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GMIC-Filter, die Sie kennen sollten

Best of GMIC

Man muss nicht alle 460 Filter kennen, die GMIC derzeit bereitstellt. Einige besonders leistungsfähige Exemplare allerdings erleichtern sonst knifflige Arbeiten deutlich.

Mehr als 460 Filter in 22 Gruppen vereint die momentan aktuelle Version des Gimp-Filter-Plugins GMIC [1]. Da sich aktuelle Bildbearbeitungsalgorithmen in der GMIC-eigenen Programmiersprache relativ einfach implementieren lassen, kommen ständig neue Filter hinzu, andere fassen die Entwickler zusammen oder entfernen sie manchmal auch wieder. Kurz: Es herrscht ein reges Treiben rund um GMIC.

Funktionell grob ähnliche Filter fasst GMIC in Gruppen zusammen, sodass Sie den gewünschten Effekt schneller finden. Die Tabelle "GMIC: Filtergruppen" bietet dazu eine Übersicht. Auch innerhalb der Gruppen gibt es weitere Cluster von ähnlich benannten Filtern, die aber teils recht unterschiedliche Effekte erzeugen. Aufgrund der lebhaften Entwicklung bei GMIC wechselt die Zusammensetzung der Gruppen relativ häufig.

In der Praxis stolpern Sie immer wieder über Filter, die Ihnen besonders zusagen. Diese markieren Sie am besten über die Schaltfläche mit dem Plus-Zeichen unterhalb der Filterliste. Danach erscheinen diese Filter in der (anfangs noch verborgenen) Gruppe Faves, sodass Sie sie ohne langes Suchen schnell wiederfinden. Nicht mehr benötigte Filter entfernen Sie über den zweiten Knopf (- oder x, je nach Theme) wieder aus den Favoriten.

Der Bereich About enthält grundlegende Informationen zu GMIC, aber auch eine Einführung in die Konstruktion von Filtern (Filter design). Als besonders praktisch erweist sich hier aber die Filtersuchfunktion Search filters: Unter Sort by und Include categorie/command names in the search definieren Sie an dieser Stelle genauer, welche Informationen GMIC bei der Suche auswerten soll (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Suchfunktion hilft Ihnen, Filter aufzuspüren – sofern Sie mindestens einen Namensteil kennen.

GMIC: Filtergruppen

Gruppe Funktionen
Faves Favoriten des Anwenders
About Grundlegende Informationen zu GMIC, Suchfunktion
Array & tiles Muster durch Anordnungen, Rahmen für Bilder
Artistic Sehr unterschiedliche künstlerische Effekte
Black & white Schwarz-weiß Effekte
Colors Farben beeinflussen
Contours Kantenfilter
Deformations Sehr verschiedenartige künstlerische Effekte
Degradations Weichzeichnen, Verrauschen und Verfremden
Details Schärfen, lokaler Kontrast, Tone Mapping
Film emulation Effekte wie bei analogen Filmen
Frames Rahmen erzeugen
Frequencies Fourier-Filter
Layers Ebenen bearbeiten, neue Ebenenmodi
Light & shadows Helligkeiten manipulieren, Schatten erzeugen
Patterns Muster und Texturen erzeugen
Rendering 3D-Filter und solche für komplexe Berechnungen
Repair Filter, um Bilder zu "verbessern"
Sequences Animationen
Spectral filters Mathematische Filter für spezielle Effekte
Stereoscopic 3d Stereoskopische Bilder (3D-Effekte)
Testing Filter zum Ausprobieren
Various Verschiedenes

Muster und Rahmen

Das Betonen von Bildern durch Wiederholungen hat Andy Warhol zwar nicht erfunden, aber doch populär gemacht. GMIC bietet unter Array**&**tiles eine ganze Palette von Filtern, die derartige Effekte in ganz unterschiedlicher Weise erzeugen. Der leistungsfähige Filter Array [faded] ermöglicht mehrere Varianten der Darstellung (Abbildung 2). GMIC beinhaltet mehrere ähnliche Filter, wobei der mit [faded] gekennzeichnete versucht, möglichst nahtlose Übergänge zu erzeugen, sodass sich flächendeckende Muster ergeben.

Abbildung 2: Die Ergebnisse des Filters Array [faded] fallen recht gut aus, aber keineswegs perfekt.

Über die Parameter Fade start(%) und Fade end (%) stellen Sie Überblendbereiche ein, mit X-offset (%) und Y-offset (%) verschieben Sie die Bereiche etwas. Einige weitere Filter in dieser Gruppe, wie Make seamless [diffusion] und Make seamless [patch-based], stehen als Alternativen für diese Aufgabe bereit.

In manchen Situationen ist es sinnvoll, mehrere Objekte (normalerweise kleine Bitmaps) auf einer Ebene zu speichern. In diesem Fall lassen sich diese mit Extract objects bei Bedarf wieder in einzelne Ebenen umwandeln. Das funktioniert sogar dann, wenn die unterliegende Ebene nicht transparent ist, sondern einfarbig.

Mit Select background point wählen Sie die entsprechende Hintergrundfarbe aus. Die Vorschau zeigt dann sofort die erkannten Objekte an (Abbildung 3). Zu den weiteren wichtigen Parametern zählen Color tolerance, das die maximalen zulässigen Farbabweichungen definiert, und Minimal area, das die minimale Größe der zu erkennenden Objekte festlegt. Über Connectivity geben Sie an, wie stark der Filter Objekte zusammenfasst.

Abbildung 3: Der Filter Extract objects erzeugt einzelne Ebenen aus separaten Objekten.

Künstlerische Effekte

Die Gruppe Artisticenthält überwiegend Effekt- und Zeichenfilter. Bei Blockism etwa handelt es sich um einen klassischen Zeichenfilter, der ein Foto in eine ziemlich realistische Variante eines Öl- oder Acryl-Bildes umwandelt. Der Effekt wirkt, als ob Sie das Bild mit hartem Pinsel und sehr kurzen Strichen gemalt oder quasi getupft hätten.

Schöne Ergebnisse beim Umwandeln von Fotos in Gemälde zeigen auch Graphic boost und Graphic novel sowie Rodilius, von dem es auch eine animierte Variante (Rodilius [animated]) gibt. Der Kubismus-Filter Cubism liefert im Vergleich zu der in Gimp eingebauten Routine weit bessere Ergebnisse.

Daneben finden Sie hier etliche Weichzeichenfilter, von denen sich jeder für besondere Aufgaben eignet. Dream smoothing gehört zu den Effekt-Filtern. Sein Ergebnis lässt sich am besten mit einer Kombination aus Verwischen und klassischem Weichzeichnen beschreiben (Abbildung 4) und entspricht etwa demjenigen des kommerziellen Topaz-Filters für Photoshop [2]. In den General Settings legen Sie fest, in wie vielen Schritten (Iterations) der Filter arbeitet – höhere Werte verursachen mehr Rechenzeit.

Abbildung 4: Die Ergebnisse von Dream smoothing erzeugen einen verträumten Effekt.

Unter Merging of iterations stellen Sie Ebenenmodi ein, mit denen der Filter die bei den Durchläufen erzeugten temporären Layer verschmilzt. Einige dieser Modi benötigen zusätzliche Rechenzeit, was die Bearbeitung weiter verlangsamt – generell gehört dieser Filter zu den langsamsten innerhalb von GMIC. Mit den Modi and, or, grainextract und einigen anderen entstehen oft so starke Verfremdungen, dass sich das Originalbild kaum noch erahnen lässt. Die letzten Bereiche steuern die technischen Details der Berechnungen und der Vorschau.

Eine schnellere Alternative zu Dream smoothing bietet der Filter Finger paint (Abbildung 5). Er versucht das Vermalen von Farben mit den Fingern nachzuahmen, was meist recht gut gelingt. Auch Finger paint erzeugt weiche, verwaschene Strukturen, die einerseits als Blickfang dienen können, andererseits als Basis für weitere Aktionen.

Abbildung 5: Mit Finger paint simuliert GMIC das Malen mit Fingerfarben. Nicht immer stimmt die Vorschau mit dem Ergebnis überein.

Weichzeichner gehören mit zu den wichtigsten Filtern überhaupt. Sie bilden die Basis für viele Effekte, wie beispielsweise diverse Varianten des Schärfens, und kommen daher oft zum Einsatz. Gimp stellt selbst mehrere Spielarten zur Verfügung, die allerdings immer isotrop wirken, also gleichmäßig in alle Richtungen. Bei realen Objekten, wie etwa Haaren und Haut, aber auch bei künstlichen Strukturen wie Mauerwerk oder Metalloberflächen gibt es jedoch oft eine Vorzugsrichtung. Entlang dieser Achse sollten die Filter nicht so stark wirken wie in den anderen Richtungen.

Der Filter Smooth [anisotropic] berücksichtigt daher nicht nur einfache Richtungen, sondern auch Rotationen (twistiness oder curl). Damit eignet er sich besonders gut für das Bearbeiten natürlicher Objekte. Das umfasst auch das Verschönern von Gesichtern, wo er den Teint glättet und die Haut etwas matter erscheinen lässt (Abbildung 6).

Abbildung 6: Smooth [anisotropic] ist einer der leistungsfähigsten Weichzeichner den es für Gimp überhaupt gibt. Er entfernt das Rauschen, ohne dass die Schärfe darunter leidet.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet für Weichzeichner stellt das Entrauschen von Bildern dar. Der Filter Smooth [thin brush] ermöglicht es, kleine Details – also das Rauschen – zu eliminieren, ohne dass der gesamte Bildeindruck weichgezeichnet erscheint. Daher finden Sie ihn auch unter Repair. Hier handelt es sich also nicht um einen Effektfilter, sondern eher um ein Instrument für die Bildaufbereitung.

Der Parameter Amplitude steuert dabei im Wesentlichen die Stärke des Filters. Sharpness wirkt dem entgegen und bewahrt die Strukturen. Mit Iterations wiederholen Sie die Filter nach Abschluss automatisch. Anisotropy legt fest, wie weit das Weichzeichnen sich in unterschiedliche Richtungen unterscheiden darf – der Filter verwendet anschließend die Variante mit dem besten Ergebnis. Hohe Werte der Parameter Gradient Smoothness und Tensor Smoothness verwandeln den Filter in eine Variante des Dream Smoothing. Dies lässt sich nutzen, um beispielsweise die Konturen von Objekten zu glätten.

Bei den Parametern Spacial, Angular und Value precision bewirken geringere Werte genauere Ergebnisse, allerdings auf Kosten eines erhöhten Rechenaufwands. Fast approximation aktiviert einen vereinfachten und schnelleren Algorithmus. Eine halbwegs verständliche technische Dokumentation dieses Filters findet sich in der englischsprachigen GMIC-Dokumentation sowie in der vierteiligen Buchreihe "Bildbearbeitung mit Gimp" [4]. Für Photoshop gibt es vergleichbare Filter als teure Zusatzprodukte zu kaufen.

Etwas deplaziert wirkt in dieser Gruppe der Filter Photoillustration: Er sollte eher in der Repair-Gruppe auftauchen (Abbildung 7). In diesem Filter vereinigen sich sehr viele Einzelfilter, die sowohl schärfen als auch weichzeichnen, den lokalen und globalen Kontrast beeinflussen sowie die Details und die Farben manipulieren können. Da die Vorschau hier zumeist einen ganz guten Eindruck der durch die Parameter verursachten Resultate zeigt, lässt sich der Filter halbwegs intuitiv anwenden.

Abbildung 7: Viele Einstellungen für grundlegende Aspekte eines Fotos vereinigt Photoillustration.

Beachten Sie dabei, das sich Helligkeiten separat für Schatten, Mitten und Lichter einstellen lassen (Shadow ..., Highlight ..., Mid tone ...). Über Keep detail layer separate lässt sich eine Ebene mit den feinsten Details erzeugen. Die Overall ...-Parameter wirken global. Deren Resultate können Sie anschließend mit einem abweichenden Ebenenmodus mit dem Originalbild verrechnen, was ein weitgehendes Steuern der Effekte ermöglicht. Zahlreiche Vorteile bietet auch die Möglichkeit, Hauttöne besonders zu berücksichtigen (Skin tone protection).

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