Ubuntu Gnome

Seit Ubuntu 12.04 gibt es parallel zu Unity, das auf Gnome aufsetzt, aber dessen eigentlichen Desktop ("Gnome Shell") ersetzt, auch ein offizielles unverändertes Gnome-Flavor (Abbildung 8).

Abbildung 8: Den früheren Ubuntu-Standard-Desktop Gnome gibt es für Ubuntu 16.04 wie bisher als offizielles Flavor.

Ubuntu Gnome 16.04 [9] basiert größtenteils auf Gnome 3.18. Das erst einen Monat vorher erschienene Gnome 3.20 kam, wie bei einer konservativen LTS-Fassung zu erwarten, nicht mehr zum Zug. Auch tragen die Komponenten noch nicht durchgängig die Versionsnummer 3.18: Beim Dateimanager Nautilus zeigt der About-Dialog zum Beispiel noch die Version 3.14. Eine der wichtigsten Neuerungen von Gnome 3.18, der direkte Zugriff auf Google-Drive aus dem Dateimanager heraus, steht daher aktuell noch nicht zur Verfügung.

Dafür hielten diverse Verbesserungen an der Gnome-3.18-Basis in Ubuntu 16.04 Einzug: So funktionieren die von Tablet-Touchscreens bekannten Multitouch-Gesten, wie der "Zangengriff" zum Zoomen, nun auch auf dem Touchpad eines gewöhnlichen Notebooks. Das Scrollen simuliert nun Massenträgheit, läuft also abhängig von der Geschwindigkeit des Anstoßens nach ("kinetisches Scrollen"). Auf Geräten ohne Tastatur, also Handys oder Tablets, erleichtert diese Funktion die Bedienung spürbar. Auf Desktop-Rechnern ist das nicht unbedingt der Fall, deshalb müssen Sie viele dieser Funktionen erst in den Einstellungen aktivieren (Abbildung 9).

Abbildung 9: Gnome 3.18 unterstützt die von Touchscreens bekannten Zweifingergesten auch auf Touchpads konventioneller Notebooks.

Touchscreens setzen sich zunehmend auch auf Notebooks mit Tastatur durch, da ein Tipp auf den Bildschirm schneller und entspannter von der Hand geht als das Bedienen mit einem hakeligen Touchpad. Darum bedeutet es einen wichtigen Fortschritt, dass sich die sonst per Rechtsklick erreichbaren Kontextmenüs nun wie unter Android durch Drücken und Halten öffnen lassen. Auch kam in Gnome 3.18 eine neue Kalenderanwendung und eine Todo-App hinzu (Abbildung 10).

Abbildung 10: Zum unter Ubuntu üblichen Groupware-Programm Evolution gesellt sich nun ein neuer Kalender.

Insgesamt fallen die Unterschiede zwischen Gnome 3.16 und 3.18 weniger ins Auge als seinerzeit die zwischen 3.14 und 3.16: So hat die vorletzte Gnome-Version den seit Gnome 3 nicht mehr grundlegend aufgefrischten Look in vielen Punkten verfeinert. Das hart wirkende Schwarz des Docks wich einem augenschonenderen Grau.

Maté

Der Gnome-3-Desktop stieß anfangs bei vielen Anwendern auf wenig Gegenliebe: Er bot kaum Konfigurationsmöglichkeiten, viele Funktionen aus Gnome 2 fehlen. Wie auch beim Start von KDE 4 übernahmen andere den von seinen ursprünglichen Entwicklern aufgegebenen Quellcode und pflegen Gnome 2 unter dem Namen Maté weiter. Anders als der KDE-3-Fork Trinity, der sich unter Ubuntu nur per PPA nachrüsten lässt [10], gibt es Maté auch als vorinstallierten Ubuntu-Flavor.

Ubuntu Maté scheint in Version 16.04 den Aufstand zu proben: Im Maté-Tweak-Tool gibt es eine Konfigurationsoption namens Mutiny (engl. für Meuterei, Aufruhr), die per Mausklick das Layout des Standard-Ubuntu-Desktops Unity einrichtet (Abbildung 11). Dabei handelt es sich aber bloß um einen nerdigen Wortwitz, Mutiny klingt so ähnlich wie Unity. Ohnehin lässt sich die für die verbreiteten Widescreens praktische vertikale Button-Leiste auch in KDE nachbilden.

Abbildung 11: Die Panel-Layout-Option Mutiny stellt unter Maté den Unity-Desktop nach.

Neben der "aufrührerischen" Option bietet das Tweak-Werkzeug wie bisher eine Maté-typische Leistenanordnung, die Option Cupertino mit dem Apple-typischen Dock, eine Windows-95-Anordnung sowie den Desktops von OpenSuse und Fedora nachempfundene Layouts. Auch das Maté-Startmenü als Ersatz für das Gnome-2-Menü, der Launcher, ein Programmstarter mit integrierter Dokumentensuche sowie Desktop-Effekte lassen sich dort zuschalten.

Ubuntu Maté enthält die gleichnamige Desktop-Umgebung nun in Version 1.12 – deren Release kam im letzten September für den Vorgänger zu spät. Damit entfallen nun diverse Bugs, die Entwickler nennen als Beispiel sich verschiebende Leisten-Applets bei wechselnder Bildschirmauflösung, etwa beim Anschluss eines Beamers. Ein paar Modernisierungen kamen ebenfalls hinzu. Eine Video-Wiedergabe unterdrückt nun den Bildschirmschoner. Darüber hinaus rüsteten die Entwickler eine zeitgemäße Multi-Touch-Unterstützung nach, eine umgekehrte Scrollrichtung bei Touch-Bedienung sowie einen besseren Support für mehrere Bildschirme.

Trotz der eher moderaten Modernisierung fühlt sich der Maté-Desktop dennoch nicht wie altes Eisen an: Immerhin bietet er mit dem Advanced Menu ein Startmenü, das sich vor modernen KDE-Pendants nicht verstecken muss. Es gibt viele zum Desktop passende Begleitprogramme, darunter ein Terminal sowie einen Dateimanager, der wie in der guten, alten Gnome-2-Zeit auf Wunsch noch eine zweite Spalte einblendet. Daher empfiehlt sich dieses Flavour für zwei Anwendergruppen gleichermaßen: Den Nostalgikern, die sich wehmütig an die Gnome-2-Zeit erinnern, und den Besitzern alter Hardware, denen Maté einen guten Kompromiss aus Bequemlichkeit und sparsamer Ressourcennutzung bietet.

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