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© Andrii Didenko, 123RF

Freie Cloud-Lösung Pydio

Exotisch

Cloud-Lösungen für kleine Netze basieren meist auf Owncloud oder – seltener – Seafile. Mit Pydio versucht ein drittes Open-Source-Produkt hier Fuß zu fassen.

Geht es um lokale Cloud-Lösungen, so kommen den meisten Anwendern zwangsläufig bekannte Produkte wie Owncloud oder Seafile in den Sinn. Pydio [1] dagegen fristet bislang ein Dasein als weithin unbekanntes Mauerblümchen – obwohl sich die Software ebenfalls bereits seit geraumer Zeit in der Entwicklung befindet und auf ähnliche Konzepte setzt wie die beiden Platzhirsche.

Das ehemals unter dem Namen Ajaxplorer firmierende Produkt möchte dabei insbesondere aufgrund seiner eingängigen Bedienung im Webbrowser auch kleine und mittlere Arbeitsgruppen für sich gewinnen, die zunächst einmal ausloten wollen, ob eine zentrale Datenhaltung per Cloud für sie infrage kommt.

Vorbereitungen

Als Voraussetzungen für den Einsatz des Pydio-Servers müssen Sie einen Webserver und ein Datenbanksystem installieren. Pydio lässt sich zu Testzwecken zwar auch ohne Datenbank-Backend betreiben; für den produktiven Einsatz raten die Entwickler jedoch explizit dazu, eine DBMS-Lösung aufzusetzen. Es empfiehlt sich daher, für den Betrieb der Cloud-Lösung den Apache-Webserver, die Datenbank MySQL und PHP zu nutzen. Der in PHP geschriebene Pydio-Server unterstützt zusätzlich PostgreSQL und SQLite als Datenbank-Backend und kann auch mit anderen Webservern umgehen, wie beispielsweise Nginx oder Lighttpd. Deren schlechtere Dokumentation erschwert jedoch insbesondere Einsteigern die Konfiguration.

Neben unterschiedlichen Paketen für RPM- und DEB-basierte Linux-Distributionen stellt das Pydio-Projekt seinen Server auch in Gestalt eines distributionsunabhängig nutzbaren Tarballs sowie als ZIP-Archiv bereit. Kurzanleitungen zur Installation des Cloud-Servers unter diversen Distributionen finden Sie auf der Webseite des Projekts. Hier erfahren Sie auch, wie Sie die Pydio-Paketquellen in Ihr Linux-System integrieren [2].

Unter Ubuntu und Linux Mint, die als Testplattform dienten, binden Sie daher im ersten Schritt das entsprechende Repository ein, indem Sie im Terminal mit einem Texteditor und mit Root-Rechten die Datei /etc/apt/sources.list öffnen und die darin enthaltene Archivliste ergänzen. Dazu tragen Sie am Ende der Datei die Zeile aus Listing 1 ein. Nach dem Abspeichern der modifizierten Datei importieren Sie den öffentlichen Schlüssel. Anschließend aktualisieren Sie die Paketliste und spielen die Cloud-Software ein, wobei die Routine die benötigten Abhängigkeiten automatisch auflöst (Listing 2).

Listing 1

deb https://download.pydio.com/pub/linux/debian jessie-backports main

Listing 2

$ wget -qO - https://download.pydio.com/pub/linux/debian/key/pubkey | sudo apt-key add -
$ sudo apt update
$ sudo apt install pydio mysql-server php5-mysql

Pydio installiert im selben Zug den Apache-Webserver zusammen mit PHP5, zusätzlich lassen Sie den Paketmanager gleich noch den MySQL-Server sowie die Schnittstelle zu PHP einspielen. Dabei legen Sie ein gesondertes Root-Passwort für die Datenbank an.

Danach ändern Sie den Eigentümer des Installationsverzeichnisses /usr/share/pydio/, damit Apache darauf Schreibrechte erhält (Listing 3). Im letzten Schritt aktivieren Sie noch das PHP-Modul Mcrypt sowie Mod-Rewrite für Apache und starten den Webserver neu.

Listing 3

$ sudo chown -R www-data:www-data /usr/share/pydio/
$ sudo php5enmod mcrypt
$ sudo a2enmod rewrite
$ sudo service apache2 force-reload

Anschließend loggen Sie sich als Administrator in MySQL ein (Listing 5). Am MySQL-Prompt legen Sie zunächst die Datenbank pydio an. Danach erhält der Nutzer pydiouser Zugriff auf die frisch erzeugte Datenbank mit dem vorgegebenen Passwort (Abbildung 1). Nach Abschluss dieser Arbeiten verlassen Sie den MySQL-Prompt, die Installation ist nun einsatzbereit.

Listing 5

$ mysql -u root -p
mysql> create database pydio;
mysql> grant all on pydio.* to 'pydiouser'@'localhost' identified by 'Passwort';
mysql> FLUSH PRIVILEGES;
mysql> exit
Abbildung 1: Die von Pydio benötigte Datenbank müssen Sie per Hand im MySQL-Server anlegen.

Erstkonfiguration

Die restliche Konfiguration von Pydio erfolgt bequem über einen Webbrowser. Dazu rufen Sie die URL http://<I>IP-Adresse<I>/pydio auf und gelangen so auf die Startseite des Pydio-Servers. Dort finden Sie eine Übersicht aller vorhandener Module samt deren aktuellem Status. Die auf der Startseite in aller Regel im oberen Bereich vorhandenen Warnungen tangieren in der Regel nicht die Funktionsfähigkeit des Servers (Abbildung 2).

Abbildung 2: Zu Beginn der Erstkonfiguration führt die Installationsroutine eine Prüfung durch.

Mit einem Klick auf den Link CLICK HERE TO CONTINUE TO PYDIO oberhalb der Diagnose-Ansicht gelangen Sie zur Erstkonfiguration von Pydio. Die beginnt mit der Auswahl der Sprache, danach rufen Sie über Assistent starten! den eigentlichen Einrichtungsassistenten auf. Hier tragen Sie die Zugangsdaten für den zukünftigen Administrator ein. Anschließend definieren Sie im Listenmenü Datenbankverbindung, mit welchem DBMS-System Sie Pydio betreiben. Geben Sie hier die Daten der von Ihnen bereits angelegten MySQL-Datenbank ein.

Mit einem Klick auf Verbindung testen kontrollieren Sie die Anbindung an die Datenbank. Im letzten Schritt der Ersteinrichtung passen Sie im Bereich Erweiterte Einstellungen Serverpfad, Sprache und Zeichensatz an. Anschließend klicken Sie auf die etwas verwirrend benannte Schaltfläche Pydio jetzt installieren. Der Assistent konfiguriert den Cloud-Server nun entsprechend Ihren Angaben, anschließend erscheint der Login-Dialog von Pydio. Dort melden Sie sich mit den im Assistenten eingegebenen Zugangsdaten als Administrator ein.

Die kommerzielle Variante

Pydio bietet seine Software nicht nur in der Open-Source-Variante an, sondern auch als Dienstleistung in einer kommerziellen Variante. Diese können Sie nach einer Registrierung kostenlos 30 Tage lang für bis zu zehn Nutzer einsetzen, jedoch ohne Support-Optionen. Im Vergleich zur getesteten Community-Variante soll das kommerzielle Pendant eine verbesserte Benutzerverwaltung, eine höhere Sicherheit und auch ein umfangreicheres Dashboard zur Administration aufweisen. Zusätzlich stellt Pydio vorkonfigurierte Client-Apps bereit. Der kostenpflichtige Support der Enterprise-Variante schlägt mit mindestens 1350 Euro pro Jahr zu Buch. Zudem bietet Pydio Support-Pakete für jeweils 1500 Euro an, die pauschal fünf Tickets pro Jahr mit jeweils 30 Minuten Support-Dauer für bis zu 50 Anwender beinhalten.

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