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© Ernesto Ochoa Sainz, 123RF

Chromebooks mit Linux nutzen

Entfesselt

Chromebooks sind fest im Google-Käfig eingesperrt. Mit dem richtigen Know-how zeigen Sie den Knebeldiensten aber die rote Karte und betreiben die Geräte mit freier Software.

Chromebooks haben sich als preisgünstige Alternative zu herkömmlichen Notebooks der Einstiegsklasse und in den kleineren Varianten als Nachfolger der Netbooks fest im Markt etabliert. Inzwischen sind Geräte von vielen Herstellern und mit nahezu jeder Displaygröße erhältlich, wobei allerdings alle Modelle fest an das Betriebssystem Chrome OS von Google gekoppelt sind.

Manch Interessent, der mit einem solchen Gerät liebäugelt, schreckt trotz der mittlerweile recht potenten Hardware der Rechner die arg begrenzten Möglichkeiten des Betriebssystems ab: Aufgrund des Konzepts als webbasiertes Betriebssystem mit fester Integration in das Google-Ökosystem ist Chrome OS nach wie vor nur eingeschränkt für den täglichen Einsatz zu gebrauchen.

Ein weiterer Aspekt, der gegen das System aus Mountain View spricht, sind die gravierenden Bedenken beim Datenschutz. Google gilt als einer der größten Sammler von Daten weltweit und hat durch das enge Verknüpfen seiner Online-Dienste in Chrome OS leichtes Spiel, persönliche Daten der Anwender in großer Menge abzufischen und Profile der Nutzer zu generieren.

Außerdem ist Google als US-amerikanischer Konzern der dortigen Rechtsprechung unterworfen und somit gezwungen, die Daten von ausländischen Nutzern nach entsprechenden Anordnungen an US-Behörden herauszugeben.

Doch das enge Band zwischen Betriebssystem sowie Google-Diensten und der Hardware ist nicht gottgegeben, und so haben findige Köpfe aus der freien Entwickler-Gemeinschaft diese Fesseln gesprengt und Linux für Chromebooks angepasst. Der einfachste Weg führt dabei über ein Dual-Boot-System mithilfe des Tools Chrx [1]. Alternativ nutzen Sie ein gesondertes Linux-Derivat in einem Fenster unter Chrome OS mit Crouton [2].

Beide Optionen haben den gravierenden Nachteil, dass die parallele Installation zweier Systeme unnötig viel Platz auf dem relativ kleinen Massenspeicher des Chromebooks belegt und obendrein beim Einsatz von Chrome OS nach wie vor ein adäquater Datenschutz nicht gewährleistet ist.

Daher empfiehlt sich als sinnvolle Variante das komplette Löschen von Chrome OS durch eine entsprechend angepasste Distribution. Für den Fall, dass Sie das Google-System komplett vom Massenspeicher eines entsprechenden Geräts verbannen wollen, hat der Konzern aus Mountain View jedoch zahlreiche Maßnahmen getroffen, die es Nutzern mit geringeren EDV-Kenntnissen enorm erschweren, alternative Software zu installieren.

Hürdenlauf

Ein alternatives Betriebssystem exklusiv anstelle von Chrome OS auf einem Chromebook zu installieren, setzt nicht nur einen Austausch der Firmware des Geräts durch eine freie Variante voraus, sondern erfordert in der Regel einen Eingriff in die Hardware: Die meisten Geräte sind mit einem speziellen Jumper oder einer Schraube auf der Hauptplatine ausgestattet, die die Systemsoftware in den Read-Only-Modus versetzen.

Nur wenn Sie den Jumper schließen oder die Schraube entfernen, sind die Schreibzugriffe erlaubt, und Sie dürfen die Firmware modifizieren. Häufig sind beide Bauteile vorhanden, und es kommt außerdem vor, dass der Hersteller noch ein Garantiesiegel über die entsprechende Schraube geklebt hat, sodass im Falle des Entfernens die Garantie erlischt.

Manche Unternehmen legen außerdem nicht die Position der betreffenden Bauteile auf dem Motherboard der Geräte offen, sodass Sie zum Auffinden dieser Komponenten auf Recherchen im Internet angewiesen sind.

Ein weiteres Problem ergibt sich durch die uneinheitliche Hardware: Firmware-Modifikationen und somit ein Austausch des BIOS sind bei Weitem nicht auf allen Chromebooks möglich: Die entsprechenden freien Lösungen berücksichtigen bestimmte Intel-Chipsätze (noch) nicht und verweigern auf Chromebooks mit ARM-Architektur grundsätzlich den Dienst.

Damit scheitert eine exklusive Installation von Linux auf Systemen mit Samsungs Exynos-Prozessoren oder Tegra-Chips von Nvidia. Auch CPUs des Herstellers Rockchip bleiben außen vor. Deshalb empfiehlt es sich, vor dem Kauf eines Chromebooks im Internet entsprechende Listen mit grundlegenden technischen Spezifikationen der Geräte zu prüfen [3].

Software

Im Test fiel die Wahl der passenden Distribution für Chromebooks auf GalliumOS [4]. Es basiert auf Xubuntu, ist jedoch speziell für die mit Intel-Hardware arbeitenden Chromebooks optimiert. Das System liegt dabei in verschiedenen Varianten für unterschiedliche Prozessor-Generationen von Intel vor, wobei es derzeit die Architekturen ab der zweiten Generation (Sandy Bridge) bis zur fünften Generation (Broadwell) unterstützt.

Daneben ist zusätzlich ein ISO-Image für die Bay-Trail-Architektur von Intel erhältlich, welche die aktuellen Atom-Prozessoren zusammenfasst. Die ISO-Images installieren jeweils ein 64-Bit-Betriebssystem und sind durch spezielle Anpassungen im Kernel vor allem für die schwächere Hardware der Bay-Trail-Architektur optimiert: So sind zwei alternative Scheduler für I/O-Operationen (BFQ) und Prozesse (BFS) in den Kernel integriert, die die Organisation von Prozessen vereinfachen und die Latenz bei Zugriffen auf Speicher minimieren.

Im Kernel haben die Entwickler zudem nicht benötigte Module deaktiviert, und nicht genutzte Systemdienste entfernt. Zusätzlich haben sie den minimalen GPU-Takt herabgesetzt, und die häufig unbefriedigende Leistung der Touchpad-Module unter Standard-Systemen verbessert, indem das Modul aus Chrome OS zum Einsatz kommt. Zudem ist anstelle des regulär in Xubuntu genutzten LightDM LXDM als Display-Manager enthalten, um Systemressourcen zu schonen.

qL:GalliumOS wird zudem sehr sorgfältig dokumentiert, sodass eine Liste der kompatiblen Hardware existiert, die die Auswahl der zum Betriebssystem passenden Komponenten erleichtert [5].

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