Editorial 04/2016

Reality Check

Alt heißt nicht irrelevant: Viele Linux-Anwender betreiben nach wie vor 32-Bit-Rechner und halten auch eine Distributionsunterstützung für solche Systeme für unverzichtbar. Vor allem ausgemusterten Windows-XP-Rechnern lässt sich so zu einem produktiven zweiten Leben verhelfen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

"in ein Wespennest gestochen" dürfte wohl die passendste Beschreibung für die Reaktionen sein, die der Leitartikel aus der letzten Ausgabe provoziert hat. Dort stellte ich Ihnen die Frage, ob es Ihrer Meinung nach noch sinnvoll ist, auf den Datenträgern zum Heft weiter 32-Bit-Distributionen auszuliefern. Selten habe ich auf ein Editorial hin derart viele und so ausführliche Zuschriften bekommen – dafür an dieser Stelle vielen Dank!

Wider eigenes Bauchgefühl (ich horte selbst mehrere 32-Bit-PCs bis hin zum 80186) hatte ich als Argument vorgebracht, dass die Relevanz solcher Geräte heute kaum noch gegeben sei. Das sehen die meisten von Ihnen aber ganz anders: Zwei Drittel der Zuschriften kamen von Lesern, die noch mindestens einen, meist aber gleich mehrere 32-Bit-Rechner betreiben. Die Geräte decken dabei die komplette Palette von Netbook über Laptops (oft Thinkpads) bis zum älteren Desktop-PC ab. Der Senior unter den beschriebenen Systemen ist übrigens "ein Aldi-Rechner aus dem Jahr 1995, Pentium I mit FDIV-Bug, 166 MHz, 32 MByte Speicher und 2 GByte Festplatte; dank einiger Linux-User-CDs läuft er seit 2011 mit Zenwalk 4 und Puppy 3".

Etliche Zuschriften weisen darauf hin, dass in Firmen, bei Behörden und nicht zuletzt an Schulen noch immer zahlreiche 32-Bit-Rechner Ihren Dienst versehen – meist unter Windows XP, das es nun aber dringend abzulösen gilt. "In meiner Firma werden peu á peu alte 32-Bit-Laptops verschrottet oder billigst abgegeben – total gute, stabile Hardware, um die es einfach schade wäre." schreibt einer, ein anderer sieht "keinen Grund, verlässliche Rechner der Müllkippe zuzuführen, bloß weil sich irgendein kommerzielles Betriebssystem nicht mehr installieren lässt".

Ergänzt ein dritter: "Persönlich halte ich die Unterstützung von alten Systemen für einen wichtigen technischen und ökologischen Beitrag, den Linux für mich und das Allgemeinwohl leisten kann. Jeder Rechner, der 15 Jahre und länger sinnvoll betrieben werden kann, ist aus meiner Sicht ein Gewinn." Dem lässt sich schwer widersprechen – zumal es in einer Gesellschaft, in der zunehmend vom "Digital Divide" die Rede ist, ganz zweifellos dankbare Abnehmer für solche Rechner gibt: Ich denke da an Projekte wie Reglue (http://www.reglue.org).

Leider halten die liebgewonnenen Systeme nicht ewig: "Eigentlich habe ich mein altes Sony-Laptop sehr gemocht und wollte mich auch nicht von ihm trennen, aber es hat sich im Mai 2014 von mir getrennt", trauert da einer der Leserbriefschreiber. Da können wir jetzt auch nicht weiterhelfen, eines können und werden wir aber: Auf unseren Heft-DVDs liefern wir Ihnen auch weiterhin 32-Bit-Distributionen ins Haus, die offensichtlich alles andere als "old and busted" sind. Nochmal vielen Dank für Ihr Feedback und

herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Mens sana
    Ist Linux sicherer gegen Schadsoftware als Windows? Nein, meint Chefredakteur Jörg Luther – es hat nur die schlaueren Anwender.
  • Reality Check
    Windows 10 verteilt Microsoft demnächst kostenlos. Allerdings ist das "neue" Windows auch umsonst, meint Chefredakteur Jörg Luther.
  • Oops, they did it again
    Inzwischen geht es Microsoft offenbar so schlecht, dass der Konzern selbst vor unfairen Mittel nicht mehr zurückschreckt, um die freie Konkurrenz auszubooten. Dazu zieht man in Redmond das mit Windows 8 geschickt lancierte Secure-Boot-Karnickel wieder aus dem Hut. So nicht, meint Chefredakteur Jörg Luther.
  • 60 UND KEIN BISSCHEN MÜDE
  • Editorial
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

EasyBCD/NeoGrub
Wolfgang Conrad, 17.12.2017 11:40, 0 Antworten
Hallo zusammen, benutze unter Windows 7 den EasyBCD bzw. NEOgrub, um LinuxMint aus einer ISO Dat...
Huawei
Pit Hampelmann, 13.12.2017 11:35, 2 Antworten
Welches Smartphone ist für euch momentan das beste? Sehe ja die Huawei gerade ganz weit vorne. Bi...
Fernstudium Informatik
Joe Cole, 12.12.2017 10:36, 2 Antworten
Hallo! habe früher als ich 13 Jahre angefangen mit HTML und später Java zu programmieren. Weit...
Installation Linux mint auf stick
Reiner Schulz, 10.12.2017 17:34, 3 Antworten
Hallo, ich hab ein ISO-image mit Linux Mint auf einem Stick untergebracht Jetzt kann ich auch...
Canon Maxify 2750 oder ähnlicher Drucker
Hannes Richert, 05.12.2017 20:14, 4 Antworten
Hallo, leider hat Canon mich weiterverwiesen, weil sie Linux nicht supporten.. deshalb hier die...