Kaum optimierte Apps

Viel schlimmer wiegt allerdings, dass sich in den Anwendungen keinerlei Texte eingeben lassen: Auf dem regulären Testgerät weigert sich das System, die virtuelle Tastatur zu öffnen. Weder in Gimp noch in LibreOffice oder Firefox lässt sich irgendeine Art von Text eintippen. Nur der für Ubuntu Touch optimierte Canonical-Webbrowser und andere optimierte Apps blenden wie gewünscht die virtuelle Tastatur ein (Abbildung 4). Für sinnvolles Arbeiten mit Desktop-Apps benötigen Sie daher eine ausgewachsene Tastatur – im Test koppelte sich das Tablet per Bluetooth anstandslos mit einer Logitech K811.

Abbildung 4: Die Bedienelemente von LibreOffice und den anderen "Desktop-Apps" sind auf dem Display der Full-HD-Variante kaum zu erfassen.

Unser nächster Versuch galt speziell für hochauflösende Bildschirme angepasste Anwendungen. Auf dem Aquaris M10 finden Sie den schon etwas angestaubten Spiele-Titel "Cut the rope". Er läuft durchaus flüssig, doch bei genauem Hinsehen lassen sich durchaus Ruckler in den Animationen beobachten. Außerdem erscheinen einige Grafiken unschön hochskaliert. Solche Effekte kann man auch bei den optional erhältlichen Titeln "Machines vs. Machines" oder "Negative Space" beobachten, die Spiele selbst laufen jedoch flüssig auf dem System. Linux-Game-Klassiker wie "Tux Racer" oder "Neverball" verstehen sich hingegen gar nicht mit dem Ubuntu Tablet: Hier erscheinen die Menüs verkehrt auf die Seite gedreht und lassen sich nicht bedienen.

Convergence

Die am sehnlichsten erwartete Funktion des Aquaris M10 Ubuntu Edition leiten Sie ein, indem Sie das Gerät mit einem MicroHDMI-auf-HDMI-Kabel an einen Fernseher oder Computerbildschirm anschließen. Dem Convergence-Prinzip entsprechend erscheint nun nicht nur das Bild des Tablets auf dem angeschlossenen Monitor, sondern Sie erhalten einen fast vollständigen Ubuntu-Desktop, wie Sie ihn vom PC her kennen (Abbildung 5). Das System übernimmt dabei sämtliche aktive Anwendungen, die nun nicht mehr als Apps erscheinen, sondern in Fenstern Platz finden. Sämtliche Inhalte bleiben erhalten, Sie müssen die Anwendungen nicht neu starten – zumindest in der Theorie.

Abbildung 5: Auch ohne externen Monitor kann man zwischen dem Desktop- und dem Tablet-Modus hin und her wechseln.

In der Praxis stürzt des Öfteren beim Anschließen des Kabels der Displaymanager ab, startet aber automatisch wieder neu durch. Danach erscheint ein Bild auf dem externen Display. Das Display des Tablets dient in diesem Modus als Ersatz für ein Touchpad (Abbildung 6). Das Pre-Order-Modul enttäuschte hier jedoch mit einer starken Latenz zwischen den Eingaben auf dem Tablet und der Reaktion auf dem Monitor. Dieses Problem ließ sich (trotz identischer Firmware) auf dem offiziellen Testgerät nicht nachvollziehen. Einen Dual-Screen-Modus, bei dem sich beide Displays gleichzeitig nutzen lassen, gibt es nicht. Bei Bedarf können Sie den "Desktop-Modus" über das System-Menü auch ohne einen externen Monitor aktivieren.

Abbildung 6: Mit via Bluetooth gekoppelter Maus und Tastatur sowie einem HDMI-fähigen Monitor lässt sich das Aquaris M10 theoretisch als Ersatz für einen Desktop-PC nutzen.

Ansonsten hält die Convergence, was sie verspricht: Die auf dem Tablet gestarteten Apps erscheinen auf dem angeschlossenen Display automatisch als Fenster. Das funktioniert auch anders herum: Starten Sie neue Programm im Desktop-Modus und ziehen dann den HDMI-Stecker vom Tablet ab, bleiben die Anwendungen im Tablet-Modus als App erhalten. Die Funktion bietet jedoch noch Potenzial für Verbesserungen: So leitet das Tablet den Audio-Ausgang nicht über HDMI weiter, Klänge spielt das Tablet daher trotz an den Monitor angeschlossenen Boxen weiterhin über die internen Lautsprecher ab.

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