene als Basis für die Maske. Erzeugen Sie eine Ebenenkopie (ohne Maske), und bearbeiten Sie diese so, dass optimalerweise das Motiv ganz weiß oder schwarz erscheint, während die Umgebung genau die entgegengesetzten Tonwerte erhält. Anschließend kopieren Sie die für die Maske vorgesehene Ebene in die Zwischenablage und aktivieren die Maske von der Arbeitsebene. Dort fügen Sie dann den Inhalt der Zwischenablage ein.

Allerdings zeigt Gimp das Ergebnis etwas verwirrend im Ebenendock an. Die schwebende Auswahl erscheint wie gewöhnlich über der Ebene mit der Maske. Erst ein Verankern (mit dem Anker-Button unter dem Ebenendock dieser Ebene) bewirkt, dass Gimp den Layer wie gewünscht als Ebenenmaske verwendet. Im Kontextmenü des Ebenendocks gibt es anschließend mehrere Möglichkeiten, mit der Ebenenmaske zu interagieren. Dort lässt sich beispielsweise aktivieren, dass Gimp die Maske statt des Ebeneninhalts anzeigt; auch können Sie hier die Maske temporär deaktivieren.

Wie Sie die Ebenenmaske erzeugen, hängt von vielen Faktoren ab. Anstatt eine Ebenenkopie manuell in die Schwarz-Weiß-Form zu übertragen, können Sie auf die Funktion Entsättigen aus dem Menü Farben zurückgreifen. Die Entwicklungsversion Gimp 2.9.3 erweitert die Fähigkeiten dieser Funktion: Die bisher bekannten Optionen fasst Gimp nun unter Entsättigen... im Untermenü Entsättigen zusammen. Zusätzlich gibt es noch Grau einfärben..., Mono Mixer... (der Kanalmixer in der Monochrom-Variante) sowie ein als Sepia... bezeichnetes Werkzeug.

Ebenso erweist sich das Schwellwerte-Werkzeug (Abbildung 8) als praktische Methode. Mittels zweier Schieberegler steuert die Routine, welche Teile des Bildes weiß und welche schwarz erscheinen. Diese extrem harten Kontraste helfen oft, Kanten für Grenzen im Bild zu finden. Im Idealfall genügt das Anwenden des Schwellwerte-Werkzeugs, etwa beim Maskieren eines fast weißen Himmels. In der Praxis tritt so etwas aber nicht oft auf.

Abbildung 8: Sehr harte Übergänge für Masken erzeugt beispielsweise das Werkzeug Schwellwert.

Als Ausweg bieten sich weitere Methoden an: Vor der Anwendung des Schwellwerte-Werkzeugs können Sie beispielsweise die Farben im Bild mittels Gradationskurven (unter Farben | Kurven ...) so verbiegen, dass der gewünschte Effekt entsteht (Abbildung 9). Alternativ greifen Sie dafür auf den Kanalmixer zurück (Farben | Komponenten | Kanalmixer...), oder Sie nutzen die mit dem Schwellwerte-Werkzeug erzeugte Darstellung als Basis für das manuelle Bearbeiten.

Abbildung 9: Manchmal genügen schon etwas gewagte Kurven, um die Maske im Wesentlichen zu erstellen.

In Abbildung 8 sehen Sie, dass sich die Konturen des Seglers im Vergleich zum Farbbild sehr gut von der Umgebung abheben, sodass sich der Kopf vom umgebenen Wasser optimal freistellen lässt. Doch die Methode eignet sich nicht für sämtliche Bereiche des Testbilds: Der Himmel und das Segel lassen sich zum Beispiel nicht mehr gut separieren – hier müssten Sie die Objekte beispielsweise mit Pfaden maskieren.

Professionelle Bildbearbeiter greifen hingegen oft zu manuellen Werkzeugen. Hier stehen Ihnen sämtliche Malwerkzeuge zur Verfügung, was große Vorteile bietet. Als Farben verwenden Sie nur Schwarz und Weiß. Dafür können Sie aber Verläufe einsetzen, diese verschmieren, Weichzeichnen und was Ihnen sonst noch zweckmäßig erscheint. Setzen Sie relativ harte Pinselspitzen ein, dann eignen sich auch Stift und Pinsel sehr gut dazu, Objekte präzise freizustellen.

Gimp 2.9 verfügt über einen ganz besonderen Pinsel, der einen besonderen Nutzen bietet. Es handelt sich um eine animierte Pinselspitze (zu erkennen an der Dateierweiterung .gih) mit dem Namen A_Angular box 2 [4]. Das besondere an dieser Spitze: Der Pinsel dreht sich mit, sobald Sie beim Zeichnen die Richtung ändern.

Haare freistellen

Das Freistellen von feinsten Details wie Haaren stellt die Königsdisziplin dar. Mit den hier beschriebenen Methoden kommen Sie auch bei dieser Aufgabe zum Ziel, wenn auch etwas mühsam. Die Masken müssen Sie in den meisten Fällen mit viel manuellem Einsatz erstellen und anpassen.

Manchmal ist es aber gar nicht erforderlich, das Freistellen in allen Details abzuarbeiten. Ein im Netz verfügbares Photoshop-Tutorial [6] zeigt eine Methode, die mit deutlich weniger Aufwand ein ähnliches Ergebnis erzeugt. Bis auf die verwendeten Tastenkombinationen lassen sich alle Schritte analog mit Gimp ausführen.

Ein Problem bleibt beim Freistellen von (halb-)transparenten Strukturen: Da Licht durch diese hindurchscheint, bildet sich deren Hintergrund ab. Entweder schaffen Sie es, das gewünschte transparente Objekt vor einem durchgängigen, einfarbigen Hintergrund aufzunehmen, oder Sie müssen diese Stellen manuell nachbearbeiten.

Die Kanal-Variante

Die Kanäle von Gimp sind zwar kaum zu übersehen, doch trotzdem nutzen in der Regel nur erfahrene Anwender deren Möglichkeiten aus. Die meisten Benutzer haben höchstens einmal eine als Kanal gespeicherte Auswahl im Kanaldock ausgewählt.

Dabei leisten die Kanäle gute Dienste: Sie bilden die RGB(A)-Struktur des Bilds ab, indem sie jede einzelne Komponente separat zur Verfügung stellen. Da es sich um Komponenten des Bilds handelt, besitzen die Kanäle neben den X- und Y-Werten nur noch eine Dimension: die Helligkeit der Komponente. Damit entsprechen sie sehr speziellen Graustufenbildern des ursprünglichen Bilds.

Wenn es nun um Bilder geht, in denen sich Objekt und Hintergrund in einem der Kanäle gut unterscheiden, dann sollten Sie sich nicht scheuen, diesen für die Auswahl zu verwenden (Abbildung 10). Ziehen Sie dazu einfach den gewünschten Kanal ins Ebenendock. Er erscheint dort als neuer Layer, den Sie nun bearbeiten. Dazu verwenden Sie ihn wie oben beschrieben als Maske.

Abbildung 10: Auch einzelne Farbkanäle lassen sich als Masken verwenden.

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