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Innovatives Linux-Terzett aus Spanien

Befreit

Spanien gilt als Hochburg freier Software. Das aus der Provinz Galizien stammende Ubuntu-Derivat Trisquel Linux bietet dabei nicht nur Innovationen auf dem Desktop, sondern auch ein unter der Haube signifikant modifiziertes System.

Als eines der führenden Linux-Systeme dient Ubuntu unzähligen weiteren Distributionen als Basis. Bereits sehr früh mit dabei war Trisquel Linux [1], das 2004 mit Unterstützung der lokalen Universität in der nordwestspanischen Hafenstadt Vigo entstand. Hintergrund der Projektgründung war das Fehlen von Lern- und Bildungssoftware in galizischer Sprache.

Von Anbeginn an zählte es zudem zu den erklärten Zielen der Programmierer, sämtliche proprietären Elemente aus dem Betriebssystem zu entfernen. In diese Sparte schlagen vor allem Binärblobs, die in den Kernel geladen werden. Daneben finden sich aber auch Firmware-Dateien oder Microcode-Updates, die zum Betrieb bestimmter Hardwarekomponenten nötig sind oder den Microcode des BIOS modifizieren.

Bei der offiziellen Vorstellung des Projekts im April 2005 fand sich denn auch der Gründer der Free Software Foundation (FSF), Richard M. Stallman, ein und wies in einer Rede während der Zeremonie darauf hin, welchen Beitrag freie Software im Bildungswesen leisten kann. Die Webseiten der FSF weisen seitdem Trisquel Linux als eine der wenigen Linux-Distributionen aus, die völlig ohne proprietäre Elemente auskommt [2], und bieten die Distribution sogar zum Download an.

In den Folgejahren entstand ein Betriebssystem, das sich nicht nur an Bildungseinrichtungen wendet, sondern auch einen soliden Allrounder abgibt. Dabei fokussierten die Entwickler jedoch nur auf wenige Arbeitsoberflächen, sodass es Trisquel Linux in lediglich vier gut gepflegten Ausgaben gibt, die jeweils andere Nutzergruppen ansprechen.

Varianten

Das DVD-Image der aktuellen, auf Ubuntu 14.04 LTS basierenden Trisquel-Variante 7.0 "Belenos" bringt es in der Gnome-Variante auf rund 1,5 GByte Umfang und steht für 32- sowie 64-Bit-Architekturen bereit [3]. Es unterstützt 50 Sprachen und kommt mit dem speziellen Gnome-Flashback-Desktop, der optisch dem Gnome-2.x-Desktop ähnelt und damit Traditionalisten anspricht. Der Gnome-Flashback-Modus benötigt zudem wenig Ressourcen und verzichtet als reiner 2D-Desktop zugunsten der Effizienz auf optische Gimmicks. Dass die Distribution auf der LTS-Variante basiert, sichert eine Unterstützung und Pflege des Systems bis ins Jahr 2019.

Die Mini-Variante, die mit 600 MByte Umfang noch auf eine CD passt, liefert ebenfalls das komplette Betriebssystem, jedoch mit dem schlanken Desktop LXDE. Diese Version zielt auf ältere Hardware mit 32-Bit-Prozessoren ab, steht aber auch für aktuelle 64-Bit-Rechner zur Verfügung. Trisquel-Mini begnügt sich von Haus aus mit einer englischen und spanischen Lokalisierung, andere Sprachen lassen sich jedoch nachinstallieren.

Die Netinstall-Version besteht aus einem nur 25 MByte großen ISO-Image, das über einen Textmode-Installer das Betriebssystem erst während der Installation aus dem Internet lädt. Diese Variante ist für Server-Installationen gedacht und setzt eine schnelle Internetanbindung ohne Datenkontingent voraus.

Zu guter Letzt kommt Trisquel noch in der Sugar-TOAST-Version mit etwa 500 MByte Image-Größe. Sie nutzt den Sugar-Desktop und spricht damit Lern- und Bildungseinrichtungen für Kinder an. Der Sugar-Desktop verfügt über ein sehr klares Design, dessen Elemente sich assoziativ auch für Anwender ohne Computererfahrung erschließen. Ursprünglich für den OLPC XO-1 mithilfe von Gnome-Komponenten entwickelt, kommt Sugar ohne herkömmliche Menüstrukturen aus. Ursprünglich für den aus heutiger Sicht leistungsschwachen XO-1-Laptop des OLPC-Projektes ("One Laptop Per Child") konzipiert, handelt es sich bei Sugar zudem um eine äußerst ressourcenschonende Arbeitsumgebung.

Neben den vorbereiteten Abbildern liefern die Trisquel-Entwickler noch ein fünftes, mit rund 3 GByte Größe recht umfangreiches ISO-Image. Es enthält den kompletten Quellcode der Distribution und richtet sich somit vornehmlich an Programmierer, die an der Weiterentwicklung des Ubuntu-Derivats Interesse haben.

Problemlos

Da die ISO-Images sowohl den Live-Betrieb der Distribution als auch die Installation erlauben, können Sie nach dem Anfertigen eines entsprechenden Bootmediums sofort testen, ob Trisquel Linux mit Ihrer Hardware kooperiert.

Da die Distribution keinerlei unfreie Bestandteile enthält, kommt es insbesondere bei bestimmten WLAN- und UMTS/HSPA-Komponenten zu Problemen. Gerade in diesem Marktsegment legen etliche Hersteller noch immer nicht die technischen Spezifikationen ihrer Hardware offen und sabotieren damit die Programmierung freier Treibermodule. Auch einige Grafikkarten gehobener Leistungsklassen liefern aus demselben Grund nicht die volle Leistung. Bei älterer Hardware oder auch aktuellen Standardkomponenten dagegen schließt die gute Treiberunterstützung von Ubuntu hier die meisten Lücken.

Sobald daher im Live-Modus der Desktop erscheint, hat Trisquel Linux alle gängigen Hardwarekomponenten erkannt und kann sie korrekt ansprechen. Nach dem Laden des DVD-Images erscheint ein farblich elegant in Blau-, Gelb- und Grüntönen abgestimmter Gnome-Flashback-Desktop, der am unteren Rand eine Panelleiste mit System-Tray zeigt und vier Icons auf der Arbeitsoberfläche beheimatet.

Die Arbeitsumgebung ist dabei bereits durch die Sprachauswahl im Bootmanager Grub korrekt lokalisiert. Ein Klick auf den Startknopf links unten verzweigt in eine vollständig vorhandene Menüstruktur. In den einzelnen Menügruppen finden sich nahezu alle wichtigen Gnome-Applikationen sowie die beiden Aushängeschilder der freien Software, LibreOffice und Gimp.

Etwas ungewöhnlich erscheint im Menü Internet der Abrowser – dahinter verbirgt sich ein modifizierter Firefox. Er wurde von sämtlichen Markennamen befreit, weist jedoch keine funktionalen Unterschiede zum Vorbild auf. Allerdings richteten die Entwickler auch die Addon-Repositories für den Browser strikt nach Gesichtspunkten freier Software aus. Daher fehlen alle Erweiterungen, die einer proprietären Lizenz unterliegen. Das betrifft unter anderem auch sicherheitsrelevante Addons wie Ghostery oder YesScript. Diese lassen sich jedoch zum größten Teil aus den offiziellen Mozilla-Repositories nachinstallieren.

Trisquel fasst die komplette Systemkonfiguration im Dialog Systemeinstellungen zusammen, den Sie direkt aus dem Hauptmenü erreichen (Abbildung 1). Er beinhaltet nicht nur die gängigen Optionen zur Konfiguration von System und Peripheriegeräten, sondern implementiert auch Programme wie Gparted und Gnome Disks, die Sie bei vielen anderen Distributionen erst nachinstallieren müssten. Außerdem können Sie aus der Applikationsübersicht heraus die Paketverwaltung Synaptic aufrufen, die in gewohnter Manier zusätzliche Software auf die Platte packt.

Abbildung 1: Das Einstellungsmenü zeigt sich komplett.

In den Systemeinstellungen finden Sie zudem – wie auch auf dem Desktop – ein Icon zum Installieren des Betriebssystems. Der grafische Installer Ubiquity ermöglicht auch das Verschlüsseln der persönlichen Daten und packt Trisquel Linux in wenigen Schritten auf den Massenspeicher. Nach einem Neustart begrüßt Trisquel Sie mit einer leicht modifizierten Software-Auswahl: In den Systemeinstellungen und auf dem Desktop fehlt das Installationssymbol, und außerdem fehlt nun GParted, da die Partitionierung des Massenspeichers bereits bei der Installation ausgeführt wurde.

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