Das Betriebssystem

Die Distribution besticht bereits in der Live-Variante mit einem trotz der kleinen Größe des ISO-Images von nur knapp 900 MByte erstaunlich umfangreichen Bestand an Software. So finden Sie nicht nur alle gängigen Untermenüs, sondern zusätzlich in jedem Menü eine Vielzahl von Applikationen.

Der geringen Größe des Images entsprechend verzichtet das Live-System jedoch auf Programme, die an den knappen Ressourcen nagen: Anstelle von LibreOffice fungieren im Untermenü Office Gnumeric und Abiword als Programme für das digitale Büro, als Webbrowser ist Chromium vorinstalliert, und Software zum Bearbeiten von Bildern fehlt ganz.

Lediglich diverse Betrachter sind vorhanden. Um multimediale Inhalte anzusehen, ist jedoch der Generalist VLC ins System integriert, und im Menü Accessories findet sich eine stattliche Zahl an Dienstprogrammen.

Um das Betriebssystem auf Ihren Massenspeicher zu packen, rufen Sie mit einem Doppelklick auf das Symbol Install GalliumOS auf dem Desktop die von Ubuntu her bekannte grafische Routine für die Installation auf, die Sie in wenigen Schritten zu einem stationären System auf dem Chromebook führt. Dabei gibt diese als Installationsort auf Geräten mit eMMC-Massenspeicher das Gerät mmcblk0 vor, da diese Computer über keine herkömmliche Festplatte oder SSD verfügen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Massenspeicher des Chromebooks hat den Namen mmcblk0.

In wenigen Minuten ist das System einsatzbereit. Nach einem Neustart empfiehlt es sich zunächst, den Zugang zum Internet herzustellen. Dazu klicken Sie unten rechts im Panel auf das WLAN-Symbol und geben anschließend die Daten zum Authentifizieren für das gewünschte Netz ein.

Im Menü System steht mit Synaptic-Paketverwaltung das grafische Frontend des Paketmanagers bereit, wobei Sie aufgrund der Kompatibilität von GalliumOS zu Ubuntu Zugriff auf den kompletten Bestand des Betriebssystems von Canonical haben. Hierbei handelt es sich immerhin um knapp 50 000 Pakete, die Synaptic listet. Bereits in der Standardeinstellung sind dabei sämtliche Repositories freigeschaltet.

Praxistest

Auf beiden HP-Chromebooks stand nach erfolgreicher Installation zunächst ein Test des Ressourcenbedarfs des Betriebssystems an. Dabei stellte sich heraus, dass der Bedarf an Arbeitsspeicher ebenso wie an Massenspeicher erstaunlich gering ausfällt: Trotz des mittlerweile etwas umfangreicheren XFCE-Desktops benötigt dieser lediglich etwa 420 MByte Arbeitsspeicher. Das gesamte Betriebssystem belegt zudem auf dem Massenspeicher zunächst nur rund 3,5 GByte.

Diese sehr niedrigen Werte zeigen, wie sorgfältig die Entwickler von GalliumOS nicht nur schlanke Applikationssoftware ins System eingepflegt haben, sondern dass sie zudem massiv am Kernel gearbeitet haben, um das System zu beschleunigen. Tatsächlich läuft der schwächere Celeron-Prozessor mit zwei Kernen des kleineren Chromebooks kaum unter Last (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Systemlast unter GalliumOS hält sich in Grenzen.

Auffallend ist außerdem die exzellente Hardware-Unterstützung – und das, obwohl es sich um einen noch sehr aktuellen Chipsatz und um eine brandneue WLAN-Karte in den Testgeräten handelt. Selbst die Audiokomponete der Chromebooks lief anstandslos.

Sehr deutliche Verbesserungen im Vergleich zu früheren Ubuntu-Versionen ließen sich zudem bei der Unterstützung der unterschiedlichen Betriebsmodi der Mobilcomputer feststellen: Die Geräte wachten nach dem Zu- und anschließenden Aufklappen des Displays anstandslos wieder aus dem Energiesparmodus auf.

Andere ACPI-Problembereiche wie das zeitgesteuerte Abdunkeln und Ausschalten des Bildschirms nach einer definierten Phase der Inaktivität oder die WLAN-Funktionalität nach einem Suspend funktionierten tadellos.

Um die Leistungsgrenzen der Chromebooks mit Linux zu testen, haben wir in einem weiteren Test beide Geräte mit einer Software zum Transkodieren von Videos bestückt: Das Programm Handbrake benötigt dazu nicht nur einen größeren Arbeitsspeicher als herkömmliche Office- oder Internet-Applikationen, sondern macht auch von verschiedenen Hardware-Erweiterungen der Intel-Architektur regen Gebrauch.

So verwendet Handbrake den bei Intel-Prozessoren im Jahr 2007 eingeführten SSE4-Befehlssatz, der das Streaming multimedialer Inhalte beschleunigt. Verfügt die genutzte CPU nicht über diese Erweiterungen, so läuft das Umwandeln mit deutlich verminderter Geschwindigkeit.

Bei den Messungen kamen die Geräte bei herkömmlicher PAL-Auflösung der Videos auf Geschwindigkeiten beim Umrechnen auf Werte zwischen 35 und 60 Frames pro Sekunde – das liegt etwa auf dem Niveau von Core-2-Duo-Prozessoren der Merom- und Penryn-Generationen (Abbildung 6). Damit nehmen es die HP-Laptops durchaus mit ausgewachsenen Notebooks etwas älterer Bauart auf.

Abbildung 6: Fast so schnell wie mit großen Notebooks meistern Sie selbst rechenintensive Aufgaben.

Positiv ist in diesem Kontext zusätzlich anzumerken, dass die Testgeräte selbst bei voller Last aufgrund der geringen Energieaufnahme kaum Abwärme erzeugten. So konnten wir selbst direkt unterhalb der CPU am Gehäuse lediglich eine leichte Wärmeentwicklung feststellen.

Auch die Laufzeit des Akkus verkürzte sich unter Volllast nicht merklich: Obwohl während des Transkodierens von Videos ein externes, über eine USB-Buchse angeschlossenes DVD-Laufwerk als Quelle diente, lag die geschätzte Laufzeit nach Abschluss des Vorgangs noch bei rund fünf Stunden.

Selbst umfangreiche Office- und Internet-Applikationen wie LibreOffice und Firefox, die zum Test ebenfalls auf den HP-Geräten liefen, brachten die Systeme nicht aus dem Tritt. Das Streamen von HD-Videos aus dem Internet im Vollbildmodus meisterten die Systeme ebenfalls, wobei dabei jedoch die CPU-Last auf beiden Kernen des N2840-Prozessors deutlich bis auf etwa 80 Prozent stieg.

Beim Abspielen multimedialer Inhalte fiel uns zudem das sehr gut konstruierte Audio-System auf: GalliumOS hatte keinerlei Probleme damit, das Audio-System der Chromebooks korrekt anzusprechen, und durch ein ausgeklügeltes Lautsprecher-System an der Unterseite der Geräte bot sich uns auch ein für Mobilrechner ungewohnt voller und klarer Klang.

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