Bedienung per GUI

Im Kontrollzentrum YaST findet sich unten unter Software | Verschiedenes das Modul Snapper, mit dem Sie unter einer grafischen Benutzeroberfläche Snapshots erstellen, anschauen, vergleichen (Abbildung 4), wieder einspielen oder löschen. Neben den automatischen, via Cron gesteuerten oder bei Updates erzeugten Schnappschüssen legen Sie dort bei Bedarf manuell über die Schaltfläche Erzeugen neue Snapshots an (Abbildung 5).

Abbildung 4: Die grafische Oberfläche, die OpenSuse als YaST-Modul zu Snapper mitliefert, erlaubt den Vergleich zweier Schnappschüsse.
Abbildung 5: Bei Bedarf legen Sie von Hand einen Schnappschuss außer der Reihe an.

Das ist vor größeren Änderungen an Dateien durchaus sinnvoll. Sollte es hinterher Probleme geben, so spielen Sie über Auswahl wieder herstellen auf einen Zustand vor der Änderung [7] ein (Abbildung 6). Falls sich das System in einem Zustand befindet, der ein Zurückrollen innerhalb der bestehenden Sitzung nicht mehr erlaubt, besteht außerdem die Möglichkeit, beim Neustart in Grub einen Snapshot auszuwählen und diesen zu booten.

Abbildung 6: Haben Sie beim Konfigurieren einen Fehler gemacht, holen Sie sich eine funktionierende Version einer Datei aus einem Schnappschuss ins laufende System.

Ubuntu und Debian

Unter Debian Sid/Siduction und Ubuntu versuchten wir, mittels Ext4 Snapper und Snapper-GUI [8] zum Laufen zu bekommen. Dabei erzielten wir bei mehreren Versuchen recht gemischte Ergebnisse, die an einer verlässlichen Funktion zweifeln lassen. Wir brachen diese Versuche letztlich ohne brauchbares Ergebnis ab und raten derzeit vom Einsatz von Ext4 mit Snapper ab.

Da wir bereits alle Bestandteile und Konfigurationen für Snapper und Snapper-GUI installiert hatten, entschieden wir uns, den Versuch zu wagen, das bestehende Ext4-Dateisystem nach Btrfs zu konvertieren. Sucht man im Netz nach Anleitungen zu einer solchen Konvertierung, taucht als einer der ersten Treffer das Ubuntu-Wiki [9] auf. Die dortige Beschreibung entpuppt sich allerdings als völlig unbrauchbar, sie führt zu einem nicht mehr bootfähigen System. Die Debian-Anleitung [10] dagegen führte im Test zum Erfolg: Nach einem anschließendem Neustart funktionierte auch Snapper samt Snapper-Gui. Eine solche Konvertierung dauert allerdings wesentlich länger, als ein System neu mit Btrfs aufzusetzen. Insofern handelt es sich hier eher um eine Fingerübung.

Ubuntu installierten mit Btrfs als Dateisystem entsprechend neu auf einer 30 GByte großen Partition. Dabei nutzten wir auch die Möglichkeit, das System dem Logical Volume Manager [11] anzuvertrauen. Dazu wählen Sie im Installer unter Installationsart zuerst LVM, dann unten Andere.... Dort haben Sie nach einem Rechtsklick auf die entsprechene(n) Partition(en) die Möglichkeit, Btrfs als Dateisystem auszuwählen (Abbildung 7). Der Rest der Installation verläuft wie gewohnt. Nach dem Neustart ins installierte System sollten Sie zunächst das System aktualisieren: Jeder neue Kernel in letzter Zeit brachte Optimierungen auch für Btrfs mit.

Abbildung 7: Im Installer wählen Sie Btrfs aus.

Danach installieren Sie das Paket snapper, bei Bedarf libpam-snapper, das Snapper beim Anmelden ans System startet, sowie apt-btrfs-snapshot, das dafür sorgt, dass nach jedem Upgrade mit Apt ein Snapshot angelegt wird. Danach gilt es, Snapper-GUI einzurichten. Als Abhängigkeiten erfordert es auf einem aktuellen Ubuntu lediglich die Pakete git und python3-setuptools. Dann laden Sie den Code für die GUI herunter (Listing 3, erste Zeile). Nun wechseln Sie in das dabei neu entstandene Verzeichnis snapper-gui/ und starten die Installation (Zeile 2 und 3). Vor dem ersten Start der grafischen Oberfläche erstellen Sie noch eine Grundkonfiguration für Schnappschüsse des gesamten Systems (Zeile 4).

Listing 3

$ git clone --depth=1 https://github.com/ricardomv/snapper-gui.git
$ cd snapper-gui/
$ sudo python3 setup.py install
$ sudo snapper create-config /

Dann rufen Sie mit sudo snapper-gui die Oberfläche auf, die mit ihren wenigen Bedienelementen weitgehend selbsterklärend ausfällt (Abbildung 8). Sie können Konfigurationen und Snapshots anlegen, öffnen, entfernen und die Unterschiede betrachten (Abbildung 9). Die einzige Abweichung, die wir von der gewohnten Linux-Logik feststellten, stellt das Markieren von zwei Snapshots zum Vergleich der Unterschiede dar: Es gelingt nur mit der linken [Strg]-Taste, woraufhin Snapper-GUI per Klick auf Changes die Änderungen anzeigt (Abbildung 10). Insgesamt bietet die Oberfläche in etwa die gleichen Funktionen wie das YaST-Modul unter OpenSuse. Im Endeffekt ist aber mit etwas Praxis auch das Steuern von Snapper im Terminal kein Hexenwerk.

Abbildung 8: Der erste Snapshot für das Home-Verzeichnis in Snapper-GUI.
Abbildung 9: Das Überprüfen eines Snapshots für das Gesamtsystem.
Abbildung 10: Snapper-GUI zeigt die Unterschiede zweier Snapshots an.

Unter Ubuntu, Debian und vermutlich auch unter anderen Distributionen verwendet Snapper dieselben Konfigurationsdateien für Snapshots wie unter OpenSuse. Somit sollten Sie vor dem Betrieb auch hier alle angelegten Konfigurationen unter /etc/snapper/configs überprüfen und bei Bedarf entsprechend Listing 2 oder nach eigenen Vorstellungen anpassen.

Die weitere Handhabung läuft ebenfalls so ab wie weiter oben beschrieben, die entsprechenden Befehle funktionieren auch unter Debian und Ubuntu. Das von uns genutzte LVM benötigen Sie keineswegs zwingend, da Btrfs die Funktionalität des Logical Volume Managers bereits mitbringt. Wir wollten unter anderem testen, ob die quasi gedoppelten Funktionen sich in diesem Fall gegenseitig behindern – worauf der Test keinerlei Hinweise lieferte.

Ein Fehler im Paket apt-btrfs-snapshot verhindert derzeit das automatische Erstellen eines Snapshots bei Aktionen mit dem APT-Paketmanager. Vor einer Systemaktualisierung sollten Sie also per Terminal oder GUI einen Schnappschuss von des Gesamtsystems (/) anstoßen.

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