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© Maksim Kabakou, 123RF

Datensicherungen, Images und mehr mit Qt4-Fsarchiver

Kopie auf die Schnelle

Mit Qt4-Fsarchiver sichern Sie per Mausklick Dateien, ganze Partitionen und komplette Festplatten-Images.

Im Gegensatz zu gängigen proprietären Systemen unterstützt Linux eine Vielzahl von Dateisystemen, bringt sichere Software zum Verschlüsseln mit und beherrscht eine Vielzahl von Verfahren und Formaten zur Komprimierung. Damit bietet es beste Voraussetzungen, um auch in heterogenen Umgebungen System- und Datensicherungen abzuwickeln. Mit dem grafischen Tool Qt4-Fsarchiver sind Ihnen dabei kaum Grenzen gesetzt.

Das Programm findet sich bei den Mandriva-Derivaten Mageia, OpenMandriva, Alt Linux und Rosa Linux bereits in den Repositories. Unter Ubuntu binden Sie das entsprechende PPA [1] in die Paketquellen ein und installieren die Software anschließend bequem über die Paketverwaltung. Für Linux Mint, Debian "Wheezy" und "Jessie" [2] sowie OpenSuse und Fedora [3] gibt es vorkompilierte Pakete bei Sourceforge. Ein besonderes Schmankerl stellt die Qt4-Fsarchiver-Live-DVD mit einem Umfang von rund 960 MByte dar, die auf Ubuntu 14.04.2 LTS basiert und auch UEFI-Support umfasst.

Nach erfolgreicher Installation finden Sie je nach Distribution im Hauptmenü unter Werkzeuge, Systemwerkzeuge oder Hilfsprogramme einen Starter für Qt4-Fsarchiver. Da das Programm Root-Rechte benötigt, fragt das System bei jedem Start das Administratorpasswort ab. Beachten Sie bitte, dass das Programm auf die Kommandozeilenapplikation Fsarchiver aufsetzt und diese daher ebenfalls installiert sein muss. Bei der Installation via Paketverwaltung wandert Fsarchiver oft automatisch mit auf die Festplatte. Beziehen Sie die Software jedoch aus Drittquellen, müssen Sie das Kommandozeilenwerkzeug meistens manuell auf den Massenspeicher packen.

Programmoberfläche

Qt4-Fsarchiver empfängt Sie mit einer komplex wirkenden, nicht unbedingt intuitiv zu bedienenden Oberfläche. Daher gilt es, erst einmal die wichtigsten Programmfunktionen kennenzulernen, wobei sich detaillierte Vorkenntnisse insbesondere zur Massenspeicherpartitionierung als hilfreich erweisen. Qt4-Fsarchiver blendet denn beim Programmstart auch zunächst ein Hinweisfenster ein, das auf die Datei Liesmich verweist – allerdings unter Angabe eines falschen Verzeichnisses, tatsächlich liegt das File unter /usr/share/doc/qt4-fsarchiver/doc/. Schauen Sie sich den Inhalt auf jeden Fall an, da Sie hier neben einigen Installationshinweisen auch Tipps für den Einsatz des Programms erhalten.

Nach dem Schließen des Hinweisdialogs öffnet sich das eigentliche Programmfenster. Hier finden Sie neben einer Menüzeile am oberen Rand und darunter einer Iconleiste auf der linken Seite einen Bereich mit verschiedensten Einstellungen, während rechts zwei Listenfenster alle erkannten Partitionen und die Dateistruktur in Baumform anzeigen. Die Partitionsliste führt zudem die Dateisysteme der einzelnen Partitionen auf. Allerdings unterstützt Qt4-Fsarchiver nur Btrfs, Ext2/3/4 sowie NTFS voll, das veraltete FAT(32) und VFAT jedoch nur teilweise. Somit eignen sich USB-Sticks nur dann als Quell- oder Zielmedium, wenn Sie sie mit einem der unterstützten Dateisysteme formatiert haben. ISO9660 und das hochmoderne, aber im Linux-Umfeld noch kaum verbreitete ZFS bleiben ganz außen vor. Das etablierte Dateisystem XFS unterstützt Qt4-Fsarchiver jedoch, sodass das Programm auch im Server-Umfeld nützlich sein kann.

Ganz unten im Programmfenster führt ein Infobereich mit entsprechenden Zeitangaben auf, wie viele Dateien und Verzeichnisse Sie zum Sichern freigegeben haben und wie viele bereits gesichert wurden. Ein Fortschrittsbalken rundet die optische Anzeige des Sicherungsvorgangs ab (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Programmfenster von Qt4-Fsarchiver wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich.

Qt4-Fsarchiver bietet im Programmfenster eine große Anzahl Einstellungsoptionen für den jeweiligen Sicherungslauf. Darüber hinaus nehmen Sie unter Einstellungen | Basiseinstellungen eine Grundkonfiguration vor, die zum Tragen kommt, wenn Sie in den Optionen der einzelnen Sicherungsläufe nichts ändern. In einem übersichtlichen Dialog legen Sie fest, wie sich die Software bei Sicherungsläufen und Rekonstruktionen verhält, und spezifizieren verschiedene Optionen zum Sichern auf Rechnern im Netzwerk. Nach Abschluss der Änderungen sichern Sie diese mit einem Klick auf die Schaltfläche Einstellungen speichern (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Basiseinstellungen kommen zum Einsatz, wenn Sie für einzelne Sicherungen keine eigenen Optionen definieren.

Sicherungslauf

Die grafische Oberfläche setzt den Befehlsumfang des Kommandozeilenprogramms Fsarchiver nahezu komplett um, sodass Sie zunächst links im Programmfenster einige Einstellungen vornehmen müssen. Beim Sichern einer Partition legen Sie dabei zunächst fest, ob Sie die Sicherung verschlüsseln möchten. Dazu setzen Sie ein Häkchen vor der Option Sicherung verschlüsseln. Schlüssel: und geben den gewünschten Schlüssel mit einer Länge von 6 bis 64 Zeichen rechts daneben im Eingabefeld ein.

Beim Backup großer Partitionen mit umfangreichen Datenbeständen lässt sich die Sicherung in mehrere Teile splitten, beispielsweise so, dass die Größe der einzelnen Abschnitte mit der Kapazität eines USB-Sticks oder einer CD/DVD korreliert. Um den ersten Block einer startfähigen Partition mitzusichern, setzen Sie zusätzlich einen Haken vor der Option PBR sichern.

Bei Multicore-Systemen lässt sich der Sicherungslauf deutlich beschleunigen, indem Sie dem Programm mehrere Prozessorkerne zuteilen. Die entsprechende Anzahl geben Sie hinter der Option Anzahl der Prozessorenkerne, die für fsarchiver verwendet werden sollen: ein. Anschließend legen Sie fest, welches Kompressionsformat Qt4-Fsarchiver für die Datensicherung anwenden soll. In der zugehörigen Ausklappliste finden sich verschiedenste Kompressionsmethoden, auch mit unterschiedlichen Kompressionsraten, sodass sich je nach vorhandenen Datentypen das Backup signifikant verkleinern lässt.

Im darunterliegenden Eingabefeld definieren Sie einen Namen für die Sicherung. Anschließend müssen Sie noch rechts oben in der Auswahlliste vorhandene Partitionen: das zu sichernde Laufwerk anwählen. Zu guter Letzt suchen Sie darunter im Verzeichnisbaum noch das Zielverzeichnis aus, in dem Qt4-Fsarchiver das Backup ablegt.

Um den Sicherungslauf anzustoßen, klicken Sie links mittig im Programmfenster auf die Schaltfläche Partition sichern. Qt4-Fsarchiver zeigt nun zunächst ein kleines Fenster mit einer Zusammenfassung des Auftrags (Abbildung 3) und legt nach einem Klick auf den Button Partition sichern das komprimierte Backup am angegebenen Ort ab. Während des Ablaufs erhalten Sie im Programmfenster zusätzliche Informationen (Abbildung 1). Nach Abschluss der Sicherung präsentiert Qt4-Fsarchiver in einem Hinweisfenster nochmals eine Statistik zur Anzahl der gesicherten Verzeichnisse, Dateien und Links. Im Zielverzeichnis legt die Software zusätzlich eine kleine Textdatei mit diesen Daten ab.

Abbildung 3: Qt4-Fsarchiver fasst vor dem Backup noch einmal alle Einstellungen in einer gesonderten Anzeige zusammen.

Ohne den Master Boot Record beziehungsweise seinen Nachfolger für sehr große Datenträger mit einer Kapazität von mehr als zwei TByte, die GUID-Partitionstabelle (GPT), startet kein Betriebssystem. Daher empfiehlt es sich, für MBR respektive GPT ein gesondertes Backup zu erstellen. Die entsprechenden Backup- und Restore-Funktionen finden Sie im Menü Aktionen unter MBR/GPT sichern sowie MBR/GPT wiederherstellen. Bei der Sicherung geben Sie in einem Dialog das Sicherungsverzeichnis an und – sofern der Rechner über mehrere Massenspeicher verfügt – diejenige Festplatte oder SSD, deren MBR oder GPT Sie sichern möchten. Mit einem Klick auf MBR/GPT sichern legen Sie eine Kopie der fraglichen Sektoren am gewünschten Ort ab. Analog dazu restaurieren Sie im gleichen Dialog einen zuvor gespeicherten MBR oder eine GPT.

Qt4-Fsarchiver beherrscht auch das schnelle Backup und Restore einzelner Verzeichnisse, die Sie auch rekursiv sichern oder wiederherstellen können. Den zugehörigen Einstellungsdialog öffnen Sie über Aktionen | Verzeichnis sichern und geben dann lediglich noch Quelle und Ziel an. Das Programm komprimiert die Sicherung von Haus aus, wobei Sie auch hier aus mehreren Kompressionsformaten wählen und das Backup optional verschlüsseln können. Ein Klick auf Verzeichnis sichern startet dann den Sicherungslauf (Abbildung 4).

Abbildung 4: Über diesen Dialog sichern Sie in Qt4-Fsarchiver einzelne Verzeichnisse.

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