In der Praxis

Aufgrund der lizenzrechtlichen Probleme verläuft die Integration von ZFS ins Linux-Universum derzeit nur sehr zögerlich. Die vorhandenen Lösungen eignen sich lediglich für den Einsatz in größeren Umgebungen, während Desktop-Varianten – von einer einzigen Ausnahme abgesehen – bislang ZFS nicht unterstützen.

Canonical hat mit seiner Ankündigung viel Staub aufgewirbelt, ZFS fest in Ubuntu 16.04 LTS zu integrieren. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die "Integration" jedoch als halbfertige Mogelpackung, selbst interessierte Power-User scheitern noch an der praktischen Umsetzung. So fehlt dem Ubuntu-Installer Ubiquity beim Einrichten der Massenspeicher die Option, ZFS zu nutzen.

Anwender müssen also auf die Kommandozeile wechseln und das gesamte System händisch einrichten. Das setzt gute Kenntnisse der Nomenklatur und Funktionsweise von ZFS voraus. Für bereits mit Ubuntu oder dessen offiziellen Derivaten installierte Systeme gibt es zwar mittlerweile im Internet eine Anleitung zur Installation mit virtualisierten Containern, die jedoch für Endnutzer in kleinen Umgebungen und auch für ein Selbstbau-NAS hoffnungslos überdimensioniert ist.

Als Vorreiter in Sachen ZFS-Integration auf dem Linux-Desktop profiliert sich hingegen das Arch-Derivat Antergos. Ohne viel mediales Getöse nahmen die Entwickler der spanischen Distribution eine ebenfalls auf OpenZFS basierende Integration des Sun-Dateisystems vor und passten dabei auch den Installer Cnchi entsprechend an.

Cnchi gestattet zwar bei Weitem nicht die Nutzung des vollen Funktionsumfangs von ZFS, bietet dafür jedoch eine einfache Möglichkeit, das Betriebssystem mit ZFS aus dem Stand sinnvoll zu nutzen. Weitergehende Konfigurationsoptionen können Sie dann bei Bedarf per Kommandozeile setzen. Dabei legen Sie aus dem Live-System heraus bei der Installation von Antergos zunächst fest, ob Sie ein eigenes Home-Volume zusammen mit ZFS nutzen möchten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bereits voll integriert ist ZFS in den neuen Cnchi-Installer unter Antergos.

Anschließend fragt der Installer in einem weiteren Schritt die grundlegenden Filesystem-Parameter ab. Hier legen Sie nicht nur die Blockgröße fest, sondern definieren im Bereich Pooltyp auch aus einer Auswahlliste den Betriebsmodus von ZFS. Zur Verfügung stehen verschiedene RAID-Level, sodass Sie in Systemen mit mehreren physischen Massenspeichern auch Datenspiegelung oder Striping aktivieren können (Abbildung 2).

Abbildung 2: Grundlegende Optionen wie RAID-Level oder Blockgröße legen Sie ebenfalls bereits im Antergos-Installer fest.

Beachten Sie bitte, dass Cnchi kontextsensitiv arbeitet: Fehlerhafte oder inkompatible Einstellungen verhindern einen Wechsel zum nächsten Schritt, der jeweils durch einen Klick auf den nach rechts weisenden Pfeil oben rechts im Installerfenster erfolgt. So ist es auch unmöglich, bei Computern mit nur einem physischen Massenspeicher ein RAID-Level als Pooltyp zu definieren: In diesem Fall muss die entsprechende Option auf None eingestellt bleiben.

Antergos richtet zudem ohne weiteres Zutun eine Swap-Partition ein. Es konfiguriert sowohl auf Legacy-BIOS- als auch auf EFI-Systemen den Bootmanager Grub automatisch, sodass keinerlei zusätzliche manuelle Nacharbeiten mehr anfallen. Auch eine mit Ext4 formatierte, lediglich 512 MByte umfassende Boot-Partition legt die Routine an.

Beim ersten Neustart nach der Installation sollten Sie darauf achten, im Bootmanager Grub nicht die alternativen Kernel-Varianten aufzurufen, die Antergos zusätzlich zum Standard-Kernel anbietet: Sie bringen keine ZFS-Unterstützung mit und verursachen daher einen sofortigen Systemstillstand.

Details

Nach der Ersteinrichtung konfigurieren Sie die Parameter von ZFS bei Bedarf per Kommandozeile. Dazu gehören beispielsweise die Datenkomprimierung und die Einrichtung von Quotas, die ZFS ebenfalls beherrscht.

Lediglich zwei Befehle – zfs und zpool – ermöglichen die vollständige Kontrolle und Bearbeitung. Während zfs das Dateisystem konfiguriert, verwalten Sie mithilfe von zpool die Datenträger. Um die Datenkomprimierung für einen Storage-Pool einzuschalten, geben Sie mit Administratorrechten am Prompt folgenden Befehl ein:

# zfs set compression=on Pool

Haben Sie mehrere Storage-Pools angelegt, so finden Sie den passenden samt aktueller Statusdaten über den Befehl zpool list. Nach einem Neustart des Systems fragen Sie die Komprimierungsrate ab, indem Sie folgendes Kommando eintippen:

# zfs get compressratio Pool

Das Dateisystem zeigt anschließend in einer übersichtlichen Liste die entsprechenden Daten im Klartext an. Bei bereits zuvor komprimierten Daten wie Bildern oder Video- und Audio-Dateien lassen sich nur geringe Packraten erzielen. Bei reinen Textdateien klappt das wesentlich besser (Abbildung 3).

Abbildung 3: Auch die Komprimierung und Deduplikation beherrscht ZFS.

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