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Open365 bringt LibreOffice, Kontact und Jitsi in die Cloud

Ganzjährig geöffnet

Büropaket, E-Mail-Client und Videochat laufen heute oft als "Software as a Service" im Netz. Den Platzhirschen Google Drive und Office 365 stellt Open365 nun ein webbasiertes LibreOffice samt Contact und Jitsi entgegen.

Viele Bildschirmarbeiter nutzen heute statt eines einzelnen Computers mehrere Geräte im Wechsel – typischerweise PC, Notebook, Smartphone und Tablet. Für den Anwender bedeutet das, dass er nicht nur die Daten zwischen den Computern abgleichen muss, sondern auch kompatible Software für all diese Geräte benötigt. Nicht zuletzt deswegen wird "Software as a Service" (SaaS) immer wichtiger: Statt Software lokal zu installieren, nutzt man Cloud-basierte Dienste, die sich plattformunabhängig von allen Geräten aus aufrufen lässt.

Bekanntlich haben hier die großen Software-Konzerne bereits den Fuß in der Tür: Microsoft bietet seit Mitte 2011 sein webbasiertes Office 365 in Form eines kostenpflichtigen Abo-Modells an. Google beharkt den Markt sogar schon zehn Jahre mit Google Docs, Sheets und Slides. In bester Google-Manier bleibt die Nutzung der Dienste kostenlos. Ob nun aber Google oder Microsoft: Nutzen Sie SaaS, geben Sie hier wie da die Hoheit über Ihre Daten auf.

Jede Menge Cloud

Mit Open365 [1] betritt nun eine weitere Alternative die Szene: Der Dienst vereint die bekannten Open-Source-Werkzeuge LibreOffice als Büropaket, Seafile [2] als Synchronisationswerkzeug, KDE Kontact [3] zur Adress- und E-Mail-Verwaltung sowie Jitsi [4] als Instant Messenger unter einer Oberfläche.

Der Dienst befindet sich aktuell (Ende April 2016) in der Beta-Phase, die Registrierung steht jedoch jedem Interessenten offen. Ergänzend zur Web-Oberfläche bietet Open365 einen Desktop-Client an sowie eine Android-App [5], die ähnlich wie bei Dropbox zum Synchronisieren von Daten dienen. An der iOS-Variante der mobilen App arbeiten die Entwickler momentan noch.

Als zentraler Baustein von Open365 dient die Weboberfläche von Seafile (Abbildung 1), welche Open365 leicht erweitert. In diesem Interface organisieren Sie Ihre Daten in Bibliotheken (Libraries) und verschlüsseln diese bei Bedarf. Insgesamt steht Ihnen dazu 20 GByte Speicherplatz kostenlos zur Verfügung.

Abbildung 1: Die Weboberfläche von Open365 stammt von Seafile und wurde um LibreOffice sowie eine Voice- und Videochat-Funktion erweitert.

Ähnlich wie Dropbox und anders als Google Drive, wo noch immer Linux-Support fehlt, bietet auch Open365 ein PC-Programm für Linux, Mac OS X und Windows an, das im Hintergrund die Daten zwischen PC und Onlinespeicher abgleicht (Abbildung 2).

Abbildung 2: Auch der von Open365 für Desktop-PCs zum Synchronisieren von Daten bereitgestellte Client stammt aus dem Seafile-Projekt.

Installation

Der Open365-Client basiert wie die Weboberfläche des Dienstes auf Seafile. Sie spielen das Programm über die Paketverwaltung in Form einer DEB-Datei ein. Open365 gibt an, Ubuntu ab Version 14.04 zu unterstützen, das Paket lässt sich jedoch auch auf Debian 8 "Jessie" installieren. Sowohl Ubuntu 16.04 als auch Debian "Unstable" fehlen jedoch die vom Paket als Abhängigkeit angeforderten Qt4-Bibliotheken, sodass Sie hier auf ein Update der Open365-Entwickler warten müssen. Bei der Windows-Version des Clients schlagen beim Ausführen des Setups verschiedene Virenscanner an – die Ursache dafür war zur Drucklegung Ende April noch nicht klar [10].

LibreOffice im Web

Das Seafile-Frontend von Open365 bietet die Möglichkeit, Daten hochzuladen und diese via Client zwischen verschiedenen Rechnern abzugleichen. Daneben lassen sich Dateien oder ganze Bibliotheken für weitere Personen freigeben – inklusive der Option, diese Dateien einer Bibliothek hinzuzufügen. Außerdem finden Sie im Frontend ein persönliches Wiki, einen Editor für Textdateien mitsamt Markdown-Formatierung, einen Bildbetrachter mit Galerieansicht sowie einen HTML5-basierten Abspieler für diverse Videoformate. Die wohl wichtigste Komponente stellt jedoch das webbasierte LibreOffice dar.

Open365 beinhaltet die Textverarbeitung Writer (Abbildung 3), die Tabellenkalkulation Calc (Abbildung 4) sowie das Präsentationswerkzeug Impress aus LibreOffice 5.1.0.3. Die Programme stellen dieselben Funktionen zur Verfügung wie ein lokal installiertes LibreOffice. Zwar beschränkt sich die Cloud-Variante bislang auf eine englische Lokalisierung, doch zumindest die Rechtschreibprüfung lässt sich in Writer unter Tools | Language auf auf Deutsch umstellen. Technisch basiert die Implementation der Linux-Programme auf dem Web-Desktop [6] von EyeOS, dessen erste Versionen noch unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurden [7].

Abbildung 3: Das LibreOffice aus Open365 spricht nur Englisch – wenigstens lässt sich die Rechtschreibkorrektur auf Deutsch umstellen.
Abbildung 4: Mit Open365 bearbeiten Sie neben LibreOffice-Dokumenten auch solche in Microsofts Office-Open-XML-Format.

Für direkte Tests stellt Open365 im Ordner My Library eine Reihe von Beispieldateien bereit, inklusive aktueller Microsoft-Office-Dokumente. Eigene Dokumente speichern Sie in einer beliebigen Bibliothek ab und sichern die Dateien dann beispielsweise mit dem Open365-Client auf Ihren PC, auf dem Sie nahtlos mit dem Bearbeiten der Datei fortfahren können. Lokal vorgenommene Änderungen synchronisiert der Client wieder mit dem Onlinespeicher, sodass die Daten immer auf dem aktuellen Stand bleiben.

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Kommentare
Funktioniert noch nicht
Thomas (unangemeldet), Dienstag, 07. Juni 2016 20:50:08
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Wir haben die Textverarbeitungskomponente ausprobiert und festgestellt, dass es nicht noch nicht funktioniert. Synchronisierung dagegen schon, sofern es etwas zu synchronisieren gaebe.


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Re: Funktioniert noch nicht
Milber (unangemeldet), Samstag, 11. Juni 2016 05:30:18
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Ja, Synchro funktioniert sehr gut und die Bearbeitung der Texte eigentlich auch, außer man will Tastenkombinationen verwenden. Aber das wird noch, denn so kann man es ja nicht lassen. Und es ist ja auch nur evtl. beta, eher alpha.
Doch, wenn man schon LO oder OO nutzt dann wird das die optimale Anlaufstelle.
Noch viel Arbeit, das ist klar, aber die machen das. Wenn man also (wie ich) im Normalfall offline arbeitet dann ist es auf jeden Fall ein gutes Datengrab, in dem odf gut aufgehoben sind. Und es kann mit .docx besser umgehen als Microsofts Angeot mit .odf.
Gut gemacht, trotz noch bestehender Schwächen.


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Bisher ist das Paket nur sehr eingeschränkt nutzbar
Milber (unangemeldet), Montag, 06. Juni 2016 18:18:42
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Ich habe das sofort installiert, als ich von dem Dienst gelesen hatte. Als LOler idel, weil man die odfs ohne jegliche Einbußen benutzen kann.
ABER: online ist der Writer kaum nutzbar. Bei mir (WIN10) ist eine ganz normale Sache wie zum Anfang oder Ende eines Textes nicht machbar, in einer Textverarbeitung nicht hinnehmbar.
Der Desktopclient (also die Einbindung und Synchro im Explorer klappt sehr gut, und ich habe halt jetzt auch die Möglichkeit, alles unproblematisch mit Linux und Windows zu benutzen, klasse gemacht und dringend notwendig.
Aber die online-Nutzung muss sich noch deutlich verbessern.
Eine Synchronisation mit Google Mail ist extrem schadhaft: ich musste meinen Zugang löschen und einen neuen Zugang registrieren, das das Online Office nach der Verbindung mit gmail nicht mehr nutzbar war, auch ein Neustart des PCs half nichts.
Also: erst mal Finger weg von der Mail-Komponente.


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