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© Jozef Polc, 123RF

Out-of-Bound: Eyecatcher leicht gemacht

Dra(h)matik

Out-of-Bound-Effekte sorgen bei Präsentationen und Diashows für die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums. Entsprechende Bilder erzeugen Sie in Gimp mit einfachsten Mitteln.

Out-of-Bound-Bilder nennt man jene Art von Bildern, die buchstäblich aus dem Rahmen fallen, bei denen also das Motiv sich in angetäuschtem 3D aus dem Rahmen heraus entfaltet. Solche Bilder geben einen guten Blickfang ab und helfen, Motive noch etwas interessanter zu gestalten. Daneben eignen sie sich auch dazu, Personen oder Objekte hervorgehoben darzustellen.

Out-of-Bound-Bilder bestehen typischerweise aus drei Komponenten: dem originalen Bild, einem (oft perspektivisch verzerrten) Bilderrahmen und einem abgestimmten Hintergrund. Dazu kommt einiger Zuckerguss, der die drei Dimensionen betont beziehungsweise überhaupt erst simuliert. Dabei handelt es sich meistens um verschiedene Arten von Schatten und einigen anderen Kleinigkeiten.

Eingebettetes Bild

Für diese Form der Montage eignen sich auch Bilder, bei denen Sie es wahrscheinlich gar nicht vermuten würden. Halbwegs passabel belichtete Fotos, die ein einzelnes Objekt gut treffen, genügen oft schon den Anforderungen. Dabei muss nicht einmal das gesamte Objekt im Bild vorhanden sein.

Der Witz besteht nun darin, aus dem Original einen Bereich dergestalt auszuwählen, dass er einige Bildbestandteile enthält, die später aufgrund ihrer räumlichen Lage etwas vom Rahmen verdecken, den Sie noch hinzufügen. Es bedarf einiger Übung und etwas Erfahrung, die dafür am besten geeigneten Bereiche auszuwählen. Hier hilft Ausprobieren.

Besonders gut eignen sich Bilder für diese Technik, die weit herausragende Teile oder zumindest recht freie Objekte enthalten. Abbildung 1 zeigt die für diesen Artikel verwendeten Bilder, die Ergebnisse sehen Sie weiter unten. Oft weisen die eingebetteten Bilder ein relativ starkes Kontrastverhältnis auf oder wurden nachträglich entsprechend bearbeitet, etwa selektiv geschärft (Abbildung 2). Das erzeugt einen deutlichen, plakativen Effekt. Auch das Gegenteil liefert sehenswerte Ergebnisse.

Abbildung 1: Die in diesem Artikel verwendeten Bilder im Original.
Abbildung 2: Dieses Beispiel zeigt ein Bild in dem Details geschärft sind (die Zähne), um den dramatischen Eindruck noch zu verstärken.

Um eine spezielle Technik beim Bearbeiten kommen Sie bei dieser Art von Bildern allerdings nicht herum: das sogenannte Freistellen. Manche verwenden diesen Begriff für das Zuschneiden von Bildern – hier ist aber die eigentliche Bedeutung gemeint, das Herauslösen der freizustellenden Motive.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Objekte in Bildern freizustellen. Oft muss man aber gar nicht alle Mittel ausreizen, meist genügt es, einige begrenzte Bereiche herauszuarbeiten. Wie das funktioniert, demonstrieren wir im Folgenden mit Gimp.

Zusätzliche Ebene

Es empfiehlt sich, dabei immer auf einer Ebenenkopie zu arbeiten, um bei Problemen auf das Original zurückgreifen zu können. Wählen Sie also den relevanten Bereich des Bildes mit einem Auswahlwerkzeug aus und kopieren Sie ihn als separate Ebene ins Bild. [Strg]+[C] kopiert die Auswahl in die Zwischenablage, [Strg]+[V] fügt sie ein; durch Neue Ebene ... im Menü Ebenen schließen Sie die Aktion ab.

Achten Sie darauf, dass die so erzeugte Ebene alle relevanten Teile des Bilds enthält. Bei Gimp erzeugen Sie so automatisch eine transparente Ebene, die Sie für die weiteren Schritte benötigen. Bei anderen Programmen müssen Sie eventuell noch einen Alpha-Kanal hinzufügen.

Nun verwenden Sie das Radierwerkzeug, um die Teile um das Objekt zu entfernen. Dabei erweist sich Gimp als besonders praktisch: Mit dem gewählten Tool löschen Sie nicht benötigtes Bildmaterial, normalerweise von außen nach innen. Entfernen Sie zu viel, machen Sie dies bei transparenten Ebenen durch Radieren mit gehaltenem [Alt] rückgängig. So erstellen Sie recht schnell gute Freisteller.

In vielen Fällen müssen Sie gar nicht das gesamte Motiv in allen Feinheiten herausarbeiten. Auf Präzision kommt es lediglich an den Stellen an, an denen das Objekt später mit dem Bildrahmen in Kontakt kommt. Hier fallen kleine Fehler oft direkt auf.

Es gibt einen weiteren Bereich, den Sie freistellen müssen: die Stellen, die Sie später für einen perspektivischen Schatten nutzen (siehe Kasten "Schatten geschickt gesetzt"). Hier genügt es normalerweise, das Freistellen in groben Zügen vorzunehmen. Gimp berechnet Schatten immer aus dem Übergang zwischen Transparenz und undurchsichtigen Teilen in einer Ebene, zeichnet Schatten aber weich. Kleine Details gehen beim Weichzeichnen ohnehin verloren.

Zu diesem Zeitpunkt haben Sie also zwei Ebenen im Bild, die exakt übereinanderliegen sollten: das Original (Hintergrund) sowie eine zumindest teilweise freigestellte Kopie davon.

Schatten geschickt gesetzt

Mit dem Gimp-Filter Perspektive unter Licht und Schatten im Menü Filter stellt Gimp eine sehr spezielle Funktion bereit: Die erzeugten Schatten beginnen am Objekt und erstrecken sich in der vorgegebenen Richtung. Damit wirken sie ganz anders als Schlagschatten, die nur bei einem steilen Winkel zwischen Lichtquelle und Objekt sinnvolle Ergebnisse zeigen.

Allerdings verfügt dieser Filter bislang nicht über eine Vorschau, da er zurzeit nur als Python-Skript implementiert ist. Die Funktion der Parameter erschließt sich aus den Bezeichnungen nur recht schwer: Winkel definiert die Richtung des Schattens, gemessen gegen die Horizontale. Winkel unter 90 Grad erzeugen die Schatten rechts vom Objekt, größere links davon.

Der Parameter Relativer Abstand zum Horizont legt fest, wie weit ein imaginärer Horizont entfernt ist. Die Dokumentation bezeichnet dabei den relativen Abstand als den Abstand von der Grundlinie der Auswahl oder Ebene, wobei als Einheit der Entfernung die Höhe der Auswahl oder Ebene gilt. Die relative Länge des Schattens darf nicht größer ausfallen als der relative Abstand zum Horizont.

Die Länge des Schattens legen Sie über den gleichnamigen Parameter fest, wobei große Werte zu starken Verzerrungen führen. Mit Weichzeichnenradius beeinflussen Sie die Ränder des Schattens. Farbe steuert die Schattenfarbe, über Deckkraft legen Sie fest, wie dunkel die Bereiche des Schattens erscheinen.

Der Einfluss der Interpolation, die Sie für die perspektivische Verzerrung des Schattens verwenden, hält sich in engen Grenzen. Manchmal führt Keine zu Artefakten, allerdings arbeitet das Plugin dann sehr schnell. Linear bietet einen guten Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Qualität.

Größenänderung zulassen bewirkt, dass die Software die Schatten auf jeden Fall vollständig berechnet, selbst wenn das erforderlich macht, die Ebene des Schattens – und damit eventuell die Bildgröße – zu erhöhen.

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