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© bornholm, 123RF

Neue Distributionen mit topaktuellen KDE-Versionen

Edelgase

Die gängigen Distributionen liefern neue KDE-Versionen oft mit reichlich Verzögerung aus. KDE und OpenSuse offerieren daher jetzt für Enthusiasten Abbilder mit topaktuellen KDE-Paketen.

KDE-Anhänger sind frustriert: Nicht einmal in den Paketquellen von Debian "Unstable" findet sich derzeit eine auch nur entfernt aktuelle KDE-Plasma-Version. Die Pille schmeckt umso bitterer, als das dort vorhandene KDE Plasma 5.4.3 sich zwar gut benutzen lässt, aber voller Ungereimtheiten steckt, die in neueren Versionen längst behoben wurden. Abhilfe schafft hier das Projekt Neon [1], das KDE-Entwickler Jonathan Riddell auf Ubuntu-Basis ins Leben rief, um Entwicklern und Enthusiasten die neuesten Entwicklungen bei KDE auf einer stabilen Basis anzubieten. OpenSuse sprang bereits auf den Zug auf und bietet Ähnliches.

Das Ende Januar auf der FOSDEM in Brüssel von Riddell offiziell vorgestellte Projekt sorgte erst einmal für Verwirrung [2]: Muss KDE jetzt etwa eine eigene Distribution herausbringen, um relevant zu bleiben? Das Projekt beeilte sich, klarzustellen, dass Neon keine vollständige Endanwender-Distribution darstelle und zudem kein KDE-Projekt sei, sondern eines von Riddell. Nachdem die jeweiligen Befindlichkeiten in dieser Hinsicht geklärt waren, konnte die Arbeit beginnen.

Die Veröffentlichungen von Projekt Neon teilen sich in einen Entwickler- und einen Anwenderzweig. Das automatisierte System zum Erstellen von Abbildern aktueller Versionen (CI, Continuous Integration) [3] bedient sich für den Entwicklerzweig der neuesten KDE-Pakete aus den Git-Repositories, während die Anwender-Version auf den neuesten veröffentlichten Paketen aufbaut. Somit erhalten beide Lager eine mehr oder weniger fehlerbehaftete Version von KDE. Die beiden Versionen mit Git-Paketen richten sich eher an Entwickler und Community-Mitglieder, die beim Finden von Fehlern helfen wollen.

Neon, Krypton, Argon

Ungefähr zeitgleich passierte im RPM-Universum nebenan – sprich: bei OpenSuse – Vergleichbares [4]. Auch hier mimt KDE den Hauptdarsteller. Die OpenSuse-Community bietet seit Mitte Februar zwei neue Live-CDs mit Installer an, die beide auf den aktuellen KDE-Versionen aus Git beruhen. Die Projekte heißen Argon und Krypton und unterscheiden sich von Neon insbesondere im Unterbau (Abbildung 1). Während Neon unterschiedlich aktuelle Pakete für die Entwickler- und Anwender-Variante auf einem Ubuntu-Fundament verwendet, bauen die OpenSuse-Entwickler die neuesten Git-Versionen für Argon in die jeweils aktuelle Ausgabe von OpenSuse "Leap" sowie für Krypton in das Rolling-Release-OpenSuse "Tumbleweed" ein.

Abbildung 1: Schematische Darstellung von Argon und Krypton auf Basis von OpenSuse.

Dabei erstellen sie die Images aus den neuesten KDE-Git-Quellen im Open Build Service (OBS) unter Einsatz der drei Repositories KDE-Unstable-Frameworks, -Applications und -Extra. Neben der X11-Variante gibt es auch ein Krypton-Abbild mit Wayland als Display-Server. Die Ergebnisse liegen fast täglich frisch auf Suses Servern zum Herunterladen bereit [5]. Gleichzeitig verfolgt OpenSuse im Rahmen von Gnome-Next auch die Entwicklung des Gnome-Projekts. Hier kommt allerdings nicht Git zum Einsatz, sondern die aktuellen letzten Tarballs (derzeit Gnome 3.20.x). Auch hierfür liegen Abbilder bereit [6].

Alle fünf getesteten Abbilder bewegen sich in der Größe zwischen 850 und 1020 MByte. Neon bringt derzeit noch keine KDE Applications mit und enthält somit kaum Anwendungsprogramme – die müssen Sie gegebenenfalls nachinstallieren. Krypton und Argon dagegen bringen die für ausgewachsene Distributionen übliche Anzahl an Applikationen mit. Wir haben OpenSuse Krypton mit X11 und mit Wayland installiert sowie bei Projekt Neon die an Endanwender gerichtete Variante.

Btrfs macht Sinn

Das Einrichten von Krypton verläuft wie eine normale OpenSuse-Installation. Als Dateisystem kommt OpenSuse-typisch Btrfs zum Einsatz. Mit dem Installer kommen auch Anfänger zurecht, Änderungen am vorgeschlagenen Partitionsschema oder dem Dateisystem lassen sich logisch nachvollziehen.

Bei Installationen in Virtualbox sollten Sie beachten, die Größe der virtuellen Festplatte mindestens zu verdoppeln, also 16 GByte oder besser mehr bereitzustellen. So steht ausreichend Platz für Btrfs-Snapshots zur Verfügung. Weiterhin gilt es zu beachten, dass der während der Installation angebotene erste Neustart des Systems bei Virtualbox zum Abbruch der Installation führt. Wählen Sie an der entsprechenden Stelle der Setup-Routine daher stattdessen den Punkt Später neu starten.

Nach der Installation bootet Krypton – im Test ein "Tumbleweed" vom 1. Mai mit neuesten KDE-Paketen aus Git – in einen Kernel 4.5.0-3 und nutzt Plasma 5.6.90git sowie KDE Frameworks 5.21 und KDE Applications 16.07.70git auf der Basis von Qt 5.6.1 (Abbildung 2). Zum Testzeitpunkt am 4. Mai waren bereits 280 Updates verfügbar. Das spricht für einen agilen Entwicklungszyklus, den der Anwender stabiler Veröffentlichungen so nicht wahrnimmt. Dabei sollten Sie bedenken, dass ein Update mit Paketen aus Git die Installation sowohl verbessern als auch verschlechtern kann.

Abbildung 2: Krypton bietet einen tagesaktuellen Kernel und KDE aus dem Git-Repository der Entwickler.

Krypton ist hier jedoch gut aufgestellt, da es durch das Btrfs-Dateisystem die Möglichkeit besitzt, Snapshots des Systems zu erstellen und bei Bedarf den Zustand vor der schiefgelaufenen Aktualisierung ohne viel Aufwand wiederherzustellen (Abbildung 3). Mit dem Tool Snapper gelingt das sogar automatisch, wenn Sie es so einstellen, dass es bei jeder Aktualisierung einen Snapshot erstellt [7].

Abbildung 3: Btrfs-Snapshots sichern Krypton ab – so lässt sich das System leicht zurücksetzen.

In den Stunden, die Krypton dazu herhalten musste, um an diesem Text zu arbeiten, verhielt sich das System erstaunlich stabil und erlaubte sich keine groben Schnitzer. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass sich bei längerer Nutzung der eine oder andere Fehler zeigt oder das System auf die eine oder andere Art für produktives Arbeiten unbenutzbar wird. Von daher eignet sich das System eher für den gelegentlichen Blick auf den jeweiligen frühen Entwicklungsstand der fünften KDE-Inkarnation oder zur aktiven Mitarbeit im Projekt.

Für KDE-Fans birgt besonders Krypton eine Menge Spaß. Argon baut zwar auf dieselben KDE-Pakete, basiert jedoch auf dem weniger aktuellen Unterbau von OpenSuse "Leap". Da das System dadurch aber insgesamt nicht stabiler wirkt, bietet Krypton die insgesamt interessantere Spielwiese. Auch die Wayland-Variante gab keinen Anlass zu weiterer Kritik. Allerdings erwischten wir im Testzeitraum auch einmal ein nicht bootfähiges Wayland-Abbild.

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