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© Bruce Rolff, 123RF

Mofo Linux reißt virtuelle Mauern ein

Grenzöffner

Mofo Linux ermöglicht eine sichere digitale Kommunikation auch dort, wo sie politisch oder ideologisch nicht gewollt ist.

Mofo Linux nimmt für sich in Anspruch, dabei zu helfen, weltweite Informationsfreiheit zu ermöglichen. Es bringt die passenden Werkzeuge mit, um politisch motivierte Firewalls von Staaten wie China, dem Iran, der Türkei, Thailand, Syrien, den Vereinten Arabischen Emiraten und anderen Staaten mit repressiven Regimes zu durchdringen. Dazu zählen neben Tor, Tor-Browser und Tor-Messenger auch diverse VPN-Varianten und weitere Werkzeuge wie I2P, Cjdns und Lantern. Das System enthält neben der englischen auch eine arabische und chinesische Lokalisierung.

Mofo Linux [1] spaltete sich 2011 von der Portable-Distribution Porteus ab, die ihrerseits auf Slax und somit auf Slackware aufsetzt. Mittlerweile reifte das System zu einer vollwertigen Distribution und wechselte beim Unterbau zu Ubuntu 15.10. Das Live-Image mit Installer steht bei Sourceforge zum Download bereit [2] und bringt rund 1,6 GByte auf die Waage. Sie können das Image auf einen optischen Datenträger brennen oder mit Unetbootin oder dem Konsolentool Dd auf einen USB-Stick transferieren. Alternativ testen Sie es mit virtuellen Maschinen wie VirtualBox im Live-Betrieb. Den Installer übernahm das Projekt nahezu unverändert von Ubuntu. Er bietet das Einrichten von LVM sowie das Verschlüsseln des gesamten Systems oder nur des Home-Verzeichnisses an.

Tor oder I2P

Als Oberfläche nutzt Mofo Linux den altbekannten Unity-7-Desktop (Abbildung 1), jedoch befinden sich eher unbekannte Icons am linken Bildschirmrand. Hier platziert das Projekt Anwendungen, die dem speziellen Zweck der Distribution dienen. An oberster Stelle unter der obligatorischen Suche steht der Tor-Browser [3]. Er leitet ausgehende Anfragen des Browsers über mehrere Server des Anonymisierungsnetzwerks Tor, um die Identität des Nutzers zu verschleiern.

Abbildung 1: Ubuntus Standard-Desktop Unity 7 stellt die Oberfläche für Mofo.

Daneben ist auch das anonyme Overlay-Netzwerk I2P [4] ("Invisible Internet Project") vorinstalliert. Während Tor hauptsächlich anonyme Proxy-Server für diverse Internet-Dienste bietet, darunter IRC, E-Mail und HTTP, geschieht bei I2P primär alles innerhalb des Netzwerks. Damit fällt auch die bei Tor benötigte und unter Umständen zur De-Anonymisierung verwendbare Knotendatenbank der Directory Server weg. Ein weiterer Vorteil: Der Dienst nutzt Ende-zu-Ende- Datenverschlüsselung. Das bietet Tor nur beim Verwenden der "hidden services".

Allerdings startete der Tor-Browser im vorliegenden Image nicht, sondern lieferte lediglich eine wenig zielführende Fehlermeldung. Eigentlich soll beim ersten Start der Tor-Browser-Launcher starten, den Webbrowser herunterladen und einrichten. Erst nachdem wir über das Ubuntu Software Center (Abbildung 2) den Tor-Browser-Launcher installierten und in der Konsole mit dem Befehl torbrowser-launcher starteten, verrichtete dieser seinen Dienst und führte zu einem startfähigen Tor-Browser (Abbildung 3).

Abbildung 2: Umständlich: Bevor Sie den vorgeblich vorhandenen Tor-Browser nutzen können, müssen Sie ihn erst einmal installieren.
Abbildung 3: Das Sicherheitslevel des Tor-Browsers lässt sich mühelos per Schieberegler an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Sicher teilen

Unter I2P in der Leiste befindet sich der Button, der Onionshare [5] startet. Das Tool dient zum sicheren Austausch von Dateien und benötigt dazu einen im Hintergrund laufenden Tor-Browser, um dessen Dienste zur Anonymisierung zu nutzen. Zu diesem Zweck startet lokal ein kleiner Webserver, der Tor als Hidden Service online verfügbar macht. Die Dateien bekommen eine Zufalls-URL, über die das Gegenüber sie herunterlädt. Die Größe der Files spielt dabei keine Rolle. Ein Dokument auf GitHub verrät weitere technische Einzelheiten [6].

Als Nächstes enthält die Leiste Bitmask VPN [7], einen von mehreren in Mofo verfügbaren VPN-Clients. Bitmask (Abbildung 4) bietet Verschlüsselung für Internetverbindungen und E-Mail. Dabei wählen Sie zwischen vorgegebenen VPN-Anbietern wie etwa Riseup oder einem eigenen.

Abbildung 4: Bitmask VPN erlaubt das problemlose Verbinden des Rechners mit vorgegebenen oder frei wählbaren VPN-Diensten.

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